Alligatoah spricht über seine Karriere – Auftritt beim Parklichter Open Air
»Jeder muss seinen eigenen Weg finden«

Bad Oeynhausen  (WB). Fünf Goldene Schallplatten bestärken den Rapper und Sänger Alligatoah alias Lukas Strobel darin, sich nicht verbiegen zu lassen und seinen eigenen musikalischen Weg unbeirrt weiterzugehen. Am Freitag, 5. August, ist der 26-Jährige beim Parklichter-Festival im Kurpark in Bad Oeynhausen dabei. Vorab hat Redakteur Malte Samtenschnieder mit ihm gesprochen.

Samstag, 30.07.2016, 06:00 Uhr aktualisiert: 30.07.2016, 10:07 Uhr
»Groß, bunt und kostümreich« soll Alligatoahs Show beim Parklichter Open Air am Freitag, 5. August, werden. Von voraussichtlich 22.30 Uhr steht der Headliner auf der Hauptbühne. Foto: Mike-Dennis Müller
»Groß, bunt und kostümreich« soll Alligatoahs Show beim Parklichter Open Air am Freitag, 5. August, werden. Von voraussichtlich 22.30 Uhr steht der Headliner auf der Hauptbühne. Foto: Mike-Dennis Müller

Sie haben den Spruch »Humor ist, wenn man trotzdem lacht« als ein Lebensmotto für sich auserkoren. Gilt das auch für Ihre Musik?

Alligatoah: Das Motto ist sehr allgemein und erscheint vielen vielleicht auch ausgelutscht. Es ist aber zutreffend – und gerade auch auf meine Musik anwendbar.

Alligatoah, Kaliba 69, DJ Deagle – sie sind unter verschiedenen Künstlernamen aktiv. Warum?

Alligatoah: Ich habe 2006 heimlich im Kinderzimmer angefangen, Musik zu machen. Damals war ich 16. Zunächst habe ich meine Tracks nur mit dem Internet geteilt. Aus meinem direkten Umfeld durfte niemand davon wissen. Um nicht alleine dazustehen, habe ich dann eine fiktive Band mit zwei Mitgliedern gegründet…

…mit Kaliba 69 und DJ Deagle.

Alligatoah: Genau. Kaliba 69 war für Gesang und Texte zuständig, DJ Deagle spielte die Instrumente ein und war der Produzent. Diese beiden »kleinen Terroristen« begleiten mich bis heute.

Sie haben mit Ihren letzten beiden Alben die 100 000er-Marke geknackt. Macht Sie das zufrieden?

Alligatoah: Ja, durchaus. Ich habe nie gezielt auf diesen Erfolg hingearbeitet. Aber mittlerweile hängen bei mir fünf Goldene Schallplatten an der Wand.

Über welche Goldene Schallplatte haben Sie sich am meisten gefreut? Über die erste?

Alligatoah: Die erste Goldene Schallplatte ist natürlich etwas ganz Besonderes. Noch wichtiger aber ist die zweite. Sie zeigt, dass die erste kein Zufall war. Alle weiteren Goldenen Schallplatten stehen für Kontinuität und dafür, dass man mit Fleiß und Arbeit etwas Gehaltvolles schaffen kann, das vielen gefällt.

2015 gab es für Sie die 1Live-Krone als bester Hip-Hop-Act. Ist das für Sie ein besonderer Preis?

Alligatoah: Es ist ein sehr schöner Preis, weil die Fans durch ihr Votum den Gewinner bestimmen.

Ihr aktuelles Album heißt »Musik ist keine Lösung«. In diesem Zusammenhang drängt sich die Frage auf: Warum machen Sie dann trotzdem weiter?

Alligatoah: Das ist keine Aussage von mir selbst. Sie entspringt vielmehr den unterschiedlichen Rollen, die ich einnehme. Mit derartigen Aussagen gelingt es mir, die Leute zum Nachdenken zu bringen. Wenn am Ende der eine oder andere für sich selbst zu dem Schluss kommt, dass ihm meine Musik doch beim Lösen eines Problemes geholfen hat – umso besser. Das muss aber jeder für sich selbst herausfinden.

