Wie sich Tierfreunde für das Überleben der Wildtiere einsetzen
Igel überwintern im Hasenstall

Schlangen (WB). Er sieht so lieb und putzig possierlich aus und ist in den heimischen Gärten ein gern gesehener Gast. Doch ausgerechnet der Mensch macht ihm das Leben schwer.

Donnerstag, 26.12.2019, 21:00 Uhr
Bettina Meier (Mitte) mit Igel Purzel, einem ihrer Schützlinge.Sie kümmert sich wie ihre Tochter Ursel und Lea Kaspersmeier (rechts) um die stacheligen Wildtiere und hilft ihnen durch die kalte Jahreszeit. Foto: Klaus Karenfeld
Bettina Meier (Mitte) mit Igel Purzel, einem ihrer Schützlinge.Sie kümmert sich wie ihre Tochter Ursel und Lea Kaspersmeier (rechts) um die stacheligen Wildtiere und hilft ihnen durch die kalte Jahreszeit. Foto: Klaus Karenfeld

Inzwischen gehört der Igel zu den bedrohten Tierarten. Mut machen da Menschen wie Bettina und Ursel Meier oder Lea Kaspersmeier, die sich vorbildlich für das Überleben der Wildtiere engagieren.

Mecki und Purzel haben bei den Meiers ein schönes wie artgerechtes Winterquartier gefunden. Als vorläufige Unterkunft in der kalten Jahreszeit dienen zwei geräumige Hasenställe.

Alles ist bereit für den nahen Winterschlaf. Die kommenden vier bis fünf Monate werden sich die beiden Jungigel in ein Nest aus Stroh einkuscheln, für die nötige Umgebungswärme ist so gesorgt.

Stachelige Freunde sind unterschiedlichen Gefahren ausgesetzt

Wie den Meiers liegt auch Lea Kaspersmeier das Schicksal der Igel besonders am Herzen. Die Studentin wohnt in der ländlichen Umgebung von Paderborn-Marienloh. In diesem Jahr sind ihr ungewöhnlich viele tote und verletzte Igel aufgefallen – auch in ihrer direkten Nachbarschaft.

Der stachelige Freund ist unterschiedlichen Gefahren ausgesetzt. „Und die sind nicht selten von Menschen verursacht“, ist Lea Kas­persmeier überzeugt. Schätzungsweise eine Million Igel werden pro Jahr auf Deutschlands Straßen tot gefahren, mehr als doppelt so viele sterben durch Gifte und Unkrautvernichtungsmittel.

Inzwischen hat der Igel einen weiteren übermächtigen Gegner: den Mähroboter. Der darf laut Bedienungsanleitung nicht unbeaufsichtigt im Beisein von Kindern seine Bahnen ziehen. „Folglich kommt der Mähroboter nicht selten abends zum Einsatz und wird so zur Gefahr für nachtaktive Tiere wie den Igel“, berichtet Lea Kas­persmeier.

Gewicht von mindestens 500 Gramm ist notwendig

Sie selbst hat bereits eine Reihe von Igeln mit schwersten Gesichts- und Körperverletzungen gefunden. Nur in den wenigsten Fällen konnte eine Notoperation beim Tierarzt deren Leben noch retten; die Mehrzahl musste eingeschläfert werden.

Als Lea Kaspersmeier Purzel entdeckte, war es Ende September. Der Jungigel war da erst wenige Wochen alt und wog damals lediglich 217 Gramm. Zum Vergleich: Um den Winter in freier Natur überleben zu können, wäre ein Gewicht von mindestens 500 Gramm notwendig.

Bettina und Ursel Meier aus Oesterholz haben Purzel in ihre Obhut genommen und aufgepäppelt, wie viele andere Igel zuvor auch.

Inzwischen hat das Jungtier mächtig an Gewicht zugelegt. Aktuell bringt Purzel 900 Gramm auf die Waage. „Mit Katzen-Nassfutter, aber auch getrockneten Insekten, proteinhaltiger Fleischpaste und Haferflocken haben wir ihn gefüttert“, sagt Bettina Meier.

Die beiden Igel-Mamas haben ihren Schützlingen auch einprägsame Namen gegeben wie Hagen, Hans-Günther, Kai-Uwe oder Bärbel-Gisela. In bester Erinnerung geblieben ist auch Igelin Lieselotte, die längere Zeit im Garten der Oesterholzer Familie wohnte. „Wenn sie nur etwas auf Futternachschub warten musste, hat sie laut vernehmbar am Futternapf gerüttelt“, weiß Bettina Meier zu berichten.

„Fund-Igel“ medizinisch untersuchen lassen

Tochter Ursel räumt währenddessen im Gespräch mit einem verbreiteten Irrtum auf: „Igel sehen zwar süß und possierlich aus, sind aber keine Kuscheltiere. Nur in Ausnahmefällen – wie jetzt im Winter – dürfen sie aufgehoben und mitgenommen werden. Das ist der Fall, wenn der Igel zu klein oder unterernährt wirkt.“

Aber woran erkennt man das? Für Lea Kaspersmeier gilt als Faustregel: „Wenn man im Spätherbst einen Igel findet, der der Form nach kleiner als eine Pampelmuse ist, dann besteht Handlungsbedarf.“ In diesem Fall gebe es eine Reihe kompetenter Ansprechpartner, zu denen man unmittelbar Kontakt aufnehmen könne. Dazu zählen Bettina Meier zufolge das Tierheim Paderborn, die Igelstation Paderborn oder ein Tierarzt in der Nähe. Der „Fund-Igel“ könne dort auch medizinisch untersucht und bei Bedarf entwurmt werden.

Mecki ist bereits im Winterschlaf

Neben Purzel hat auch der kleine Mecki bei den Meiers ein neues Zuhause gefunden. Eine Freundin der Familie hat ihn Anfang November entdeckt. Da wog er nur wenige hundert Gramm. „Auch Mecki haben wir wieder aufgepäppelt”, freut sich Bettina Meier. Und der Erfolg ist mess- und sichtbar. Innerhalb von nur einer Woche hat er 100 Gramm Gewicht zugenommen.

Anders als Purzel befindet sich Mecki bereits im Winterschlaf. Der Puls verlangsamt sich, der Kreislauf arbeitet auf Sparflamme. Sollte Mecki kurzzeitig einmal aufwachen, steht Nahrung für ihn bereit: ein Schälchen mit frischem Wasser und etwas Trockenfutter. Nach Ende des Winterschlafs übrigens werden die Igel wieder ausgewildert und in einer verkehrsarmen wie naturbelassenen Umgebung in die Freiheit entlassen.

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