Literatur- und Musikfest »Wege durch das Land« macht Station im ausverkauften Theater im Park
Anregende Grenzerfahrungen

Bad Oeynhausen (WB). Das Literatur- und Musikfest »Wege durch das Land« genießt einen ausgezeichneten Ruf. Entsprechend hoch sind die Erwartungen des Publikums. So auch am Samstagabend im ausverkauften Theater im Park. Renommierte Schauspieler und hervorragende Instrumentalisten machten das vierstündige Spektakel zu einem kulturellen Hochgenuss.

Montag, 01.06.2015, 04:45 Uhr
Literatur- und Musikfest »Wege durch das Land« macht Station im ausverkauften Theater im Park : Anregende Grenzerfahrungen
Die künstlerische Leiterin Dr. Brigitte Labs-Ehlert (2. von links) konnte bei der Veranstaltung »Wege durch das Land« am Samstag im Theater im Park auf hochkarätige Künstler vertrauen. Jürgen Holtz (von links), Constanze Becker, Felix von Manteuffel, Leslie Malton, Susanne Regel und Max Simonischek waren mit von der Partie. Foto: Malte Samtenschnieder

Bereits ein Blick ins Programmheft ließ erahnen, dass die künstlerische Leiterin Dr. Brigitte Labs-Ehlert mit ihrer Ausdeutung eines Abends mit Literatur und Musik gängige Umfänge übertreffen würde – zwei Teile à 90 Minuten, unterbrochen von einer 60-minütigen Pause. Außer hoher Konzentrationsfähigkeit war bei den Zuhörern gutes Sitzfleisch gefragt.

Wer sich jedoch auf das hochkarätig besetzte Kulturprogramm einließ, wurde mit vielfältigen literarischen Denkanstößen und bisweilen aufwühlenden musikalischen Grenzerfahrungen belohnt. Die vorgetragenen Texte hatte Brigitte Labs-Ehlert unter der Überschrift »Das Gehen in der Landschaft« zusammengefasst. Um den Zuhörern die Exzerpte aus Werken von Weiss, Nietzsche, Walser, Büchner, Bernhard und Hölderlin näherzubringen, setzte die künstlerische Leiterin auf prominente Unterstützung.

Constanze Becker, Leslie Malton, Max Simonischek und Felix von Manteuffel trugen die ausgewählten Passagen vor. Allein mit ihren Stimmen beschworen die Schauspieler immer neue Perspektiven auf das Kernthema herauf. In ihrer Bewegungsfreiheit waren die Mimen bewusst eingeschränkt: Alle Texte lasen sie sitzend. Für Atmosphäre sorgte eine Handvoll Scheinwerfer. Sie tauchte den Bühnenhintergrund in rotes Licht. In der zweiten Programmhälfte trat auch Jürgen Holz dem Publikum gegenüber. Er rezitierte aus Schillers »Der Spaziergang«. Mit Texten von George, Strauß und Bachmann ging es weiter: Fragment um Fragment ließen die Schauspieler auch hier ein vielschichtiges neues Landschaftsbild entstehen.

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Boris Brovtsyn, Alexandra Conunova-Dumortier (beide Violine), Tamara Stefanovich (Klavier), Yura Lee (Viola) und Alexey Stadler (Violoncello) haben mit dem Klavierquintett Es-Dur op. 44 von Schumann begeistert. Foto: Malte Samtenschnieder

Mit besonderen musikalischen Akzenten durchbrach die Oboistin Susanne Regel die Lesung zu Beginn. Den zeitgenössischen Texten stellte sie virtuose Barockmusik von Bach und Telemann gegenüber. Mit einem besonderen Höhepunkt ging die erste Hälfte der Veranstaltung zu Ende. Alexey Stadler (Violoncello) und Tamara Stefanovich (Klavier) rüttelten das Publikum mit ihrer eindringlichen Interpretation der Sonate für Cello und Klavier von Alfred Schnittke auf. Dissonant und ungestüm kam diese Tondichtung aus dem 20. Jahrhundert daher. Die beiden Künstler blieben jedoch bei jeder noch so verqueren harmonischen Rückung oder rhythmischen Verschiebung Herren der Lage. Tosenden Applaus und Bravorufe gab es anschließend zu Recht.

Der Epilog aus dem Ballett »Peer Gynt« aus der Feder des gleichen Komponisten konnte zu Beginn des zweiten Teiles nicht ganz an die Strahlkraft des vorherigen Vortrags anknüpfen. Doch auch diese Herausforderung meisterten die Interpreten mehr als souverän.

Mit romantischen, von einigen Zuhörern sicher angesichts des zuvor Gehörten als »vertrauter« empfundenen Klängen erreichten die »Wege durch das Land« ihr Ziel. Boris Brovtsyn und Alexandra Conunova-Dumortier (beide Violine), Tamara Stefanovich (Klavier), Yura Lee (Viola) sowie Alexey Stadler (Violoncello) hauchten Schumanns Klavierquintett Es-Dur op. 44 effektreich Leben ein. Im Verlauf des mehrsätzigen Werkes stellte jeder der Künstler seine virtuose Brillanz als Solist unter Beweis. Gleichzeitig zeigten die Instrumentalisten, dass sie als Klangkörper harmonieren – ein Genuss auf meisterlichem Niveau. 

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