Gewerbetreibende trotzen der Corona-Krise mit vielfältigen Ideen
Kreativität und Flexibilität

Schlangen (WB). Cafés, Restaurants und Einzelhandelsgeschäfte haben seit drei Wochen geschlossen. Rüdiger Burmester spricht von schweren Zeiten auch für die Wirtschaft in Schlangen. Dennoch gibt sich der Vorsitzende der örtlichen Werbegemeinschaft vorsichtig optimistisch: „Ich hoffe, dass wir am Ende mit einem tiefblauen Auge davonkommen.“

Mittwoch, 15.04.2020, 09:00 Uhr
Die Schlänger Ortsmitte gestern und heute – eigentlich ein Ort mit pulsierendem Leben. Das ist in Zeiten von Corona aber anders. Foto: Klaus Karenfeld
Die Schlänger Ortsmitte gestern und heute – eigentlich ein Ort mit pulsierendem Leben. Das ist in Zeiten von Corona aber anders. Foto: Klaus Karenfeld

Während die Handwerker am Bau weiterhin ungehindert ihrer Beschäftigung nachgehen können, haben viele Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomiebetriebe mit Beginn der Corona-Krise schließen müssen.

Betroffen davon ist auch Claudia Heinemann, die seit 2012 das Uhren- und Brillenfachgeschäft Vollmer in der Schlänger Ortsmitte betreibt. Für die von der Bundesregierung getroffenen Schutzmaßnahmen hat die Beisitzerin im Vorstand der Werbegemeinschaft durchaus Verständnis, dennoch zweifelt sie am Sinn einiger Vorgaben: „Eine Brille darf ich zwar reparieren. Der Verkauf einer neuen Brille ist mir hingegen untersagt.“

Es gebe aber eine Ausnahme, die aus ihrer Sicht noch weniger nachvollziehbar ist. „Kann eine Brille nicht mehr repariert werden, dann darf ich dem Kunden eine neue Brille anfertigen und verkaufen“, sagt sie und schüttelt leicht verständnislos den Kopf.

Wie Heinemann bleibt auch Rüdiger Burmester per E-Mail oder Telefon im Kontakt mit seinen Kunden. Der 61-Jährige leitet eine Versicherungsagentur in Schlangen und ist gleichzeitig Vorsitzender der örtlichen Werbegemeinschaft.

Deutliche Einnahmeverluste

Die Corona-Krise führt Burmester zufolge auch in Schlangen zu deutlichen Einnahmeverlusten. „Bei einigen unserer knapp 70 Mitglieder herrscht Ebbe in der Kasse“, berichtet er. Der Vorstand des Vereins hat deshalb eine bis dato einmalige Entscheidung getroffen: Der Jahresbeitrag von 150 Euro je Mitglied  wird  zumindest vorübergehend ausgesetzt.

Mit Gutscheinen unterstützen

Gleichzeitig bricht Burmester eine Lanze für die heimische Wirtschaft. An die Bürger der Sennegemeinde appelliert er, sich weiterhin solidarisch zu zeigen: „Wenn möglich, kaufen Sie gerade jetzt Gutscheine der Werbegemeinschaft, die aktuell bei den zwei ortsansässigen Geldinstituten erhältlich sind. Die Gutscheine können die Kunden entweder jetzt oder nach Ende der Corona-Beschränkungen in den örtlichen Einzelhandelsgeschäften und Restaurants einlösen. Das wäre ein starkes Signal der Unterstützung“, bittet Rüdiger Burmester.

Den örtlichen Einzelhändlern bescheinigt Burmester in diesem Zusammenhang ein großes Maß an Kreativität und Flexibilität: Viele nutzen das Internet, um mit ihren Kunden in Kontakt zu bleiben. Die „Pizzeria da Pippo“ oder der Imbiss „Zum KreisEck“ beispielsweise hätten zwar für Gäste geschlossen, böten auf Bestellung aber einen Abhol- oder Lieferservice an.

Eigens zu Ostern öffnete auch wieder das Restaurant Ostmann-Sibille und bot einige Festtagsgerichte im Außer-Haus-Verkauf an. Und nicht zu vergessen: Wer wieder einmal ein gutes Buch in die Hand nehmen möchte, kann den Bestell- und Lieferdienst der Buchhandlung Nicolibri in Anspruch nehmen.

Gute Noten stellt der Vorsitzende der Werbegemeinschaft auch dem Krisenmanagement der Bundesregierung aus. Die Soforthilfe für Kleinstbetriebe und Solo-Selbstständige werde sowohl schnell als auch unbürokratisch ausgezahlt: „Meist sind es nur wenige Tage, bis das beantragte Geld tatsächlich auf dem Konto des Empfängers landet.“ Mehrere Einzelhändler hätten ihm bereits davon berichtet. „Das ist für nicht wenige eine echte Hilfe und macht Mut für den Neustart nach Ende der Corona-Epidemie“, gibt sich Burmester überzeugt.

Dass der Staat in der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mit Krediten und Hilfsgeldern geize, bezeichnete der Vorsitzende der Werbegemeinschaft als „wichtig und richtig“.  Problematisch werde das Ganze nur, wenn die jetzige Ausnahmesituation länger andauere: „Sollten die Einschränkungen etwa ein halbes Jahr bestehen bleiben, wäre das eine übergroße Herausforderung für den Staat und die Gesellschaft insgesamt.“

Große Hilfsbereitschaft

Burmester weiß der Corona-Krise aber auch etwas Positives abzugewinnen: „Die Bereitschaft, anderen Menschen zu helfen, zum Beispiel durch Einkäufe oder Besorgungen, ist aktuell sehr groß. Ich hoffe, dass diese Zeichen gelebter Solidarität auch nach Ende der Pandemie anhalten. Das wäre schön und uns allen gemeinsam zu wünschen.“

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