Böschung wird abgeflacht – 40.000 Tonnen Sand zu bewegen
Sanierung der Gauseköte startet

Schlangen (WB). Die Sanierung der Gauseköte hat begonnen. An der wichtigen Verkehrsader zwischen Schlangen und Detmold hatte es im Jahr 2015 einen Erdrutsch gegeben, aus Sicherheitsgründen ist die Passstraße Anfang 2019 gesperrt worden. Der Abschluss der Sanierung und die Freigabe der L937 sind nach Angaben des Landesbetriebs Straßen.NRW für Frühjahr 2021 geplant.

Donnerstag, 02.07.2020, 11:32 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 12:40 Uhr
Die Sanierung der Gauseköte hat begonnen. An der engen Stelle, wo es 2015 einen Erdrutsch gab, werden große Mengen Sand abgetragen. Tobias Fischer, Abteilungsleiter bei Straßen.NRW, erwartet die Freigabe der L937 für das Frühjahr 2021. Foto: Uwe Hellberg
Die Sanierung der Gauseköte hat begonnen. An der engen Stelle, wo es 2015 einen Erdrutsch gab, werden große Mengen Sand abgetragen. Tobias Fischer, Abteilungsleiter bei Straßen.NRW, erwartet die Freigabe der L937 für das Frühjahr 2021. Foto: Uwe Hellberg

Die unbefristete Sperrung der Gauseköte und das als zögerlich empfundene Handeln zuständiger Stellen seit 2015 haben in der Bevölkerung für große Verärgerung gesorgt. So hatte Straßen NRW zunächst in Betracht gezogen, den steilen Hang der viel genutzten Passstraße durch eine Bepflanzung abzusichern. Hiervon rieten Experten bei einer Gefahreneinschätzung aber ab. Erst im Oktober 2019 wurden der Öffentlichkeit vier mögliche Varianten einer Sanierung vorgestellt.

Gesamtkosten werden mit 1,4 Millionen Euro angegeben

Als Lösung, der auch der Kreis Lippe, die Stadt Detmold und die Gemeinde Schlangen zustimmten, wurde im November 2019 eine Böschungsabflachung am Hang der Gauseköte gewählt – die kostengünstigste und die schnellste Variante. Zwölf Monate sind für die Arbeiten veranschlagt, die Gesamtkosten werden mit 1,4 Millionen Euro angegeben.

„Das Bodengutachten, das wir im Herbst erhalten haben, hat uns die große Mächtigkeit des Sandes hier am Hang deutlich gemacht“, sagt Tobias Fischer, Abteilungsleiter Straßenbau beim Landesbetrieb Straßen.NRW in Bielefeld. Es wurden Bohrungen und Drucksondierungen angestellt. Schließlich ergab sich hieraus, dass ein Böschungswinkel von 24 Grad die beste Sicherheit bietet. „Wir stellen damit sozusagen die natürliche Neigung des Hanges wieder her“, erläutert Fischer. Insgesamt müssen 40.000 Tonnen Sand mit Lastwagen abgefahren werden.

Bei einem Pressegespräch vor Ort wurde am Mittwoch deutlich sichtbar, wie sehr der mächtige Sandboden am Hang der Gauseköte bereits weiter nachgegeben hat. Im Hang selbst sind zudem Risse zu sehen, die ein weiteres Abrutschen erwarten lassen. „Es hat sich alles in allem bestätigt, dass es richtig war, den Hang der L973 zu sperren“, so Fischer.

Am Hang gibt es fünf Schichten

Das Bodengutachten legte offen, dass es am Hang fünf Schichten gibt. Es beginnt mit dem Oberboden auf dem sich Buschwerk und Nadelhölzer befinden. Darunter liegen Sandanschüttungen. Die nächste Schicht besteht aus verlehmten Kiesen, denen Lehm und Kalkstein folgen, mit Grundwasser beim Festgestein.

Das sind keine leichten Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten des Unternehmens Bunte Bau aus Osnabrück. „Diese Firma verfügt aber über sehr viel Erfahrung in diesem Bereich“, versichert Tobias Fischer. Die Baumaßnahme an der Gauseköte war im April national ausgeschrieben worden. Acht Unternehmen gaben ihre Angebote ab. Bunte Bau erhielt den Zuschlag. Fischer: „Letztlich liegen wir bei einem Auftrag mit einer Höhe von 800.000 Euro, aber hinzu kommen noch die landschaftlichen Aufbaumaßnahmen.“ Denn der Hang soll wieder begrünt werden.

Im Mai wurde der Bauauftrag vergeben, in der letzten Juni-Woche wurde der Baubeginn vorbereitet. Tobias Fischer ist sehr zuversichtlich, dass die Fertigstellung der Sanierung bis zum Frühjahr 2021 gelingt. Faktoren, die dies gefährden könnten, seien das Wetter und die Corona-Krise, räumt der Abteilungsleiter Straßenbau ein.

Die Böschungsabflachung ist laut Fischer zwar ein massiver Eingriff in Landschaft und Natur, habe aber deutliche Vorteile gegenüber den anderen Varianten und sei die richtige Entscheidung. Möglich wäre auch eine Böschungsvernagelung (Baukosten 4,3 Millionen Euro, Zeit 27 Monate) gewesen. Dabei würden Anker in den Kalkstein eingebracht, wie es häufig in alpinen Regionen geschieht. Dritte Variante hätte der Bau einer Stützwand (5,2 Millionen Euro, mindestens 30 Monate) sein können und vierte Möglichkeit die von Experten so genannte »Bewehrte Erde«, eine Angleichung der oberen Böschung und die Errichtung von Erdverbundskörpern (vier Millionen Euro und 26 Monate bis zur Freigabe).

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