Fr., 03.04.2020

Spargelbauern im Paderborner und Lipper Land haben derzeit aus zwei Gründen zu kämpfen Corona-Krise und Kälte

Spargelbauer Wendelin Jelowik mit einer Kiste voll Spargel . Das Foto ist von der Ernte im Jahr 2018. Mit der diesjährigen Ernte wollte er bereits Mitte dieser Woche beginnen, doch die Temperaturen machten ihm einen Strich durch die Rechnung.

Spargelbauer Wendelin Jelowik mit einer Kiste voll Spargel . Das Foto ist von der Ernte im Jahr 2018. Mit der diesjährigen Ernte wollte er bereits Mitte dieser Woche beginnen, doch die Temperaturen machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Foto: Klaus Karenfeld

Von Klaus Karenfeld

Schlangen/Salzkotten (WB). Spargelbauer wie Wendelin Jelowik aus Schlangen haben es in diesen Tagen nicht leicht: Die ­Corona-Krise verhinderte bisher, dass dringend benötigte Ernte­helfer aus Osteuropa anreisen konnten. Und auch das Wetter spielt zum Saisonstart nicht mit. Die nächt­liche Kälte der vergangenen Tage hat bereits zu ersten Schäden an den sensiblen Pflanzen geführt.

Jelowik unterhält mehrere große Spargelfelder. Eigentlich wollte er bereits Mitte dieser Woche mit der ersten Ernte in Holsen bei Salzkotten beginnen. Doch daraus wurde bisher nichts: „In der Nacht von Sonntag auf Montag ist die Temperatur auf bis zu sieben Grad unter Null gefallen. Da sind viele Spargelspitzen erfroren“, erläutert Jelowik. Statt zu ernten, haben der Landwirt und seine Helfer die betreffenden Stangen gestochen und aussortiert. „Die Ernte eines Tages ist verloren“, bilanziert Jelowik nüchtern. Denn verkaufen lasse sich dieser Spargel nicht mehr.

Folie verzögert Wachstum

Nun setzt der 49-Jährige auf das kommende Wochenende und dann hoffentlich wärmere­ Tem­peraturen. Sein drittes großes Spargelfeld in Schlangen an der Fürstenallee ist ebenfalls mehrere Hektar groß. Anders als in Holsen hat er dort die Pflanzen mit weißer Folie abgedeckt. „Das verzögert das Wachstum und führt dazu, dass wir nicht gleichzeitig große Mengen Spargel ernten müssen“, erklärt der Landwirt.

Diese Entscheidung hat Jelowik nach eigener Aussage mit Bedacht getroffen. Denn statt der 16 benötigten Erntehelfer aus Osteuropa seien bislang nur fünf angereist. „Die Corona-Krise macht sich eben auch bei uns bemerkbar, weil die Grenzen auf dem Landweg geschlossen sind“, sagt ­Jelowik.

Bereits Verträge mit Erntehelfern geschlossen

In den vergangenen Tagen und Wochen habe er viel telefoniert und seine langjährigen Kontakte spielen lassen. Mit einigen polnischen Erntehelfern konnte er bereits Arbeitsverträge abschließen. „Die warten nur darauf, dass sie losfahren können“, gibt sich Jelowik vorsichtig optimistisch. Die Situation könne sich aber jeden Tag ändern, was seine Planungen nicht unbedingt erleichtere.

Auch mit interessierten rumänischen Helfern war Jelowik im Gespräch. Die sollten per Flugzeug nach Deutschland kommen. Doch diese Flüge hat die deutsche Regierung inzwischen untersagt. „Vielleicht sehen wir Spargel­anbauer in einigen Wochen etwas klarer“, sagt der Obst- und Gemüsebauer und fügt hinzu: „Es wäre schön, wenn sich die Krisensituation bis zum Mai etwas entspannt. Denn dann laufen Spargel- und Erdbeerernte quasi parallel.“

Restaurants stehen in Warteschleife

Dabei denkt er auch an seine Kunden: „Viele Gastronomie­betriebe sind aktuell geschlossen. Einige Restaurants bieten aber einen Außer-Haus-Verkauf an und wollen den Spargel so schnell wie möglich auf ihre Speisekarte ­nehmen.“

Und natürlich setzt Jelowik auf seine Privatkunden. Voraussichtlich von Samstag an soll das königliche Gemüse in seinem Hof­laden am Dedinghauser Weg erhältlich sein. Ob es auch wieder Verkaufsstände in Schlangen und Umgebung geben werde, sei dagegen noch nicht entschieden.

Eigentlich sollte 2020 für Jelowik ein Jahr der Freude werden. „Voraussichtlich ab Ende April bringen wir die mittlerweile 30. Erdbeerernte ein. Und das wollten wir mit einem großen Spargel- und Erdbeerfest feiern. In Zeiten von Corona ist das natürlich nicht möglich.“ Und wie sieht der Blick in die Zukunft aus – in die Zeit nach der Corona-Pandemie? „Es wird weitergehen und es muss weitergehen“, sagt Jelowik. Er sei überzeugter Obst- und Gemüse­anbauer und sein Familienbetrieb breit aufgestellt: „Das hilft uns, der derzeitigen Krise zu trotzen.“

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