Frühere Tätigkeit des SPD-Wunschkandidaten Michael Roy endete vor dem Arbeitsgericht
Ein Blick zurück

Bad Oeynhausen (WB). Ist Michael Roy der richtige Mann fürs Bürgermeisteramt? Auf der Suche nach einer Antwort auf diese Frage hat das WESTFALEN-BLATT die Biografie des Wunschkandidaten der SPD-Spitze für die Bürgermeisterwahl 2015 unter die Lupe genommen. Fazit: Der 57-Jährige ist nicht unumstritten.

Mittwoch, 09.07.2014, 19:45 Uhr aktualisiert: 10.07.2014, 19:56 Uhr
Frühere Tätigkeit des SPD-Wunschkandidaten Michael Roy endete vor dem Arbeitsgericht : Ein Blick zurück
SPD-Stadtverbandsvorsitzender Dr. Olaf Winkelmann (rechts) ist von Michael Roy als Wunschkandidat fürs Bürgermeisteramt überzeugt. Foto: Malte Samtenschnieder

In die Schlagzeilen geriet der Gesundheitsökonom insbesondere im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Essen. Von 2001 bis 2011 stand er an der Spitze des drittgrößten Kreisverbandes im DRK Nordrhein. Seinem Abschied zum 1. Januar 2012 ging eine langwierige Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht voraus. Bereits bei einer Mitgliederversammlung im Februar 2008 hatten die Mitglieder des DRK-Kreisverbandes Essen den Vorstand beauftragt, den Geschäftsführer zu entlassen.

Bei seinem Abschied fast vier Jahre später warf das DRK Essen Michael Roy vor, für einen Millionen-Verlust verantwortlich zu sein. »Die letzte Jahresbilanz, die ich zu verantworten hatte, schloss mit einem Plus von 380 000 Euro ab«, sagte der 57-Jährige dem WESTFALEN-BLATT. Ein Jahr später habe die Bilanz ein Minus von 1,27 Millionen Euro ausgewiesen. Wie es zu dieser Differenz von mehr als 1,6 Millionen Euro kommen konnte, wollte der Essener nicht kommentieren. Seine Begründung: Er wolle nicht noch nachkarten.

Alfred Scherer ist der aktuelle Kreisgeschäftsführer des DRK Essen. Er übt somit Michael Roys frühere Funktion aus. »Als ich im April 2011 als Krisenmanager hierher gekommen bin, hat sich das Unternehmen in strukturellen Schwierigkeiten befunden«, sagte Alfred Scherer am Mittwoch dieser Zeitung. Einige Probleme seien in den zehn Jahren zuvor entstanden, andere Schwierigkeiten hätten ihren Ursprung sogar noch davor – also auch vor dem Beginn von Michael Roys Tätigkeit. Insbesondere mangelnde Transparenz in der Unternehmensführung sei zu Beginn seiner eigenen Tätigkeit zu beklagen gewesen, betonte Alfred Scherer. Vor diesem Hintergrund sei es zunächst schwierig gewesen, überhaupt einen Überblick zu bekommen.

»Als Michael Roy beim DRK Essen angefangen hat, ist es ihm sicherlich zunächst gelungen, das Rad herumzureißen. Denn auch er kam in einer schwierigen finanziellen Situation«, betonte Alfred Scherer. Doch Einsparungen zu realisieren, sei nicht alles. Durch die Einführung eines Qualitätsmanagements bereits zu Beginn von Michael Roys Tätigkeit hätten seiner Meinung nach gewisse spätere Schwierigkeiten frühzeitig vermieden werden können.

Aus der langjährigen Erfahrung als Krisenmanager weiß Alfred Scherer, dass oft Managementfehler zu Schwierigkeiten in den Unternehmen führen: »Ähnliche Muster habe ich bei meiner Ankunft auch beim DRK Essen festgestellt.«

Dr. Olaf Winkelmann, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Bad Oeynhausen, äußerte sich gegenüber dem WESTFALEN-BLATT zurückhaltend im Hinblick auf die Vorwürfe gegen Michael Roy im Zusammenhang mit dessen Tätigkeit als DRK-Kreisgeschäftsführer in Essen. Er betonte, dass es sicherlich leichter gewesen wäre, einen Bürgermeisterkandidaten mit einem anderen Hintergrund auszuwählen. Olaf Winkelmann: »Nach unserer ehrlichen Präsentation wird es uns aber sicher gelingen, alles nach und nach in die richtigen Bahnen zu lenken.«

Während der Vorstellung des SPD-Bürgermeisterkandidaten am Dienstag hatte Olaf Winkelmann betont, dass Michael Roy die parteiinterne Auswahlkommission unter anderem durch »Führungserfahrung und Kenntnisse aus Politik, Verwaltung und Unternehmen« überzeugt habe.

Kommentare

KaBiAn  schrieb: 13.07.2014 08:58
B.O. mit 3._klassigen Bürgermeister?
Offenbar möchte die SPD gar nicht den Bürgermeister stellen. Welche Bürger sollen den diesen Kandidaten wählen? Schulden und Fehlentscheidungen, gepaart mit Sturheit sind in B.O. doch bekannt. Vielleicht sollte die SPD weniger Wert uf das Aussehen des Kandidaten legen und mehr ein Auge auf die Kompetenz.
1 Kommentare
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