Regelung gilt mit Jahresbeginn – Gesetzgeber will Steuerbetrug erschweren
Händler kritisieren neue Bon-Pflicht

Schlangen (WB). Mit Beginn des neuen Jahres müssen Einzelhändler, Bäcker, Friseure und Apotheker bei Bargeschäften dem Kunden verpflichtend einen Kassenbon ausdrucken und aushändigen. Auch die Mitglieder der Werbegemeinschaft Schlangen müssen die Bon-Pflicht zum 1. Januar umsetzen, ihr Urteil zum neuen Gesetz fällt aber eindeutig negativ aus: „Wir halten gar nichts davon“, sagt der Vorsitzende der Werbegemeinschaft, Rüdiger Burmester.

Dienstag, 31.12.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 31.12.2019, 09:36 Uhr
Rüdiger Burmester und Claudia Heinemann von der Werbegemeinschaft Schlangen halten nichts von der Bon-Pflicht, die zum 1. Januar in Kraft tritt. Der Nutzen sei nicht erkennbar, wohl aber Bürokratie und mehr Belastung für die Umwelt. Foto: Uwe Hellberg
Rüdiger Burmester und Claudia Heinemann von der Werbegemeinschaft Schlangen halten nichts von der Bon-Pflicht, die zum 1. Januar in Kraft tritt. Der Nutzen sei nicht erkennbar, wohl aber Bürokratie und mehr Belastung für die Umwelt. Foto: Uwe Hellberg

Im „Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen“ hat die Politik beschlossen, dass vom 1. Januar 2020 an bei Bargeschäften eine Belegausgabepflicht besteht. Der Gesetzgeber erhofft sich davon, dass Steuerhinterziehung erschwert wird. Die Pflicht gilt allerdings nur für Händler mit Registrierkassen. Wer eine so genannte Offene Ladenkasse führt, muss nichts unternehmen.

Belegausgabepflicht kam überraschend

Claudia Heinemann von Optik Vollmer, stellvertretende Vorsitzende der Werbegemeinschaft Schlangen, hat eigens eine neue elektronische Kasse gekauft – obwohl der Kassenbeleg für sie schon immer Gewohnheit war. „Bei technischen Geräten ist das alleine schon wegen der Garantien auf die Geräte immer so gewesen“, erklärt sie im Gespräch. Allerdings: „Selbst wenn ein Kunde künftig sagt, er brauche keinen Kassenzettel, muss ich darauf bestehen und ihn aushändigen“, erläutert Heinemann.

Die neue Belegausgabepflicht sei für sie sehr überraschend gekommen, sagt Heinemann. Bei mehreren Mitgliedern der Werbegemeinschaft sei es notwendig gewesen, technische Umstellungen vorzunehmen oder neue Programmierungen. Der entscheidende Punkt ist: Jede Transaktion muss für das Finanzamt nachvollziehbar sein.

Mehr Bürokratie und Belastung für die Umwelt

„Wir Händler in der Schlänger Werbegemeinschaft sind grundsätzlich gegen diese neue Pflicht“, macht Heinemann deutlich. „Wir sehen auch den Nutzen darin nicht“, ergänzt Rüdiger Burmester. Wohl aber erkennen die heimischen Gewerbetreibenden neben der neu entstehenden Bürokratie eine große Belastung für die Umwelt in der neuen Vorschrift. Denn: Die meisten Kassenzettel werden auf Thermopapier gedruckt. Dieses mit einer Chemikalie beschichtete Papier darf nicht über das normale Altpapier entsorgt werden. „Wenn ich dem Kunden einen solchen Beleg aushändigen muss und er ihn später draußen entsorgen will, kann er das denn überhaupt?“, fragt Claudia Heinemann. „Stellt etwa die Gemeinde im Ort spezielle Papierkörbe oder Müllbehälter für dieses Thermopapier auf?“

Was muss der Beleg gemäß der so genannten Kassensicherungsverordnung ausweisen? Den vollständigen Namen und Anschrift des Unternehmens, Datum der Belegausstellung, Zeitangabe des Vorgangs, Menge und Art der gelieferten Ware oder Dienstleistung, Rechnungsnummer, Betrag und Steueranteil sowie die Seriennummer des elektronischen Aufzeichnungssystems oder die Seriennummer des Sicherheitsmoduls.

Hoffnung auf Wiederabschaffung der „Zettelwirtschaft“

Ebenfalls auf dem Kassenzettel zu sehen sein muss die so genannte Transaktionsnummer. Und genau hier setzen Gegner der Bon-Pflicht mit einem wichtigen Punkt bei ihrer Kritik an. Diese Transaktionsnummer werde beim Start eines Verkaufsvorganges über Registrierkassen von einer technischen Sicherungseinrichtung erfragt, im weiteren Verlauf würden alle Buchungen dann automatisch registriert. Daher sei Transparenz gegenüber den Finanzbehörden gegeben.

Die neue „Zettelwirtschaft“ wird nicht nur von den Händlern kritisch gesehen, auch in der Bundesregierung herrsche innerhalb der großen Koalition keine Einmütigkeit, glauben Rüdiger Burmester und Claudia Heinemann beobachtet zu haben. „So bleibt uns schließlich nur die Hoffnung, dass wir von dieser Pflicht vielleicht doch eines Tages wieder befreit werden“, meint Claudia Heinemann.

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