Sina Heine hat ungewöhnliche Ideen für Interviews – Kanzler Gerhard Schröder lud sie zum Bierkrug-Stemmen ein
Keine Angst vor kessen Fragen

Bad Oeynhausen (WB). Bammel vor bekannten Interview-Partnern hat die freie Journalistin Sina Heine offenbar nicht. Als der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder 2008 zu Besuch in der Heimatregion war, stemmte sie mit ihm kurzerhand Bierkrüge. Mittlerweile überrascht sie auch manche Musical-Stars mit kessen Anfragen.

Mittwoch, 11.05.2016, 13:00 Uhr aktualisiert: 11.05.2016, 13:37 Uhr
Malerisch, fast wie eine Bühnenkulisse: Seit ihrer Kindheit hat Sina Heine aus Bad Oeynhausen ein Faible für Musicals. Mit ihren Eltern Axel und Gundula sowie den Großeltern sah sie beispielsweise »Miss Saigon« und »Die Schöne und das Biest« in Stuttgart. Foto: Mukherjee
Malerisch, fast wie eine Bühnenkulisse: Seit ihrer Kindheit hat Sina Heine aus Bad Oeynhausen ein Faible für Musicals. Mit ihren Eltern Axel und Gundula sowie den Großeltern sah sie beispielsweise »Miss Saigon« und »Die Schöne und das Biest« in Stuttgart. Foto: Mukherjee

Ganz klar: Gerhard Schröder gehört zu den Gesprächspartnern, die die Bad Oeynhausenerin Sina Heine (30) in guter Erinnerung behält. Als freie Radioreporterin folgte sie dem Kanzler bei dessen Besuch auf dem Blasheimer Markt mit dem Mikro. »Er war total nett, und ich durfte ihm Fragen stellen – weil ich auch nicht gerade schüchtern bin«, erinnert sie sich.

2008 trifft Sina Heine Gerhard Schröder.

2008 trifft Sina Heine Gerhard Schröder.

Der Eisbrecher war ein ungewöhnlicher Vorschlag, den sie Schröder unterbreitete: »Er fragte, was machen wir jetzt. Und ich meinte: Wir können doch Bierkrüge stemmen. Er hat sich auch wirklich angestrengt, den Krug länger hochzuhalten als ich.«

Bereits als 14-Jährige begann sie für das Radio zu arbeiten. Zehn Jahre war sie für einen Sender in der Region unterwegs. Nach dem Abitur am Immanuel-Kant-Gymnasium schlug sie aber einen anderen beruflichen Weg ein. »Ich habe eine Ausbildung zur Immobilienkauffrau gemacht«, sagt Sina Heine. Mittlerweile ist sie im Büro tätig. »So habe ich genügend Zeit für meinen vierjährigen Sohn Jake.«

Schon als Kind ein Faible für Musicals

Ganz von Interviews und ungewöhnlichen Anfragen mag sie aber nicht lassen – besonders nicht bei ihrem Faible für Musicals. »Seit ich diese Bühnenproduktionen im Alter von acht Jahren für mich entdeckt habe, bin ich davon einfach begeistert. Für Besuche habe ich schon ein kleines Vermögen ausgegeben. Zum Beispiel habe ich mir ›Das Phantom der Oper‹ schon in Las Vegas angesehen«, sagt Sina Heine.

So stieß auf das Musical »Rocky«. Das Boxer-Drama nach der Vorlage der Filmreihe mit Sylvester Stalone war bis August 2015 in Hamburg auf der Bühne zu sehen. Zudem trainierte Hauptdarsteller Drew Sarich auch mit Wladimir Klitschko, dem früheren Weltmeister im Schwergewichtsboxen.

Sina Heine entwickelte daraus eine Anfrage an die Musical-Produktion: Mit dem Rocky-Darsteller wollte sie in den Ring steigen. »Ich dachte mir: Wenn ich ihn dazu herausfordere, dann ist er so beeindruckt, dass ich das Interview bestimmt bekomme.« Und beeindruckt waren Drew Sarich und die Produktionsfirma. Sina Heine bekam die Zusage und bereitete sich gewissenhaft vor. In einem Mindener Boxclub trainierte sie.

Mit geschnürten Boxhandschuhen in den Ring

Das sportliche Aufeinandertreffen war dann im Juni 2015 in Hamburg. Mit geschnürten Boxhandschuhen schwang sie die Fäuste gegen ihren Sparringspartner Drew Sarich. »Er überließ mir den ersten Schlag, und wir haben später ein gutes Interview geführt. Er war sehr offen und erzählte, dass er ein leidenschaftlicher Whiskey-Trinker ist«, sagt Sina Heine. Lohn der Mühe: In einem bundesweit erscheinenden Boxmagazin veröffentlichte sie das Gespräch. »Vier Seiten – das war ein tolles Gefühl«, sagt Sina Heine.

In Hamburg stellt sich

In Hamburg stellt sich

Dass sich übrigens nicht jede Idee umsetzen lässt, erlebte sie mit dem Vorschlag, den Hauptdarsteller des Musicals »Liebe stirbt nie« im Karussell zu interviewen. Star der Aufführung im Hamburger Operettenhaus ist der isländische Tenor und Schauspieler Garðar Thór Cortes (42). Das Musical ist die Nachfolgeproduktion von »Das Phantom der Oper«. Passend zum »Hamburger Dom«, größtes Volksfest im Norden, sollte der Interview-Titel »Mit dem Phantom auf dem Dom« lauten. Der Haken: Cortes und Sina Heine stellten beim Probelauf fest, dass ihnen im Karussell schlecht wird. Stattdessen traf sie Cortes zum langen Gespräch in der Maske des Hamburger Operettenhauses. »Er ist ein echter Gentleman, der sehr liebevoll über seine Rolle als Vater gesprochen hat«, sagt Sina Heine.

Übrigens: Auch unangenehme Gesprächssituationen erlebte sie schon, wie 2007 mit Bruce Darnell, Juror der RTL-Show »Das Supertalent«, der im Fernsehen öfters mal in Tränen ausbricht: »Im Interview war er sehr arrogant.«

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