Do., 25.07.2019

Kohlstädter Benjamin Röttges gehört zu 49 neuen Agrarbetriebswirten Bauern ackern fürs Diplom

2018 begann der Landwirtschaftliche Kreisverband Lippe auf großen Plakaten mit Jungbauern für den Berufsstand zu werben. Dieses Bild des Kohlstädters Benjamin Röttges ist auf einer großen Stellwand auch heute noch in Detmold zu sehen.

2018 begann der Landwirtschaftliche Kreisverband Lippe auf großen Plakaten mit Jungbauern für den Berufsstand zu werben. Dieses Bild des Kohlstädters Benjamin Röttges ist auf einer großen Stellwand auch heute noch in Detmold zu sehen.

Von Klaus Karenfeld

Schlangen (WB). Schon als kleiner Junge verbrachte Benjamin Röttges viel Zeit auf dem Bauernhof der benachbarten Familie Möllenbernd. »Die Fahrten auf dem Trecker sind mir besonders gut in Erinnerung geblieben.« Inzwischen ist der 24-Jährige selbst Landwirt und seit Kurzem auch staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt.

Zwei Jahre ist Benjamin Röttges zwischen seinem Heimatort Kohlstädt und der Fachschule für Agrarwirtschaft in Herford hin und her gependelt – montags bis freitags. Nach sechs Schulstunden ging es mit dem Auto die 50 Kilometer wieder zurück. Für eine Pause blieb danach nur wenig Zeit. Bereits am Nachmittag war der Jungbauer an seinem Arbeitsplatz im Schweinemastbetrieb von Burkhard Koch in Borchen zu finden.

Ausbildung ist abwechslungsreich

Studium und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist Röttges nach eigener Aussage nicht allzu schwer gefallen: »Die Ausbildung zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt ist tatsächlich breit gefächert und sehr abwechslungsreich. Sie reicht von der Tier- und Pflanzenkunde über Fragen der Unternehmensführung bis hin zu sozialen und politischen Themen.« Bevor sich Röttges an der Fachschule in Herford einschreiben konnte, musste der ausgebildete Landwirt ein Jahr Berufspraxis nachweisen.

Für die einzelnen Prüfungen hat Röttges wie seine Kommilitonen mächtig »ackern« müssen. Auf eine Serie von Klassenarbeiten folgte abschließend eine Projektarbeit. Die schriftliche Ausarbeitung brachte es schlussendlich auf 35 Seiten. Untersuchungsobjekt war ein Agrar-Großbetrieb in Ostdeutschland, der sich auf Mutterkuhhaltung und Ackerbau spezialisiert hat. Röttges konkrete Aufgabe war es, aufzuzeigen, wie der Betrieb seine weitläufigen Flächen optimal nutzen kann. Unter die Lupe genommen hat der Kohlstädter Landwirt in diesem Zusammenhang auch die Wirtschafts- und Arbeitsorganisation des Unternehmens sowie dessen komplexes Produktionsverfahren.

Vor wenigen Wochen, Ende Juni, war es geschafft: Der 24-Jährige konnte sein Diplom als staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt in Empfang nehmen, zusammen mit 49 weiteren Absolventen. Unter ihnen sind immerhin neun Frauen. Gleichzeitig hat der Kohlstädter die Ausbildereignungsprüfung erfolgreich bestanden.

Landwirtschaft steht vor gewaltigen Herausforderungen

»Der überwiegende Teil der Studierenden kommt aus der Landwirtschaft und möchte den elterlichen Betrieb weiterführen«, erläutert Schulleiter Werner Weingarz. In jüngster Zeit registriere seine Schule aber einen neuen Trend: »Die Zahl der Studierenden ohne eigenen Hof wächst.«

Zu dieser Gruppe gehört auch Benjamin Röttges. Er sieht die Landwirtschaft von morgen vor gewaltige Herausforderungen gestellt: »Immer mehr kleine Bauernhöfe geben auf. Der Trend geht in Richtung landwirtschaftliche Großbetriebe.« Für diese Entwicklung sei der wachsende Konkurrenzdruck maßgeblich verantwortlich, erläutert der Kohlstädter. Viele Betriebe könnten aber auch die kostspieligen Investitionen in die neue Technik nicht schultern.

Seit 2003 Mitglied im Spielmannszug Kohlstädt

Trotzdem ist und bleibt Benjamin Röttges Landwirt aus Leidenschaft: »Unser Beruf steht wie viele andere auch vor großen Veränderungen. Das ist Anreiz und Herausforderung zugleich. Die Digitalisierung schreitet auch auf den Bauernhöfen voran. Damit gehen viele technische Innovationen einher, die ein entsprechend gut ausgebildetes Personal erforderlich machen.« Erst kürzlich habe er auf einem autonom fahrenden Trecker gesessen, der einzig und allein per GPS-Signal gesteuert wird.

Natürlich besteht für Benjamin Röttges das Leben nicht nur aus Arbeit. Er ist seit 2003 Mitglied im Spielmannszug Kohlstädt. Er schlägt hier die große und kleine Trommel. Der Jungbauer gehört auch den Schützenvereinen Kohlstädt und Bad Lippspringe an und drückt als Bundesliga-Fan dem SC Paderborn die Daumen.

Momentan bleibt ihm für all das nur wenig Zeit. Denn im Juli und August wird die Getreideernte eingefahren. »Da kann ein Arbeitstag schon einmal 16 Stunden dauern«, sagt Röttges.

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