Nach zwölfeinhalb Jahren: Schlangens Bürgermeister Ulrich Knorr geht in Ruhestand
Ein leiser Abschied

Schlangen (WB). „Es sind genau zwölfeinhalb Jahre und zwei Tage“, sagt Ulrich Knorr. Exakt so lange stand der gebürtige Bad Lippspringer an der Spitze der Gemeindeverwaltung in Schlangen, zum 31. Oktober endet seine Amtszeit als Bürgermeister. Zehn Tage vor seinem 65. Geburtstag geht Knorr in den Ruhestand. Und dies geschieht wohl ganz leise.

Donnerstag, 22.10.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 23.10.2020, 16:23 Uhr
Aus seinem Dienstzimmer im Schlänger Rathaus blickt Bürgermeister Ulrich Knorr auf den Dorfbrunnen und die Ortsmitte. Am 31. Oktober endet seine Amtszeit. Nach zwölfeinhalb Jahren geht Knorr in den Ruhestand. Foto: Maike Stahl
Aus seinem Dienstzimmer im Schlänger Rathaus blickt Bürgermeister Ulrich Knorr auf den Dorfbrunnen und die Ortsmitte. Am 31. Oktober endet seine Amtszeit. Nach zwölfeinhalb Jahren geht Knorr in den Ruhestand. Foto: Maike Stahl

„Eine offizielle Verabschiedung – auch von meinen Mitarbeitern – ist leider nicht möglich“, sagt Knorr und verweist auf die Corona-Pandemie. „Das ist ein bisschen traurig, aber nicht zu ändern.“  Zum 1. November wird Marcus Püster die Verantwortung im Schlänger Rathaus übernehmen.

Die Bilanz seiner Amtszeit sieht Ulrich Knorr im Gespräch mit dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT positiv, auch wenn nicht alles nach Wunsch verlaufen sei. Zum 28. April 2008 begann Knorr als hauptamtlicher Bürgermeister in Schlangen. „Wir lagen damals bei unter 9000 Einwohnern, heute haben wir 9500. Als Wohnort ist Schlangen anscheinend nicht unattraktiv“, erklärt der Bürgermeister. „Die Gemeinde ist erstarkt. Es ist in dieser Zeit einiges gelungen, was mich stolz macht – aber das habe ich natürlich nicht alleine erreicht, sondern mit viel Unterstützung.“ Diese erfuhr Ulrich Knorr auch, als er sich im März 2014 um eine zweite Amtsperiode bewarb. Damals trat Knorr trotz SPD-Parteibuch als Einzelbewerber auf und erklärte, er wolle Bürgermeister für alle Schlänger sein. Das überragende Ergebnis: Er erhielt 85,9 Prozent Ja-Stimmen.

85,9 Prozent Ja-Stimmen erhielt Ulrich Knorr, als er sich 2014 zur Wiederwahl für eine zweite Amtszeit stellte. Links Gerti Klöpping, Mitte Hannah Zans (heute Penke), rechts Dr. Axel Lehmann.

85,9 Prozent Ja-Stimmen erhielt Ulrich Knorr, als er sich 2014 zur Wiederwahl für eine zweite Amtszeit stellte. Links Gerti Klöpping, Mitte Hannah Zans (heute Penke), rechts Dr. Axel Lehmann.

Wichtig war Knorr stets die Entwicklung der schulischen Infrastruktur. „Bis zum vierten Schuljahr sind wir in der Gemeinde gut versorgt, darüber hinaus sind wir mit dem ÖPNV im 15-Minuten-Takt gut in Richtung Paderborn angebunden. Auch die August-Hermann-Francke-Schule ist kein Standortnachteil, sie wird gut angenommen. Ein Viertel ihrer Schüler kommen mittlerweile aus Schlangen“, sagt Knorr. Die Entwicklung im Bereich Kindertagesstätten sei ebenfalls stark. Es gebe zudem ein gutes Angebot für die ältere Bevölkerung, auch durch den Lüningshof. Zur Infrastruktur zählten auch die exzellenten Einkaufsmöglichkeiten im Ort. „Hier haben wir eine herausragende Stellung im Vergleich zu anderen Kommunen“, meint der 64-Jährige. Auch dass es gelungen sei, alle drei Ortsteile für Fahrradfahrer gut anzubinden, sei ein Erfolg.

Ein Thema werde für die Gemeinde auch in Zukunft die Entwicklung von Bauland bleiben, schätzt Ulrich Knorr. „Die Nachfrage ist sehr gut, das Angebot aber ist eingeschränkt. Beim Wohnungsbau müssen wir zulegen. Wir brauchen in Zukunft kleinere Wohnungen für Singles und ältere Bürger.“ Ebenfalls nicht zufrieden ist der scheidende Bürgermeister mit der ungelösten Frage der Windenergieplanung. Hier muss die Gemeinde nun völlig neu planen (wir berichteten).

Ulrich Knorr engagiert sich weiter

Stets große Freude habe ihm die Begegnung mit den Menschen bereitet, sagt Knorr. „Im vergangenen Jahr konnten wir das 20-jährige Jubiläum unserer Partnerschaft mit Viitasaari begehen, im kommenden blicken wir auf zehn Jahre Partnerschaft mit dem polnischen Stezyca zurück. Ich hoffe, dass diese Beziehungen weitergeführt werden. Es hat mich immer interessiert, dass Menschen zusammenkommen.“

Auch nach seiner Amtszeit wird sich Ulrich Knorr für Angelegenheiten engagieren, die ihm wichtig sind.  So hat er erst jüngst beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Bad Lippspringe den Vorsitz übernommen. Mitwirken will er zudem bei der Arbeitsgemeinschaft Arbeit (AGA), einer gemeinnützigen Einrichtung. „Außerdem habe ich einen großen Garten, der gepflegt werden will und auch das Wandern wird sicherlich wieder mehr Zeit einnehmen.“ Knorr war über lange Zeit Wanderwart beim größten Schlänger Sportverein, dem VfL Schlangen. Und schließlich hegt der 64-Jährige noch einen Wunsch: das Reisen. Knorr sagt: „Es gibt einiges in Europa, das ich noch nicht gesehen habe.“

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