Celine Paulsen aus Schlangen vorzeitig aus Südafrika zurück – Schülerin erlebt tolle Zeit
Corona-Pandemie zwingt zum Abschied

Schlangen (WV). Ein Virus hält die Welt in Atem. Das hat auch Celine Paulsen aus Schlangen auf besondere Weise erfahren. Sieben Monate verbrachte die 19-Jährige für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Südafrika. Als die Corona-Pandemie das Land traf, musste sie diesen Hilfsdienst vorzeitig beenden und schnell einen Flieger zurück in die Heimat finden. „Es war dennoch eine tolle Zeit“, sagt die Schülerin, „und ich will auf jeden Fall noch mal zurückkehren.“

Donnerstag, 14.05.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 14.05.2020, 07:30 Uhr
Im Kindergarten Siyakhula in Masiphumelele bei Kapstadt betreute Celine Paulsen aus Schlangen bis zu 30 Kinder. Auch diese vier hatten sichtlich viel Spaß und fühlten sich bei ihr gut aufgehoben. Foto:
Im Kindergarten Siyakhula in Masiphumelele bei Kapstadt betreute Celine Paulsen aus Schlangen bis zu 30 Kinder. Auch diese vier hatten sichtlich viel Spaß und fühlten sich bei ihr gut aufgehoben.

Nach ihrem Abitur am Pelizaeus-Gymnasium in Paderborn, startete Celine Paulsen, die mit ihren Eltern in der Gartenstraße in Schlangen wohnt, Ende August vergangenen Jahres vom Düsseldorfer Airport nach Kapstadt. Dort erwartete sie ein Projekt der Bhongolethu-Foundation. Diese ist eine gemeinnützige Organisation, die Kindern in Masiphumelele eine sichere Ausbildung mit vielen Lernmöglichkeiten bietet. Das Projekt in der Nähe von Kapstadt ist eine Einrichtung mit Kindergarten, Vor- und Grundschule.

24 Stunden Anreise mit Zwischenstopp in Dubai

Celine Paulsen erinnert sich: „Insgesamt bin ich auf der Anreise 24 Stunden unterwegs gewesen. Der Flug ging über Dubai, wo ich noch weitere Freiwillige getroffen habe.“ Untergebracht wurden einige Helfer am Zielort in kleinen Hütten mit Toilette und Stockbetten außerhalb der Townships von Kapstadt. „Dorthin sind wir dann über abenteuerliche Straßen mit Autos gefahren. Wir hatten einen VW Polo, der nach der ersten Woche aber schon liegen blieb. Dann bekamen wir einen T2-Bus als Ersatz“, berichtet Paulsen.

Beeindruckt zeigt sich die Schlängerin von den Menschen, die sie in Südafrika kennengelernt hat. „Wir Helfer sind sehr lieb aufgenommen worden. Die Kinder waren anfangs noch scheu und hatten Respekt. Ich habe in dieser Zeit in Südafrika viel gelernt im Umgang mit Menschen und wir haben immer Hilfe bekommen, wenn wir welche benötigten, zum Beispiel als das Auto liegen blieb.“

Füttern, Windelwechsel und Büroarbeiten

Celine Paulsen hat sich im Kindergarten um die Jüngsten gekümmert, Kinder von einem bis vier Jahren. „Es gab in der Einrichtung zwei Lehrerinnen und eine Köchin. Mittags gab es immer eine warme Mahlzeit. Begonnen wurde der Tag aber stets mit einem Morgenkreis“, erzählt Paulsen. Zum Arbeitstag gehörten für die Schlängerin vielfältige Tätigkeiten: Von Füttern und Windelwechsel bei den Kindern bis zur Büroarbeit, wenn zum Beispiel Klassenlisten erstellt wurden. Acht Stunden dauerte der Dienst täglich, an den Wochenenden hatten die Freiwilligen Freizeit.

Im März konnte Celine Paulsen ihre Eltern zu Besuch in Südafrika begrüßen. Sie nahm sich eine Woche frei und fuhr mit Mutter Klaudia und Vater Uwe durchs Land. „Dabei habe ich noch einmal eine andere Sichtweise auf Südafrika bekommen“, sagt die Schülerin.

Abschied ohne Umarmung – aber mit vielen Tränen

Dann kam der 15. März: Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa ließ verlauten, dass am folgenden Mittwoch alle Schulen geschlossen werden. „Am Montag kam dann der Lockdown. Wir wurden aufgefordert, das Land zu verlassen“, schildert Celine Paulsen. Sie informierte ihre Eltern, die ebenfalls noch im Land waren. „Es hieß, ich dürfte nicht noch einmal zur Arbeit kommen, weil meine Eltern aus Deutschland, einem Corona-Risikogebiet, kommen und wir alle bei einem gemeinsamen Essen Kontakt mit ihnen hatten. Somit wäre überhaupt kein Abschied von den Kindern möglich gewesen. Wir Helfer haben dann aber – natürlich unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes – noch einige Springseile hingebracht“, sagt die 19-Jährige. „Es war schwer, sich nicht umarmen zu können und keine Abschiedsfeier zu haben. Da sind viele Tränen geflossen.“ Mit einer Freundin gönnte sich die Schlängerin schließlich kurz entschlossen noch einen Paragliding-Flug über Kapstadt und noch einmal genoss sie an ihrem Lieblingsplatz den Blick auf den Sonnenuntergang.

Am Donnerstag, 19. März, trat Celine Paulsen dann die Rückreise an. „Vorher war die Frage zu klären, ob ich überhaupt ein Flugzeug finde, denn es sollten ja alle Flughäfen geschlossen werden. Würde mein Flug etwa noch gecancelt? Aber dann konnte ich doch mit Emirates starten und stieg wirklich als Letzte in den Flieger“, so Paulsen. Wieder ging die Reise über Dubai. Dort hatte die Schlängerin neun Stunden Aufenthalt. Eine Schutzmaske hatte sie übrigens nicht mehr bekommen können. „Ich habe dann meinen Schal benutzt“, erklärt sie. Als sie sich in Dubai ein Getränk kaufen wollte, stellte sie überrascht auch noch fest, dass ihre Kreditkarte irrtümlich gesperrt worden war. Aber schließlich landete Celine Paulsen doch wohlbehalten in Düsseldorf. Weil ihre Eltern erst später zurück fliegen konnten, ließ sich Paulsen von ihrem Onkel Hennes abholen und verbrachte einige Tage bei ihm. Wieder zuhause angekommen, begab sich Celine Paulsen selbst in eine zweiwöchige Quarantäne.

Schülerin ist „offiziell noch im Dienst“

Da das Freiwillige Soziale Jahr für die Schlängerin vorzeitig endete, hat sie zunächst eine vorläufige Dienstbescheinigung erhalten. „Offiziell bin ich eigentlich noch im Dienst“, sagt Paulsen. Wie es nun weitergeht, weiß die Schülerin noch nicht. Sie erklärt: „Ich möchte künftig natürlich etwas mit Menschen machen. Vielleicht gibt es noch Gelegenheit zu einem Praktikum oder einem weiteren FSJ in Deutschland.“

Eines ist für Celine Paulsen aber gewiss: „Ich möchte auf jeden Fall noch einmal nach Südafrika zurückkehren.“

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