Schauspieler zieht 1000 Zuhörer mit seiner Stimme in den Bann
Brandauer liest »Moby Dick«

Bad Oeynhausen (WB). Wenn Klaus Maria Bran­dauer rezitiert, ist das ein Erlebnis. Bei zwei Lesungen im Theater im Park hat der renommierte Schauspieler am Donnerstag ausgewählte Passagen aus Herman Melvilles »Moby Dick« vorgetragen. Im Rahmen der Reihe »Wege durch das Land« machte er knapp 1000 Interessierte mit der rauen Welt des Walfangs bekannt.

Samstag, 28.05.2016, 06:00 Uhr
Mit Lautmalerei im Wortsinn hat Klaus Maria Brandauer die Lesung aus Herman Melvilles Roman »Moby Dick« für das Publikum zu einem Erlebnis gemacht. Foto: Malte Samtenschnieder
Mit Lautmalerei im Wortsinn hat Klaus Maria Brandauer die Lesung aus Herman Melvilles Roman »Moby Dick« für das Publikum zu einem Erlebnis gemacht. Foto: Malte Samtenschnieder

Klaus Maria Brandauer gehört zu den wichtigsten und bekanntesten Theater- und Filmschauspielern der Gegenwart. Zudem führt der 72-Jährige immer wieder Regie. Und er macht regelmäßig mit musikalisch-literarischen Programm von sich reden. Seit 2007 arbeitet er mit dem Pianisten Arno Waschk zusammen – so auch bei »Moby Dick«.

Herman Melvilles Roman gilt als ein Stück Weltliteratur, das gleichermaßen fasziniert und verunsichert. Diese Ambivalenz arbeitet Klaus Maria Brandauer von der ersten bis zur letzten Silbe heraus. »Ein Lachen ist die weiseste Antwort auf alles.« Diese These stellt er der Lesung voran.

Klangvolle Stimme zeichnet vielschichtige Bilder

Mit klangvoller Stimme zeichnet der Rezitator vielschichtige Bilder. Mal lieblich säuselnd, dann wild polternd macht er die Zuhörer mit dem entbehrungsreichen, bisweilen brutalen Alltag auf einem Walfängerschiff zur Mitte des 19. Jahrhunderts vertraut. Er lässt die Zuhörer insbesondere an der Gefühlswelt von Kapitän Ahab teilhaben.

Dieser hat »Moby Dick« tödliche Rache geschworen, nachdem ihm der weiße Wal ein Bein abgerissen hat. Um die Geschichte voranzutreiben, leiht Klaus Maria Brandauer aber nicht nur Ahab, sondern stets mehreren Charakteren im Wechsel seine Stimme.

Musik verstärkt mit Worten geschaffene Atmosphäre

Pianist Arno Waschk liefert mit Musik von Debussy, Satie, Bartok, Ravel, Strawinsky und Wagner mehr als nur eingestreute Momente der inneren Einkehr, um den Zuhörern zu ermöglichen, die zuvor gehörten Textpassagen innerlich nachhallen zu lassen. An verschiedenen Stellen überlagert Klaus Maria Brandauers Lesung die Musik.

Die von Arno Waschk beigesteuerten Klangfarben verstärken die durch das gesprochene Wort erzeugte Atmosphäre. Dadurch wird die Botschaft umso eingängiger und mitreißender.

Spannungsfaden reißt während des Vortrags nicht ab

Klaus Maria Brandauer füllt den großen Saal des Theaters im Park allein mit seiner Stimme. Während der Lesung sitzt er hinter einem massiven Holztisch, den Blick selbst in den dramatischsten Momenten unverrückbar vor sich im dicht bedruckten Manuskript. Einzig den Schlag mit der flachen Hand auf die Tischplatte nutzt er als Zusatzeffekt. Mehr braucht er nicht, um die Zuhörer für 90 Minuten in seinen Bann zu ziehen.

Der Spannungsfaden reißt währenddessen nicht ab. Wenn das viel beschworene Bild von der Stecknadel, die man fallen hören kann, jemals zutreffend sein sollte, dann wohl hier. Denn Klaus Maria Brandauer gelingt es, mit seinem faszinierenden Charisma das Publikum durchweg auf der Höhe des Geschehens zu halten. Selbst die als komplex geltende »Moby Dick«-Handlung macht er für die Zuhörer transparent. Das verdient ausdrücklich Respekt.

Freude über erneuten Auftritt in Bad Oeynhausen

Ganz zum Ende der Matinee verlässt Klaus Maria Brandauer für wenige Momente den Pfad routinierter Professionalität. Nach dem lang anhaltenden Schlussapplaus ist es ihm ein Bedürfnis, den Zuschauern mitzuteilen, dass er sich freut, zum wiederholten Mal in Bad Oeynhausen zu sein – verbunden mit dem Zusatz: »Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn diesmal keine zwei Veranstaltungen zustande gekommen wären.«

Zur Erklärung: Nachdem die Abendveranstaltung ausverkauft war, wurde von den Organisatoren der Reihe »Wege durch das Land« zusätzlich die Matinee ins Programm genommen – angesichts der großen Resonanz auf jeden Fall die richtige Entscheidung.

Sein Bühnendebüt gab Klaus Maria Brandauer bereits im Jahr 1963 in Tübingen. Seit 1972 ist er Ensemblemitglied am Burgtheater in Wien. Mit dem Oscar-prämierten Film »Mephisto« gelang ihm 1982 der internationale Durchbruch. Für seine Rolle in »Jenseits von Afrika« war er selbst für einen Oscar nominiert.

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