Gibt es jemanden, der Sie musikalisch besonders geprägt hat?

Alligatoah: Da gibt es eine Menge Künstler. In meiner Jugend habe ich ganz unterschiedliche Musik gehört, die wenig mit dem zu tun hat, was ich heute mache. Zum einen habe ich viele Metal Bands gehört, zum anderen klassische deutsche Liedermacher. Meine Musik unterscheidet sich von Beidem deutlich. Ich will nicht klingen, wie jemand, den ich gut finde. Seine Musik gibt es ja schon.

Sie haben vor wenigen Tagen beim Deichbrand-Festival auf der Bühne gestanden. Wie bereiten Sie sich auf einen derartigen Auftritt vor?

Alligatoah: Zunächst versuche ich, während der Anreise im Nightliner lange zu schlafen. Wenn ich aufgestanden bin, kann die Zeit bis zum Auftritt schon mal ziemlich lang werden. Dann bin ich dankbar für jede Ablenkung. Beim Deichbrand gab es backstage Volleyball, Tischtennis und eine Torwand. Die Organisatoren haben sehr gut mitgedacht.

Arbeiten Sie während der Tournee auch an neuen Songs?

Alligatoah: Na klar. Meine »Werkstatt« habe ich immer im Rucksack dabei. Wenn es in mir rumort, hole ich Block und Stift hervor und schreibe Texte. So etwas ist ja nicht auf die Zeit im Studio begrenzt. Das mache ich auch schon mal zwischendurch.

Ich habe gelesen, dass Sie auch Ihre Videos selbst produzieren. Sind Sie ein Perfektionist, der überall seine Finger im Spiel haben muss?

Alligatoah: Irgendwie schon. Mittlerweile unterstützt mich eine Agentur bei der Videoproduktion. Sonst wäre das nicht alles zu schaffen. Aber Ideen und Konzepte sowie Regie und Schnitt sind von mir. Bevor ich mit der Musik angefangen habe, habe ich ja bereits Filme gemacht. Diese Kunstform ist mir genauso wichtig wie die Musik.

Für das Parklichter-Festival am 5. August im Kurpark Bad Oeynhausen sind Sie als Headliner gebucht. Worauf dürfen sich Ihre Fans freuen?

Alligatoah: Auf eine gute Show.

Geht es noch etwas ausführlicher?

Alligatoah: Es werden fantastische Dinge passieren, wenn auf der Bühne das Licht angeht. Alles wird groß, bunt und kostümreich. Und vielleicht gibt es eine Kuh.

Beim Parklichter-Festival sind auch viele Newcomer. Welche Karrieretipps können Sie nach zehn Jahren im Musikgeschäft weitergeben?

Alligatoah: Hört nicht auf andere wie mich! Jeder muss seinen eigenen Weg finden und ihn dann auch gehen. Wer glaubt, dass ihm das ein anderer abnehmen kann, liegt falsch. Der richtige Weg sieht immer unterschiedlich aus. Wer aus einer starken eigenen Motivation heraus Musik macht, kann es aber schaffen.

Auf Ihrer Homepage gibt es einen Link »Liebesbriefe«. Was ist die kurioseste Nachricht, die dort gelandet ist?

Alligatoah: Natürlich ist auch der eine oder andere Heiratsantrag dabei. Aber es gibt auch Nachrichten, die gar nichts mit einem Liebesbrief zu tun haben. Sehr verstört hat mich die E-Mail eines Fans, der um Erlaubnis bat, sich eine Textzeile von mir tätowieren lassen zu dürfen. Es ging um »Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein«. Das stammt aber aus einem Lied von Reinhard Mey, das ich einmal gecovert habe. Es ist schade, dass mittlerweile viele junge Menschen so wenig Allgemeinbildung haben.

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