Apotheker Martin Hanke stellt Desinfektionsmittel selbst her
„Panikkäufe nicht notwendig“

Schlangen (WB). „Ich bin seit gut 32 Jahren in meinem Beruf tätig, aber so etwas habe ich bisher noch nicht erlebt“, sagt Martin Hanke. Die Apotheken verzeichnen in der derzeitigen Corona-Krise einen großen Andrang und Aufklärungsbedarf. „Viele Menschen sind verunsichert, doch die aktuelle Situation bedeutet auch für uns Apotheker eine besondere Herausforderung.“

Mittwoch, 25.03.2020, 09:00 Uhr
Desinfektionsmittel sind neben Schutzmasken aktuell besonders gefragt, sagt Apotheker Martin Hanke. Zur eigenen Herstellung von Desinfektionsmitteln benötigt der Apotheker Ethanol, doch auch das muss der 56-Jährige stets neu organisieren. Foto: Uwe Hellberg
Desinfektionsmittel sind neben Schutzmasken aktuell besonders gefragt, sagt Apotheker Martin Hanke. Zur eigenen Herstellung von Desinfektionsmitteln benötigt der Apotheker Ethanol, doch auch das muss der 56-Jährige stets neu organisieren. Foto: Uwe Hellberg

Vor einigen Tagen hatte der Sprecher der Apothekerschaft im Altkreis Detmold, Dr. Karsten Stolz, davon abgeraten, auch bei Medikamenten Hamster- oder Panikkäufe zu tätigen. Dafür gebe es keinerlei Grund. Das kann Martin Hanke als Inhaber der Eichen-Apotheke in Schlangen nur bestätigen. Der 56-Jährige stellt aber – wie nahezu alle Kollegen – fest: „Es besteht die Tendenz, sich zu bevorraten.“ Besonders gefragt sind derzeit Schutzmasken und Desinfektionsmittel. „Masken sind aktuell aber gar nicht vorrätig, Desinfektionsmittel stellen wir mittlerweile selbst her“, erklärt der Apotheker.

Lieferengpässe bei einigen Medikamenten

„Bei einigen Medikationen gibt es Lieferengpässe. Das liegt daran, dass die Produktionsstätten in China und Indien liegen. Die Hersteller sind dorthin gegangen, nachdem sie hier in Deutschland unter einen enormen Preisdruck geraten sind“, schildert Hanke die Zusammenhänge. Schwierigkeiten bei Lieferketten habe es zwar immer schon gegeben, jetzt aber hätten sich diese potenziert. „Wir sprechen dann von sogenannten Lieferdefekten.“ Hanke spricht davon, dass er seinen Warenlagerbestand bereits von 200.000 auf 250.000 Euro aufgestockt habe, um vorsorgen zu können.

Aber: Manches ist eben nicht zu haben. Martin Hanke: „An Paracetamolsaft ist derzeit nicht dran zu kommen, was blöd ist für Kinder. Da muss man dann auf Zäpfchen umsteigen.“ Immerhin: Schutzmasken hofft der 56-Jährige bald wieder zu erhalten. „Für Anfang April hat mir ein Hersteller 200 Masken versprochen.“ Hanke stellt klar: „In erster Linie sind diese Masken dazu da, um andere zu schützen, nicht sich selbst.“

Desinfektionsmittel wird in der Apotheke hergestellt

Großer Mangel herrscht in Corona-Zeiten auch an Desinfektionsmitteln. „Diese stellen wir nun selbst aus Ethanol her“, so der Schlänger Apotheker. Den Alkohol hat ihm eine Firma aus Lippstadt zugesichert. „Aber alles zu organisieren, das bindet unheimlich viel Arbeitskraft“, macht Hanke deutlich. Mit Schutzmasken und Desinfektionsmitteln versorgen die Apotheker zunächst Seniorenheime, Arztpraxen und Krankenhäuser. So hat Martin Hanke etwa dieser Tage noch spät abends Desinfektionsmittel für den Lüningshof und die Diakoniestation Schlangen hergestellt.

Und wie schützen sich der Apotheker und seine Mitarbeiter in der Corona-Krise? „Ältere Mitarbeiter bauen jetzt erst einmal Überstunden ab. Natürlich bitten wir die Kunden, Abstand zu halten. Wir lassen nur zwei Kunden gleichzeitig in die Apotheke. Beratungsgespräche sind durchaus auch mal kürzer“, schildert Hanke. „Wichtig ist auch regelmäßiges Lüften und das Desinfizieren.“

Auf Plexiglasscheiben an Verkaufstischen, die Mitarbeiter davor schützen sollen, angehustet oder angeniest zu werden, verzichtet Martin Hanke. Anders hingegen Ursula Vieth, Apothekerin der Vornewald-Apotheke in Schlangen. „Wir haben Plexiglas aufgestellt und wir arbeiten im Schichtdienst“, sagt Vieth.

Einig sind sich alle Apotheker darin: Patienten mit Symptomen, die auf eine Infektion mit dem Coronavirus hindeuten, sollten eine Apotheke am besten überhaupt nicht mehr betreten, sondern sich telefonisch melden. Hanke: „Zurzeit gibt es aber noch alles: grippale Infekte, die Grippe, Allergien und Corona.“ Die normale Grippe ebbe aber langsam ab.

Sich telefonisch zu melden, sei ein guter Rat, meint der Apotheker. Martin Hanke: „Wir haben auch unseren Lieferservice intensiviert. Wer bei uns anruft, erhält sein Medikament eigentlich noch am gleichen Tag.“

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