Baugrund-Untersuchung wirft viele Fragen auf: zu Kanal-Altlast und Bleigehalt im Boden
Spielplatz im Kurpark wohl Geschichte

Bad Oeynhausen (WB). Politisch war und ist er höchst umstritten: ein Spielplatz im Bereich des Haupteinganges zum Kurpark. Jüngste Untersuchungen zu einem historischen Regenwasserkanal im Bereich der ins Auge gefassten Fläche lassen die Chancen für das Projekt nun rapide sinken.

Dienstag, 31.05.2016, 06:00 Uhr
Einen Spielplatz im Kurpark wird es südlich der Verbindungsachse zwischen Kurparkeingang und der Straße »Am Kurpark« wohl nicht geben. Das ist vor allem Ergebnis einer Baugrund-Untersuchung, die viele Unwägbarkeiten für das Projekt offenbart. Foto: Claus Brand
Einen Spielplatz im Kurpark wird es südlich der Verbindungsachse zwischen Kurparkeingang und der Straße »Am Kurpark« wohl nicht geben. Das ist vor allem Ergebnis einer Baugrund-Untersuchung, die viele Unwägbarkeiten für das Projekt offenbart. Foto: Claus Brand

In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am 3. Mai hatte man sich darauf verständigt, den Standort beizubehalten. Dem hatte auch der Landschaftsverband (LWL) aufgrund des dargelegten Nutzungsbedarfs sowie nicht vorhandener Standortalternativen zugestimmt. Die Ausführungsplanungen, so auch zur Neugestaltung der Verbindungsachse zwischen Kurparkeingang und der Straße »Am Kurpark«, sollten jedoch im Sinne der vorgebrachten Auflagen durch den LWL (diese Zeitung berichtete) überarbeitet werden, in enger Abstimmung mit dem LWL. Auch um ein Baumgutachten hatte es bei der Beratung Anfang Mai Streit gegeben. Entstehen sollte der Spielplatz als Baustein des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK). Ein Spielplatz zur Aufwertung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt ist von Einzelhändlern und Bürgern oft gefordert worden.

In der Vorlage für die nächste Sitzung des Fachausschusses am Donnerstag, 9. Juni, wird nun auf die Ergebnisse einer Baugrund-Untersuchung verwiesen. Sie war im Dezember 2015 in Auftrag gegeben worden. Das Ergebnis legte das Bünder Ingenieurbüro »Geo-Analytik Dr. Loh« Ende April 2016 vor. Wörtlich heißt es im Fazit der Verwaltung dazu: »Aufgrund der Ergebnisse des Baugrund-Gutachtens sowie der Abwägung aller Sachverhalte bezüglich des Zustandes des historischen Regenwasserkanals wird seitens der Verwaltung von der Grünfläche als Standort für einen Spielplatz Abstand genommen.« Die nicht zu garantierende Verkehrssicherheit des alten Baumbestandes ... und die unklare Entwicklung des Grundwasserspiegels schließen eine Nutzung des Areals als Spielplatz aus.«

Privater Regenwasserkanal stark sanierungsbedürftig

Die Stadtwerke (SBO) und der Eigenbetrieb Staatsbad würden sich weiter um eine Sanierung oder Verlegung des Kanals bemühen. Zur Beurteilung dazu heißt es: »Ob danach auf dieser Fläche im Schnittpunkt von Innenstadt und Kurpark Spielmöglichkeiten für Kinder geschaffen werden können, bleibt abzuwarten.«

Um den Wunsch und der Em­pfehlung im ISEK nach Spielmöglichkeiten im Zentrum gerecht zu werden, untersucht der Fachbereich Stadtentwicklung und Bauen derzeit alternative Flächen. Ein Lösungsansatz soll in der Sitzung am 9. Juni vorgestellt werden.

Die Baugrunduntersuchung weist zudem weitere Details auf. Im Zuge der Ausführungsplanungen für den Spielplatz sei bekannt geworden, heißt es seitens der Verwaltung, dass der dort in etwa 3,20 Meter Tiefe verlaufende private Regenwasserkanal stark sanierungsbedürftig sei. Bei dem Kanal handele es sich um die Entwässerung des 1910 erbauten Königshofes. Sie verlaufe in nördlicher Richtung durch die geplante Spielplatzfläche, weiter entlang der Ostfassade des Badehauses I bis zur Herforder Straße.

Untersuchung zeigt erhöhten Bleigehalt im Oberboden

Aufgrund des baulichen Zustandes des Kanals war vor dem Gutachten von den SBO nur ein punktuelles Schadensbild erstellt worden. Kameraaufnahmen hätten teilweise eingestürzte Abschnitte sowie Gesteins- und Kiesablagerungen gezeigt. Sie deuteten auf Einspülungen von umgebendem Bodenmaterial hin. Innerhalb der Grünfläche seien entlang der unterirdischen Trassenführung Absackungen an der Oberfläche erkennbar gewesen. Vor diesem Hintergrund sollte das Baugrundgutachten klären, »in welchem Umfang der schadhafte Kanal Boden-Erosionen mit Aufweichungen verursacht hat und zum Beispiel durch Tagesbrüche die geplante Nutzung als Spielareal sowie den Baumbestand gefährden kann.« Eine Kernaussage der weiterführenden Bodenuntersuchung ist: »Die Böden sind im Bereich des geplanten Spielareals deutlich aufgeweicht und zeigen punktuell deutliche Sackungsmulden.«

Mit Blick auf das Grundwasser sei bei Einzelfundamenten »eventuell der Einsatz von Pumpen erforderlich.« Es sei davon auszugehen, dass über den Kanal die »konstante Entwässerung« der Grünfläche erfolgt. Eine Aussage, welche Auswirkungen eine Stilllegung oder Verfüllung des maroden Kanals für die Höhe des Grundwassers und die Standfestigkeit der Bäume habe, könne nicht erfolgen. Und: Bei den Untersuchungen ist in der Oberbodenschicht in einer Tiefe bis zu 50 Zentimetern ein erhöhter Bleigehalt festgestellt worden, der den Prüfwert für Spielflächen überschreitet. Dies könne mit Schlackeresten erklärt werden, die seinerzeit für historische Gehwege verwendet worden seien. Ob die Belastung auf der gesamten Fläche oder nur auf der Kanaltrasse vorhanden sei, können nur detaillierte Bodenanalysen klären.

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