Weiterhin vier Corona-Fälle in Schlangen – weniger Anrufe bei Hotline
„Danke für Besonnenheit, helfende Hände und Disziplin“

Schlangen (WB). „Das Leben ist schön!“ – Fast trotzig wirkt diese Botschaft in Zeiten der Corona-Krise. Mit einem davor bunt gestalteten Blumenbeet grüßt die Gemeinde Schlangen seit Wochenbeginn an der Ecke Kohlstädter Straße/Obere Straße die Menschen. Bürgermeister Ulrich Knorr bescheinigt den Schlängern – auch nach den am Montag verschärften Bestimmungen im Kampf gegen das Corona-Virus – richtig zu handeln: „Der überwiegende Teil der Schlänger verhält sich vernünftig.“

Dienstag, 24.03.2020, 06:00 Uhr
Frohe Botschaft in schwierigen Corona-Zeiten: „Das Leben ist schön!“ heißt es auf dem farbenfrohen Blumenbeet, das die Gemeinde Schlangen an der Kreuzung Kohlstädter Straße/Obere Straße angepflanzt hat. Foto: Uwe Hellberg
Frohe Botschaft in schwierigen Corona-Zeiten: „Das Leben ist schön!“ heißt es auf dem farbenfrohen Blumenbeet, das die Gemeinde Schlangen an der Kreuzung Kohlstädter Straße/Obere Straße angepflanzt hat. Foto: Uwe Hellberg

Das drückt sich auch in einer weiteren Aktion an den Kreiseln im Gemeindegebiet aus. Dort heißt es auf Schildern: „Herzlichen Dank für Besonnenheit, helfende Hände, Verständnis und Disziplin.“ Danke sagen, viel mehr Handlungsspielraum haben Städte und Kommunen derzeit in der Corona-Krise nicht. „Das ist schon sehr eingeschränkt“, sagt der Bürgermeister. Wo es noch Spielraum gebe, werde er diesen aber nutzen, betont Knorr. „Besonders natürlich dort, wo es um Ungerechtigkeiten geht.“

Eisdiele: Verzehr im Umkreis von 50 Metern untersagt

Mit Bedauern hat Schlangens Bürgermeister zur Kenntnis genommen, was einer Eisdiele in Detmold geschehen ist: Dort hatten Kunden, nachdem sie einzeln eingetreten waren, sich mit Eis versorgt. Nach dem Außer-Haus-Verkauf hatten sich viele auf Bänken im Umfeld der Eisdiele niedergelassen. Bürger riefen daraufhin beim Ordnungsamt der Stadt Detmold an, beschwerten sich, dass die Eisdiele weiter geöffnet hat. Daraufhin wurde die Eisdiele vom Amt dicht gemacht.

In Schlangen ist zurzeit auch Eis-Molin geöffnet. „Für den Außer-Haus-Verkauf ist das erlaubt“, sagt Ulrich Knorr. Bänke und Stühle sind weggeräumt. Aber: Auch von den Schlängern wird hier Disziplin gefordert, wollen sie weiterhin ihr Eisvergnügen genießen. Denn die seit Montag geltenden Vorschriften sagen: „Der Verzehr ist in einem Umkreis von 50 Metern um die gastronomische Einrichtung untersagt.“ Der Bürgermeister vertraut auf vernünftiges Verhalten der Bürger. Aber die Verwaltung werde die Situation genau beobachten.

Ausgangssperre oder Kontaktverbot? Ulrich Knorr erklärt, ein generelles Ausgangsverbot hätte er nicht als gut empfunden. „Ich finde das schon sehr weitgehend, was jetzt beschlossen worden ist. Persönlich bin ich damit sehr zufrieden“, sagt der Bürgermeister.

Die Anzahl der bestätigten Corona-Infektionen in Schlangen hat sich am Wochenende nicht verändert. Bis zum Montag (Stand 12 Uhr) gab es laut Mitteilung des Kreises vier Fälle in Schlangen.

Landrat appelliert noch ein Stück mehr Verzicht zu üben

Im Kreis Lippe hat sich die Zahl der Infektionen um zwölf erhöht. Insgesamt sind es 170 bestätigte Fälle. Fünf Corona-Patienten sind wieder genesen, einer verstorben.

Der Kreis Lippe wies am Montag noch einmal auf die Bestimmungen hin, die die NRW-Landesregierung per Rechtsverordnung bis vorerst 19. April erlassen hat: Zusammenkünfte und Ansammlungen in der Öffentlichkeit von mehr als zwei Personen sind verboten. Ausgenommen sind Verwandte in gerader Linie, Ehegatten, Lebenspartnerinnen und Lebenspartner sowie in häuslicher Gemeinschaft lebende Personen, die Begleitung minderjähriger und unterstützungsbedürftiger Personen, zwingend notwendige Zusammenkünfte aus geschäftlichen, beruflichen und dienstlichen sowie aus prüfungs- und betreuungsrelevanten Gründen. Der Öffentliche Personennahverkehr darf weiter genutzt werden.

„Ich bin froh, dass sich Bund und Länder auf weitgehend einheitliche Regelungen einigen konnten“, sagt Landrat Dr. Axel Lehmann. „Für die Lipperinnen und Lipper heißt das, dass wir in den kommenden Tagen noch ein Stück mehr Verzicht üben und unsere Gewohnheiten ändern müssen. Im Vergleich zu dem, was auf dem Spiel steht, ist das aber ein kleines Opfer. Wenn wir jetzt absehbare Einschränkungen hinnehmen und uns an die Regeln halten, können viele Menschenleben gerettet werden.“

Zahl der Anrufe bei der Info-Hotline ist gesunken

In den vergangenen Wochen war das Informationsbedürfnis der lippischen Bevölkerung sehr hoch. Jetzt zeigt sich in Lippe ein deutlicher Rückgang bei den Anruferzahlen unter der Telefonnummer 116 117 und der Info-Hotline des Gesundheitsamts. Von Freitag bis Sonntag wählten 1582 Menschen die Hotlinenummer, das sind rund 60 Prozent weniger als noch am Wochenende davor. Hier waren 3962 Anrufe eingegangen. Die Nummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes wählten ab Freitag, 13 Uhr, bis Sonntagabend 948 Personen, vorheriges Wochenende wurden 1800 Anrufe gezählt. In den Anrufen des Ärztlichen Bereitschaftsdiensts erfasst sind auch medizinische Anfragen, die regulär über die 116 117 aufkommen und nicht mit dem Coronavirus in Verbindung stehen.

Das höchste Anrufaufkommen ist in den Vormittagsstunden verzeichnet, wodurch Wartezeiten entstehen können. Wenn möglich, sollten Anrufe auch in den Nachmittagsstunden getätigt werden.

„Mit den neuen Regelungen zum Kontaktverbot werden wieder vermehrt Fragen aufkommen“, so  Lehmann. Er bittet deshalb darum, zur Information wenn möglich auch die Internetseite www.kreis-lippe.de zu nutzen.

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