„Osthilfe“ spendet in 25 Jahren mehr als 1000 Lastwagenladungen
Hilfe für die Ärmsten der Armen

Schlangen (WB). Den Ärmsten der Armen zu helfen, das hat sich der Verein „Osthilfe – Humanitäre Initiative e. V.“ mit Sitz in Schlangen zur Aufgabe gemacht. Seit genau 25 Jahren stellen sich Gründer Fritz Klöpping und seine Mitstreiter ehrenamtlich und uneigennützig in den Dienst der guten Sache.

Dienstag, 24.12.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 24.12.2019, 10:32 Uhr
Fritz Klöpping (links), Vorsitzender der „Osthilfe“, und Stellvertreter Edmond Szekely sorgen für die Verteilung der Spenden an die bedürftigen Menschen vor allem in Osteuropa. Foto: Klaus Karenfeld
Fritz Klöpping (links), Vorsitzender der „Osthilfe“, und Stellvertreter Edmond Szekely sorgen für die Verteilung der Spenden an die bedürftigen Menschen vor allem in Osteuropa. Foto: Klaus Karenfeld

„Angefangen hat alles 1994”, erinnert sich Fritz Klöpping noch sehr gut. „Das waren bewegte und bewegende Zeiten. Damals, kurz nach Öffnung der Grenzen, kamen auch viele Menschen neu zu uns in die Sennegemeinde.”

Erste Fahrt mit einem Laster der ehemaligen DDR-Volksarmee

Fritz Klöpping und seine Ehefrau Gerda gehören der örtlichen adventistischen Gemeinde an. Im Herbst 1994 meldete sich bei ihnen ein Mann aus Kasachstan, der für einige Monate in Schlangen arbeiten wollte. Kurz vor seiner Rückkehr fragte er an, ob die Gemeinde vielleicht eine Kleidersammlung für die armen Menschen in seiner Heimat durchführen könne.

„Dieser Bitte sind wir gerne nachgekommen“, berichtet Fritz Klöpping. „Die Bemühungen waren erfolgreich. Bald schon türmte sich ein Berg von Kleidungsstücken bei uns auf. Von dem Mann aus Kasachstan haben wir dann aber nichts mehr gehört.“

Was war in dieser Situation zu tun? Fritz Klöpping und mehrere Mitglieder der adventistischen Gemeinde entschieden sich, selbst aktiv zu werden. Für den Transport der Kleidung wurde eigens ein geräumiges Fahrzeug gekauft, das natürlich nicht zu teuer sein durfte. „Wir entschieden uns schließlich für einen alten Laster der ehemaligen DDR-Volksarmee“, berichtet Fritz Klöpping weiter.

Eine Lebensaufgabe und Zeichen christlicher Nächstenliebe

Ende März 1995 war es soweit. Die Fahrt in das mehrere tausend Kilometer entfernte Tschernjachowsk, dem früheren Insterburg in Ostpreußen, konnte beginnen. „Wir kamen mitten in der Nacht an. Und es war stockdunkel“, weiss Fritz Klöpping noch sehr gut. „Ich stieg aus dem Wagen und versank von einem zum anderen Augenblick knietief im Schlamm. In dem Moment wurde mir klar, wie gut es uns Menschen im Westen geht, während andere in bitterer Armut leben müssen.“

Und so ist es nicht bei dieser einen Fahrt geblieben. Allein 1995 ist die „Osthilfe“ noch sechsmal von Schlangen aus Richtung Osten gestartet. Eine Hilfsaktion führte damals sogar in das 4000 Kilometer entfernte Astrachan an der Wolga. Die Zahl der Hilfstransporte ist über die Jahre immer weiter gestiegen; sie wurden für Fritz Klöpping und seine Mitstreiter zu einer Lebensaufgabe. Der heute 91-Jährige sieht darin auch ein Zeichen gelebter christlicher Nächstenliebe.

Bis heute wurden mehr als 1000 Lastwagenladungen mit Hilfsgütern auf den Weg gebracht. Viele dieser Fahrten führten in Länder des ehemaligen Otsblocks wie Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Russland, Weißrussland oder die Ukraine. Seit dem Jahr 2013 zeichnen ausländische Spediteure für den Transport verantwortlich. Einige Hilfslieferungen haben ihr Ziel auch über den Seeweg erreicht (zum Beispiel Namibia oder Gambia).

Verein arbeitet mit einem bundesweiten Netzwerk

Die „Osthilfe“ ist mittlerweile den Kinderschuhen entwachsen. Längst werden nicht mehr allein warme Kleidung und Wäsche zu den bedürftigen Menschen in Osteuropa gebracht. Dringende Hilfe wird auch an anderer Stelle benötigt. So durfte sich eine Grundschule über 40 neue Tische und Bänke freuen. Immer wieder sind auch Kinder- und Altenheime sowie Kranken- und Waisenhäuser auf Unterstützung angewiesen.

Einmal ist es ein Röntgengerät, das dringend benötigt wird. Ein anderes Mal wendet sich ein Krankenhaus an die Osthilfe, weil Krankenbetten fehlen. „Wir finanzieren unsere Arbeit ausschließlich aus Spenden“, betont Fritz Klöpping. Die Osthilfe ist deshalb seit 2019 auch eingetragener gemeinnütziger Verein mit einem bundesweiten Netzwerk. Zum großen Unterstützerkreis zählen bundesdeutsche Krankenhäuser und Großhandlungen für Sanitäts- und Hygieneartikel.

Neben Fritz Klöpping ist Edmond Szekely stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Der 30-jährige Theologe stammt aus Ungarn und lebt seit 2017 mit seiner Frau und Kind in Schlangen. Zuvor hatte er in der Ukraine gearbeitet und dort die Armut vieler Menschen hautnah kennen gelernt. „Diese Erfahrung hat mich sehr geprägt“, betont Edmond Szekely. Und deshalb stelle er sich gern in den Dienst der „Osthilfe“.

Anfang Dezember dieses Jahres hatte der Verein zu einem weihnachtlichen Trödelmarkt eingeladen. „Das Ergebnis hat unsere Erwartungen übertroffen“, freut sich Szekely. Und natürlich soll das Geld so schnell wie möglich den Menschen zugute kommen, die es am dringendsten benötigen.

Lebensmittel für Menschen in der Ukraine

Der 30-Jährige wird deshalb die Feiertage nutzen und in die Ukraine reisen, und zwar dorthin, wo er mehrere Jahre gearbeitet hat. Mit dem Geld sollen vor allem Lebensmittel vor Ort gekauft werden. „Wir stehen in engem Kontakt mit der dortigen Kirchengemeinde, die für die Verteilung sorgt. Und die richtet sich ausschließlich danach, wie bedürftig ein Mensch ist und nicht nach seiner Religionszugehörigkeit oder seiner gesellschaftlichen Stellung“, betont Edmond Szekely abschließend.

Wer die „Osthilfe“ finanziell unterstützen möchte, kann das tun. Ein Spendenkonto ist bei der Volksbank Schlangen eingerichtet. Die Bankverbindung lautet: IBAN:DE 77 4006 9283 0105 6401 00 / BIC: GENODEM1SLN. Auf Wunsch werden steuerabzugsfähige Bescheinigungen ausgestellt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7151198?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198397%2F2516024%2F
Edmundsson lässt Arminia jubeln
Der Jubel ist riesig: Die Arminen feiern ihren Siegtorschützen Joan Simun Edmundsson (Mitte). Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker