Verbotenes Pflanzenschutzmittel nachgewiesen – Nabu Lippe erstattet Anzeige
Rotmilan stirbt an Vergiftung

Schlangen (WB). Für die Kinder der Familie Traut, die am Schlänger Bach spielten, war es am 6. April eine grausige Beobachtung, als sich ein Rotmilan auf einen Baum setzte, etwas herauszuwürgen versuchte und dann vom Baum fiel. „Hier stimmt was nicht. Wurde der Vogel vergiftet? Das müssen wir jemandem melden“, waren die ersten Gedanken von Vater Paul Traut, denn der tote Rotmilan zeigte keinerlei äußerliche Verletzungen.

Freitag, 29.05.2020, 14:12 Uhr aktualisiert: 29.05.2020, 17:10 Uhr
Das Foto zeigt Simon, Lukas und Jonathan Traut (von rechts), die den Rotmilan entdeckt haben. Foto:
Das Foto zeigt Simon, Lukas und Jonathan Traut (von rechts), die den Rotmilan entdeckt haben.

„Ich danke der Familie Traut sehr, die mich unverzüglich informiert hat“, sagt Dirk Tornede von der Nabu-Gruppe in Schlangen. Auch für ihn schien aufgrund der Beobachtung eine Vergiftung naheliegend. In Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Lippe hat er den Tierköper zum Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Ostwestfalen-Lippe (CVUA OWL) nach Detmold gebracht. Die toxikologische Untersuchung hat dann die Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität in München übernommen. In der Leber des toten Rotmilanweibchens konnten die Wissenschaftler in München Rückstände von Carbofuran nachweisen.

Die Experten des CVUA OWL stellen in ihrer Beurteilung, die dem Nabu Lippe vorliegt, fest: „Die Todesursache des untersuchten Tieres ist ein akutes Herz- und Kreislaufversagen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Folge einer Intoxikation durch Carbofuran“. Carbofuran ist ein hoch toxisches Pestizid, das mittlerweile als Pflanzenschutzmittel nicht mehr zugelassenen ist. Bei Greifvögeln kann es durch die Aufnahme Carbofuran-belasteter Futtertiere zu einer Vergiftung kommen.

Rückschlag für die Rotmilanpopulation in OWL

Neben dem Abschuss eines brütenden Rotmilanweibchens auf dem Horst in Borchen-Dörenhagen im benachbarten Kreis Paderborn im April dieses Jahres ist dieser Vorfall ein weiterer schwerer Rückschlag für die Rotmilanpopulation in OWL. In den Kreisen Lippe, Paderborn und Höxter besteht ein Verbreitungsschwerpunkt dieser Art in Nordrhein-Westfalen. „Da in Deutschland über die Hälfte des weltweiten Bestandes brütet, tragen wir eine hohe Verantwortung für den Fortbestand dieser geschützten Greifvogelart“, erläutert Bernd Milde, Vorsitzender des Nabu Lippe.

Speziell bei der Auswahl von Vorrangzonen oder einzelnen Standorten für Windkraftanlagen steht der Rotmilan als windkraftsensible Art im Fokus und muss besonders beachtet werden. Mit diesem aktuellen Befund stellen sich für Bernd Milde einige Fragen: „Wurden hier gezielt vergiftete Köder ausgelegt, um Rotmilane zu vergiften? Soll die Rotmilan-Population in Schlangen durch solche illegalen Maßnahmen reduziert werden, damit die Windenergie in Schlangen stärker ausgebaut werden kann?“

Der Nabu Lippe hat wegen der Vergiftung des Rotmilans Anzeige erstattet. Falls jemand Anfang April in Schlangen und Umgebung ungewöhnliche Beobachtungen gemacht hat, die Hinweise auf das Auslegen von Ködern geben könnten oder sachdienliche Hinweise machen kann, bittet der Nabu Lippe um Rückmeldung (kontakt@nabu-lippe.de).

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