Volkstrauertag in Bad Lippspringe und Schlangen im Zeichen der Pandemie
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Bad Lippspringe/Schlangen -

Weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist am Sonntag in Bad Lippspringe und Schlangen der Volkstrauertag begangen worden. Die beiden Bürgermeister Ulrich Lange und Marcus Püster zitierten in ihren Gedenkreden Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Sonntag, 15.11.2020, 18:31 Uhr aktualisiert: 16.11.2020, 09:04 Uhr
Bürgermeister Marcus Püster legt am Ehrenmal für die Opfer von Krieg und Gewalt in Kohlstädt einen Kranz nieder. Er wird begleitet von Michael Zans und Dr. Walther Husberg (links und rechts vom Gedenkstein) sowie Vertretern der örtlichen Parteien, der Feuerwehr und des Schützenvereins Kohlstädt
Bürgermeister Marcus Püster legt am Ehrenmal für die Opfer von Krieg und Gewalt in Kohlstädt einen Kranz nieder. Er wird begleitet von Michael Zans und Dr. Walther Husberg (links und rechts vom Gedenkstein) sowie Vertretern der örtlichen Parteien, der Feuerwehr und des Schützenvereins Kohlstädt Foto: Klaus Karenfeld

In Bad Lippspringe wurden die Gedenkfeierlichkeiten wie angekündigt deutlich eingeschränkt. Nur Wehrführer Michael Heck und Schützenoberst Josef Thöne waren dabei, als Lange im Namen der Stadt einen Kranz auf dem Ehrenfriedhof im örtlichen Kurwald niederlegte. Die Zeremonie wiederholte sich später noch einmal am Lippspringer Löwen.

Die Gedenkfeier wurde per Video aufgezeichnet. Der Beitrag kann ab sofort auf der Internetseite der Stadt abgerufen werden. In seiner vorab verbreiteten Gedenkrede widmete sich Lange zunächst dem Thema, das die Menschen nicht nur bundesweit seit Monaten beschäftigt: die andauernde Corona-Krise. „Seit mehr als einem halben Jahr bestimmt die Pandemie unser aller Alltag. Freiheiten, die gestern noch selbstverständlich erschienen, sind teilweise eingeschränkt – zum Schutz für uns selbst und für unsere Mitmenschen. Abstandhalten ist das Gebot der Stunde“, sagte Lange. Gleichzeitig sprach er den Menschen, die einen lieben Angehörigen durch das Covid-19-Virus verloren haben, sein tief empfundenes Beileid aus.

An einer Covid-19-Infektion ist auch Bad Lippspringes älteste Bürgerin Wilhelmine Schönlau verstorben. Im vergangenen August war sie 105 Jahre alt geworden. „In ihrem langen Leben spiegeln sich auch die für unsere Eltern und Großeltern prägenden Ereignisse eines ganzen Jahrhunderts wider“, betonte Lange und fügte hinzu: „Diese Generationen haben hautnah miterleben müssen, was Krieg und Diktatur bedeuten – ob an der Front, in den Luftschutzkellern, auf der Flucht oder bei der Vertreibung aus ihrer Heimat. Millionen von Menschen starben. Viele andere haben körperliche und seelische Verletzungen davongetragen.“

Lange war es ebenso wichtig, „in dieser Stunde besonders auch der Menschen zu gedenken, die während der NS-Herrschaft in den Konzentrations- und Vernichtungslagern unermessliches Leid erfahren haben – die dort gequält und ermordet worden sind wie die meisten Bad Lippspringer Juden“. Der Volkstrauertag habe deshalb auch heute noch eine wichtige Aufgabe und Funktion, so der Bürgermeister: „Er ist ein Tag des Innehaltens und des Erinnerns, auch wenn wir ihn coronabedingt dieses Mal nur im kleinen Rahmen begehen konnten.“

Langes Schlusswort klingt wie ein eindringlicher Appell an heutige und künftige Generationen: „An diesem Tag machen wir uns besonders bewusst, dass nicht der Krieg der Ernstfall ist, sondern – wie es Gustav Heinemann formuliert hat – dass „der Frieden der Ernstfall ist, in dem wir uns zu bewähren haben.“

Auch die Sennegemeinde hatte auf eine große Gedenkfeier verzichtet. Die ursprünglich geplante zentrale Gedenkveranstaltung am Ehrenmal in Kohlstädt war bereits vor Tagen abgesagt worden. Die Spitze der Gemeinde hatte stattdessen entschieden, an den verschiedenen Gedenkstätten im Ort jeweils einen Kranz niederzulegen.

Bürgermeister Marcus Püster wurde dabei von Wehrführer Ralf Heuwinkel, den Repräsentanten der beiden Schützenvereine, Jens Geise und Stefan Leimenkühler, sowie der beiden Heimat- und Verkehrsvereine, Gerhard Meier und Heinz Kriete, begleitet. Auch Vertreter der im Rat vertretenen Parteien nahmen an der Zeremonie teil. Abschließend sprachen Pastorin Sabine Mellies-Thalheim und Pastor Dr. Burkhard Neumann auf dem jüdischen Friedhof in Schlangen ein Totengebet.

Püster erinnerte in seiner Gedenkrede an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor genau 75 Jahren. Leider, so sein Eindruck, sei die Welt seitdem nicht unbedingt friedlicher geworden. Immerhin gebe es aktuell weltweit 150 Kriege und kriegerische Konflikte, unter anderem in Afrika, Asien oder dem Nahen Osten. Darüber werde aufgrund der weiten Entfernung aber nur selten ausführlich berichtet.

Wie Lange hält auch der Schlänger Bürgermeister den Volkstrauertag nach wie vor für sehr aktuell. Von diesem stillen Gedenktag gehe eine eindeutige Mahnung aus, und die laute: „Nie wieder Krieg! Verhindert jede Form von Gewalt! Und: Achtet die Menschenwürde!“

Dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge dankte Püster an dieser Stelle besonders. Dessen verdienstvolle Arbeit sei unverändert einem wichtigen konkreten Ziel verpflichtet. Und das laute: „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden.“ Nur Versöhnung könne jetzt und in Zukunft Krieg und Gewalt wirksam verhindern, so der Bürgermeister abschließend. Die Rede Püsters ist ab sofort auf der Internetseite der Gemeinde Schlangen nachzulesen.

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