Rehasport ist wegen Corona-Pandemie in Bad Lippspringe untersagt
„Wir wollen helfen, dürfen nur nicht“

Bad Lippspringe/Schlangen -

Wie ist es möglich, dass ausgerechnet die Einschränkungen zum Schutz unserer Gesundheit zu enormen gesundheitlichen Problemen bei vielen Mitmenschen führen? Im Moveo Bad Lippspringe kennen die Verantwortlichen Problem und Ursachen.

Mittwoch, 05.05.2021, 01:38 Uhr aktualisiert: 05.05.2021, 02:00 Uhr
Der Trainingsraum im Moveo: Hier finden normalerweise viele Kurse zum Rehasport statt, trotz ärztlicher Verordnung untersagt dies das Land NRW.
Der Trainingsraum im Moveo: Hier finden normalerweise viele Kurse zum Rehasport statt, trotz ärztlicher Verordnung untersagt dies das Land NRW. Foto: Rebecca Borde

Im Moveo würden neben Physiotherapie und Gesundheitstraining normalerweise täglich mehrere Kurse zum Rehabilitationssport stattfinden. Diese müssen aktuell jedoch ausfallen, da sie vom Land wegen der Corona-Pandemie untersagt wurden. Viele ältere Menschen, die körperliche Beschwerden haben, leiden an mangelnder Bewegung, denn der dringend notwendige Sport wird ihnen verboten.

„Der Rehasport wird den Patienten ärztlich verordnet“, sagt Julia Thienenkamp, die selbst Kurse gegeben hat. Sie leitet das Moveo gemeinsam mit dem Sportwissenschaftler Daniel Kindel. „Obwohl der Arzt also bestätigt, dass die Bewegung medizinisch notwendig ist, dürfen wir den Menschen nicht helfen.“

Für diese Einschränkung habe man im Moveo kein Verständnis, denn die dadurch entstehenden Schäden bei Betroffenen seien schockierend. Vor allem Älteren mache die fehlende Bewegung sehr zu schaffen. „Manchmal erschrecken wir uns, wenn wir Patienten nach langer Zeit privat sehen. Einige gehen jetzt am Rollator und ihre Haltung hat sich unglaublich verschlechtert“, meint Daniel Kindel. „Dass diese Menschen keinen Sport machen dürfen, ist ein Verbrechen am Patienten.“

Auch die Sportwissenschaftlerin Annika Draphoen kann diese Erfahrung bestätigen. Sie selbst betreut Rehasportkurse mit überwiegend älteren Patienten, die sogenannten Sitzgymnastik-Gruppen: „Seit Weihnachten dürfen wir keine Kurse mehr anbieten und bekommen seitdem fast jeden Tag Anrufe von Teilnehmern, die wissen möchten, wann es endlich wieder losgeht. Den Menschen fehlt der Sport und viele sagen, dass es ihnen sehr schlecht geht. Aber wir dürfen nichts machen.“

Julia Thienenkamp und Daniel Kindel wollen in der wärmeren Jahreszeit Rehasport draußen anbieten.

Julia Thienenkamp und Daniel Kindel wollen in der wärmeren Jahreszeit Rehasport draußen anbieten. Foto: Rebecca Borde

Was für Julia Thienenkamp unbegreiflich bleibe, sei die Tatsache, dass das Land NRW das einzige ist, in dem Rehasport verboten ist. Sogar die Bundesregierung sage, medizinisch Verordnetes solle stattfinden. Die Physiotherapeutin ist sich sicher: „Wir haben Erfahrungen im Gesundheitsbereich und außerdem ein gutes Hygienekonzept. Wir planen, den Rehasport zur wärmeren Jahreszeit draußen anzubieten, denn an der frischen Luft mit genügend Abstand ist die Ansteckungsgefahr viel geringer.“

Daniel Kindel ergänzt: „Rehasport fördert die Haltung, die Durchblutung, aber auch die Beweglichkeit und ist für unsere Kursteilnehmer notwendig. Aktuell sind sie so gesundheitlich stark gefährdet. Aber wir warten immer noch auf die Erlaubnis der ‚großen Gelehrten‘“, kritisiert der Inhaber des Moveos die geltenden Maßnahmen der Regierung. Es werde dringend Zeit, dass Menschen wieder das dürfen, was der Arzt ihnen verordnet hat.

Doch das sei nicht die einzige Veränderung, die sich das Moveo-Team erhofft. In Zukunft wolle man sich anlässlich der gegebenen Umstände medizinischer ausrichten, erklärt Kindel. „Unsere Kunden können sich auf einige Neuerungen freuen, wenn es wieder losgeht, wie zum Beispiel In-Body-Messungen“, versichert Julia Thienenkamp.

Seit dem zweiten Lockdown ist die Trainingsfläche für das Gesundheitstraining bereits geschlossen. Lediglich die Physiotherapie darf mit ärztlicher Verordnung stattfinden. Der Rehasport bleibt vorerst untersagt. Doch das wollen Daniel Kindel und Julia Thienenkamp nicht einfach akzeptieren. Für ihre Forderung habe das Moveo eine Petition ins Leben gerufen, um auf die Forderung nach Rehasport aufmerksam zu machen. Unterschriften können vor Ort geleistet werden oder über einen Link auf der Homepage www.moveo-bali.online.

Die Verantwortlichen im Moveo sehen es wie Ingo Froböse, Universitätsprofessor für Prävention und Rehabilitation von der Sporthochschule Köln: „Sport ist nicht das Problem, sondern die Lösung.“ Das sieht auch Jens Rehländer genau so. Er ist Inhaber des Topfit im Gewerbegebiet in Schlangen, das im Januar 2006 eröffnete. Viele Entscheidungen der Politik in der Corona-Pandemie seien nicht nachvollziehbar. Es fehle ein Konzept. „Ich erlebe, das viele Menschen bei uns eine Hilfestellung suchen, die wir ihnen aber nicht geben dürfen. Man kann sagen, es herrscht wirklich Not“, sagt der Schlänger.

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