Landes-Förderprogramm für Sportvereine: CDU und SPD über einen Antrag verärgert
„Unnötiges Luxus-Projekt“

Schlangen (WB). Aktuell ist nur eines klar: Aus dem Landes-Förderprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ sollen 300.000 Euro nach Schlangen fließen. Unter den vier Vereinen, die sich um Gelder bemühen, ist auch der FC Fortuna Schlangen. Der Fußballverein plant einen Erweiterungsbau mit Mehrzweckraum und Umkleidekabinen an seiner Soccer-Arena. CDU und SPD sind über das Vorgehen des Vereins verärgert und sprechen von einem „unnötigen Luxus-Projekt“.

Samstag, 05.09.2020, 01:00 Uhr aktualisiert: 10.09.2020, 12:36 Uhr
Der FC Fortuna Schlangen plant, direkt neben seiner Soccer-Arena (Kunstrasen-Kleinspielfeld) in Richtung Badstraße zwei Fertighäuser aus Holz zu bauen. Sie sollen als Mehrzweckräume und Umkleidekabinen genutzt werden. Foto: Phil Hänsgen
Der FC Fortuna Schlangen plant, direkt neben seiner Soccer-Arena (Kunstrasen-Kleinspielfeld) in Richtung Badstraße zwei Fertighäuser aus Holz zu bauen. Sie sollen als Mehrzweckräume und Umkleidekabinen genutzt werden. Foto: Phil Hänsgen

Aber der Reihe nach: Bereits am 1. Oktober 2019 hat das Land sein 300 Millionen Euro schweres Förderprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ gestartet. Antragsberechtigt sind demzufolge nur Vereine, die in absehbarer Zeit eine Sanierung oder Modernisierung ihrer Sportstätte planen.

Der Kreis der Antragsteller bezieht sich nicht allein auf die Eigentümer der Sportanlagen, sondern lässt ausdrücklich auch Anträge von Mietern und Pächtern zu – vorausgesetzt sie sind wirtschaftliche Träger der Anlage (zuständig für „Dach und Fach“). Jeder Verein, der am Ende tatsächlich in den Genuss einer Förderung kommt, muss einen Mindest-Eigenanteil von zehn Prozent beisteuern. Bei Beträgen über 100.000 Euro sind es 15 Prozent.

Die Projekte der vier Schlänger Vereine

Eine wichtige Funktion im Verfahren kommt den Stadt- und Gemeindesportverbänden zu, indem sie die Antragsteller beraten, Anträge koordinieren und diese am Ende je nach Priorität gewichten. Die endgültige Entscheidung über jede einzelne Fördermaßnahme trifft die Staatskanzlei in Düsseldorf. Sobald ein positiver Förderentscheid vorliegt, müssen die Vereine einen Zuwendungsantrag bei der NRW-Bank einreichen. Für den Schlänger Gemeindesportverband, in dem aktuell 13 Vereine zusammengeschlossen sind, hat Werner Tegeler die Aufgabe des Koordinators vor Ort übernommen. Im Gespräch mit dieser Zeitung erläuterte er die Projekte der vier Schlänger Vereine.

Zunächst zu den Angelsportfreunden vom ASV. Das Vereinsheim am Ochsensee ist in die Jahre gekommen. Das Gebäude droht sogar in den See abzurutschen. Ein geologisches Gutachten bezeichnet das als sehr reale Gefahr. Eine Sanierung des Vereinsheims wäre nach Aussage des Vorstands unwirtschaftlich. Stattdessen setzen die Angelsportler auf einen Ersatz-Neubau. Kostenpunkt: 197.000 Euro.

Der Reit- und Fahrverein Schlangen hat andere Sorgen: Das Dach der Reithalle ist nicht nur asbestbelastet, sondern auch undicht und muss komplett erneuert werden. Die überalterte Reithallen-Bewässerung stellt ein weiteres Problem dar. Tegeler spricht von einem „klassischen Sanierungsfall“. Die Gesamtkosten gibt der Verein mit 105.000 Euro an.

Und auch der Tennisclub Schlangen hat Handlungsbedarf angemeldet. Hier geht es um verschiedene Sanierungsarbeiten, die unter anderem die Spielplätze und das Vereinsheim betreffen. Die Investitionssumme beläuft sich auf etwa 87.000 Euro.

Mit dem FC Fortuna Schlangen hat Ende März ein weiterer Verein sein Interesse an Mitteln aus dem Landes-Förderprogramm angemeldet. Der Verein plant, direkt neben seiner Soccer-Arena (Richtung Badstraße) zwei Fertighäuser aus Holz zu bauen, die als Mehrzweckräume und Umkleidekabinen genutzt werden sollen. Die Kosten beziffert der Verein mit 135.000 Euro.

CDU und SPD gegen Neubau auf Schul-Sportplatz

Und hier setzt die Kritik von CDU und SPD an. „ASV, Tennisclub und der Reit- und Fahrverein Schlangen könnten ihre Projekte vollständig finanzieren, sofern die Gelder ausschließlich unter diesen drei Vereinen verteilt würden“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Fraktionsvorsitzenden Dr. Walther Husberg (CDU) und Michael Zans (SPD). Gleichzeitig sprechen sich beide entschieden gegen den von Fortuna ins Auge gefassten Neubau auf dem Schul-Sportplatz Rennekamp aus.

Für die beiden Fraktionsvorsitzenden steht eines außer Frage: „Gerade der Verein Fortuna Schlangen hat im Rahmen des Ausbaus und der Modernisierung der Schlänger Sportstätten in den vergangenen Jahren erheblich profitiert.“ Eine derart üppige Unterstützung hätten die drei anderen Vereine zu keinem Zeitpunkt erhalten – im Gegenteil: „Diese Vereine finanzieren ihren Vereinsbetrieb aus eigenen Mitteln. Und auch dort wird Jugendarbeit großgeschrieben“, heißt es in der Erklärung und weiter: „Dagegen ist der Bau eines Sozialgebäudes mit Umkleidekabine neben der Soccer-Arena reiner Luxus. Auf dem Sportplatz Rennekamp ist all dies bereits vorhanden.“ Öffentliche Gelder für ein solch unnötiges Bauprojekt seien deshalb „fehl am Platz“.

Husberg und Zans gehen in ihrer Presseerklärung zudem davon aus, dass der geplante Mehrzweckraum hauptsächlich der Verpachtung an externe Mieter dienen soll. Das werfe zusätzlich nicht nur haftungsrechtliche Fragen auf. Die von Fortuna geplanten Gebäude stellten zudem „eine weitere Lärmquelle für die Anwohner der benachbarten Badstraße dar“.

Die Fraktionsvorsitzenden kommen abschließend zu dem Ergebnis: „Wir treten mit großem Nachdruck dafür ein, dass die Gelder ausschließlich dem ASV, dem Tennisclub und dem Reit- und Fahrverein zugute kommen.“ Denn für sie seien die Mittel aus dem Förderprogramm existenziell. Zugleich wehren sich die beiden Politiker gegen Aussagen des Vereinsvorsitzenden Bodo Kibgies, der Gemeinderat habe die Bauvoranfrage der Fortuna bereits befürwortet. Das sei nicht der Fall. Einen entsprechenden Ratsbeschluss habe es bis heute nicht gegeben.

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