Niemand will den Geldschein vom Schlänger Hans Sibille in dessen Urlaub annehmen
Ein 200-Euro-Schein wird zum Problem

Schlangen/Bad Lippspringe (WB). Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen. An das bekannte Dichterwort fühlt sich in diesen Tagen der Schlänger Hans Sibille erinnert. Als er bei einem Besuch im Harz mit einem 200-Euro-Schein bezahlen wollte, lehnte die Kassiererin das dankend ab. Und auch die örtlichen Banken weigerten sich standhaft, den Schein anzunehmen. Wie konnte es dazu kommen?

Freitag, 24.07.2020, 08:36 Uhr aktualisiert: 24.07.2020, 09:42 Uhr
Hans Sibille mit Wanderstab und dem 200-Euro-Schein, der ihm fast seinen Urlaub mit seinen Urenkeln vermiest hätte. Foto: Klaus Karenfeld
Hans Sibille mit Wanderstab und dem 200-Euro-Schein, der ihm fast seinen Urlaub mit seinen Urenkeln vermiest hätte. Foto: Klaus Karenfeld

Aber der Reihe nach: Hans Sibille ist schon von Berufs wegen ein gesetzestreuer und rechtschaffener Mann. Der ehemalige Polizeibeamte war über viele Jahre und Jahrzehnte im Kreisgebiet von Paderborn im Einsatz. Inzwischen genießt der heute 82-Jährige seinen wohlverdienten Ruhestand – am liebsten im Kreise der Familie.

Zwei Urenkel mit an Bord

Mit seiner inzwischen verstorbenen Frau hat Hans Sibille viel von der Welt gesehen. Das Reisen in ferne Länder war ihr gemeinsames Hobby. Aber auch Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung haben beide immer wieder gerne unternommen. Ein Urlaub im Harz ist ihm in besonderer Erinnerung geblieben. „Und so kam ich auf die Idee, die Reise mit zwei meiner vier Urenkel zu wiederholen“, erzählt Sibille. Gesagt, getan. Kurz nach Beginn der Sommerferien machten sich die drei mit dem Auto auf in Richtung Goslar.

Für die folgenden acht Tage bezogen die Schlänger Gäste Quartier in der örtlichen Jugendherberge, am Fuße des Rammelsberges. „Von dort aus sind wir zu zahlreichen Ausflügen aufgebrochen“, weiß Sibille noch sehr genau zu berichten. „Einmal haben wir eine Wanderung von Bad Harzburg nach Torfhaus unternommen. Der Fernblick über den Brocken ist bei wolkenfreiem Himmel wunderschön.“ Auf dem weiteren Programm standen ein Besuch des Erzbergwerks von Rammelsberg und ein Tagestrip nach Quedlinburg, in die Welterbestadt der Unesco.

„Das wechsele ich nicht“

Hans Sibille zeigte sich spendabel und wollte für alle Urlaubskosten aufkommen. Doch da hatte er die Rechnung ohne die Eltern von Sascha (13) und Evelyne (9) gemacht. Kurz vor Beginn der Reise zog die Urenkelin einen 200-Euro-Schein aus der Tasche, den ihre Mutter die Woche zuvor bei der Volksbank Schlangen besorgt hatte. Hans Sibille verwahrte das Geld sicher in seinem Portemonnaie.

Schließlich kam der Tag, an dem die gut gelaunten Urlauber aus Schlangen das Freibad in Vienenburg besuchen wollten. Beim Blick in die Geldbörse musste Hans Sibille dann aber feststellen, dass nur noch der 200-Euro-Schein übrig geblieben war. Dagegen sollte der Eintrittspreis nur 7,50 Euro betragen. Als Sibille den großen Schein aus dem Portemonnaie zog, stutzte die Kassiererin kurz und meinte nur: „Die 200 Euro wechsele ich nicht.“

Und so blieb dem 82-Jährigen nichts anderes übrig, als sein Glück bei der benachbarten Sparkasse zu versuchen. Doch die Reaktion des Bankangestellten verwunderte ihn noch mehr: „Den Schein kann ich weder annehmen noch umtauschen“, sagte der.

Angst vor Falschgeld

Ein zweiter Anlauf bei der Volksbank-Filiale von Vienenburg endete ebenfalls erfolglos. „Auch hier wurde ohne Begründung die Annahme des 200-Euro-Scheins verweigert. Stattdessen empfahl man mir, das benötigte Geld in kleineren Scheinen am Bankautomaten zu besorgen. Und das habe ich schließlich auch gemacht“, erinnert sich der ehemalige Polizeibeamte und schüttelt verständnislos den Kopf: „Warum gibt eine Bank einen 200 Euro-Schein aus, wenn er anderswo nicht als Zahlungsmittel akzeptiert wird?“

Iris Brockmeier, Vorstand der Volksbank Schlangen, kann den Vorgang nicht ganz nachvollziehen. „An unserem Kassenautomaten geben wir grundsätzlich nur Scheine bis zu einem Wert von maximal 50 Euro aus. Sollte die Auszahlung über einen unserer Mitarbeiter erfolgt sein, dann müsste der Kunde eigentlich explizit nach einem 200-Euro-Schein gefragt haben. Ansonsten stückeln wir den Betrag beispielsweise in Zehner-, Zwanziger- und Fünfziger-Scheine.“

Und das aus gutem Grund: Schon heute weigern sich viele Geschäfte oder Tankstellen Geldscheine mit hohen Beträgen anzunehmen. „Die Geschäftsleute fürchten das Risiko, es könnte sich hier um Falschgeld handeln“, erklärt Iris Brockmeier.

Schlänger Volksbank hilft

Dem hat inzwischen auch die Europäische Zentralbank Rechnung getragen und die Ausgabe von 500-Euro-Scheinen gänzlich eingestellt; sie verlieren aber nicht ihre Gültigkeit und bleiben legales Zahlungsmittel.

Und dennoch: Selbst Sparkassen und Banken zeigen sich inzwischen sehr zurückhaltend bei der Annahme von 500- oder 200-Euro-Geldscheinen. „Das ist insbesondere dann der Fall, wenn es sich hierbei nicht um einen Kunden der Bank handelt“, betont Iris Brockmeier und kennt den Grund: „Große Geldscheine werden auch von Kriminellen gerne genutzt, um ihr illegal erworbenes Geld zu waschen.“ Die Geldinstitute in Deutschland unterliegen Brockmeier zufolge einer besonderen Sorgfaltspflicht, um jedwede Form der Geldwäsche zu verhindern. Geregelt sei das unter anderem in der aktuell geltenden Geldtransfer-Verordnung.

Den 200-Euro-Schein will Hans Sibille in den nächsten Tagen bei der Volksbank Schlangen eintauschen. „Wir freuen uns auf seinen Besuch“, sagt Iris Brockmeier abschließend.

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