Median-Weserklinik: Geschäftsleitung schlägt einmalig 700 Euro vor
Verdi weist Angebot für Abfindungen zurück

Bad Oeynhausen  (WB). Die 137 freigestellten Mitarbeiter der Median-Weserklinik müssen weiter auf einen Sozialplan hoffen. Auch die zweite Verhandlungsrunde zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat ist gescheitert.

Donnerstag, 28.04.2016, 05:00 Uhr aktualisiert: 28.04.2016, 05:02 Uhr
Die zweite Verhandlungsrunde für einen Sozialplan zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat der Weserklink ist gescheitert. Am 22. Juni sollen die Gespräche fortgesetzt werden. Foto: Frank Dominik Lemke
Die zweite Verhandlungsrunde für einen Sozialplan zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat der Weserklink ist gescheitert. Am 22. Juni sollen die Gespräche fortgesetzt werden. Foto: Frank Dominik Lemke

Das gab die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Mittwoch in einer Mitteilung bekannt. Grund für das erneute Scheitern ist ein Angebot der Geschäftsleitung für einmalige Abfindungen. Verdi zufolge möchte der Arbeitgeber seinen zum 30. Juni gekündigten Mitarbeitern jeweils etwa 700 Euro zahlen.

Wer beispielsweise 16 Jahre beschäftigt war, erhalte somit etwa 43 Euro für jedes Jahr. Auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES bestätigte Klinikdirektor Andreas Finkel, bei der Abfindung »keine Einigung erzielt« zu haben.

»Schlag ins Gesicht der Arbeitnehmer«

Die Höhe der Abfindung nennt Walburga Erichsmeier, stellvertretende Bezirksgeschäftsführerin des Verdi-Bezirks Herford-Minden-Lippe, ein »dreistes Angebot und einen Schlag ins Gesicht der Arbeitnehmer«.

Im Zuge der Verhandlungen über die Abfindungen verweist sie auf den sogenannten Nachteilsausgleich. Hierbei sei ein Faktor von 0,5 üblich. Dazu nennt Walburga Henrichsmeier ein Beispiel: Aus einem durchschnittlichen Bruttolohn von 2500 Euro ergebe sich so eine Abfindung von 1250 Euro für jedes gearbeitete Jahr.

Aber nicht nur das Thema Abfindung verärgert die Verdi-Vertreterin. Aus ihrer Sicht seien die Mitarbeiter von unverlangten Briefen, die im Namen der Klinik-Geschäftsleitung zugesendet worden seien, »verunsichert« worden. Inhalt der Briefe seien Listen mit offenen Stellen gewesen. »Das hat den Eindruck erweckt, als wäre es überhaupt kein Problem, neue Stellen zu finden«, sagt Walburga Erichsmeier.

Mitarbeiter erhalten bis zu 40 Stellenangebote

Teilweise seien den Mitarbeitern bis zu 40 Stellen vorgeschlagen worden, sagte ein Arbeitnehmer-Vertreter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Darunter seinen Firmen wie die Fast-Food-Kette McDonald’s aufgeführt gewesen. »Wir haben offene Stellen entsprechend der bei uns beschäftigten Berufsgruppen wie Krankenpflege und Küche bereitgestellt«, entgegnete Andreas Finkel.

Die nächste Verhandlungsrunde soll am 22. Juni stattfinden. Unabhängig davon haben sich nach Verdi-Angaben die meisten der 137 gekündigten Mitarbeiter der Kündigungsschutzklagen angeschlossen. Andreas Finkel bestätigte 110 Klagen. In diesen Verfahren prüft ein Arbeitsgericht die rechtliche Grundlagen. Wie berichtet , gebe es aus Sicht des Betriebsrates und Verdi unberechtigte Kündigungen wie etwa von Schwerbehinderten.

Die Median-Weserklinik soll am 30. Juni geschlossen werden. Von den gekündigten Mitarbeitern sind 48 in der Klinik am Park betroffen. Sie soll nicht geschlossen werden.

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