Begegnung von Literatur und Naturwissenschaft stößt auf großes Interesse
Vom Urknall bis in die Gegenwart

Bad Oeynhausen/Löhne (WB). Sowohl eingefleischte Literaturfans als auch passionierte Naturwissenschaftler sind am Samstagabend bei den »Poetischen Quellen« auf ihre Kosten gekommen.

Sonntag, 28.08.2016, 18:44 Uhr aktualisiert: 28.08.2016, 18:46 Uhr
Den Bogen vom Urknall bis in die Gegenwart haben Raoul Schrott (von links), Josef M. Gassner und Hendrik Milting bei den »Poetischen Quellen« gespannt. Foto: Malte Samtenschnieder
Den Bogen vom Urknall bis in die Gegenwart haben Raoul Schrott (von links), Josef M. Gassner und Hendrik Milting bei den »Poetischen Quellen« gespannt. Foto: Malte Samtenschnieder

Nachdem Raoul Schrott sein neues Buch »Erste Erde. Epos« vorgestellt hatte, lieferte sich der Autor einen eloquenten Schlagabtausch mit dem Astrophysiker Josef M. Gassner und dem Molekularbiologen Hendrik Milting. Das Publikum im voll besetzten Literaturzelt auf der Aqua Magica spendete allen Akteuren nach der Veranstaltung reichlich Applaus.

Eigentlich erscheint das Buch »Erste Erde. Epos« erst in einem Monat. Deshalb tat sich der Autor schwer damit, einzelne Passagen zu rezitieren. Stattdessen plauderte er munter über die siebenjährige Entstehungsgeschichte drauf los. Zunächst habe er für sich die Frage beantworten müssen, wie es gelingen könne, die Zeitspanne vom Urknall bis heute in einem Epos zu verpacken.

Auf der Suche nach einer Antwort sei er viel gereist. »Ich bin dort gewesen, wo die ältesten Gesteine, die ältesten Fossilien oder die ältesten Skelette gefunden wurden«, sagte Raoul Schrott. Seine Erlebnisse habe er fiktiven Charakteren zugeschrieben. Herausgekommen sei ein dickes Buch mit 28 Kleinromanen und einem 250-seitigen wissenschaftlichen Anhang.

Prägende Begegnung mit einem Schwarzbären

Die Arbeit an dem Buch habe sein Leben verändert. Als ein Beispiel benennt der Österreicher die Begegnung mit einem Schwarzbären in Kanada. Als er sich mit im Nacken verschränkten Armen vor dem Tier auf den Boden geworfen habe, um einem Angriff zu entgehen, sei er hellwach gewesen. »Alle Ängste waren plötzlich verschwunden«, sagte Raoul Schrott.

Deren Rückkehr musste der Schriftsteller auch nicht fürchten, als sich Josef M. Gassner und Hendrik Milting in der zweiten Programmhälfte zu ihm aufs Podium gesellten. »Das Buch hält einer wissenschaftlichen Übeprüfung stand«, lobte Josef M. Gassner zu Beginn. Es folgte eine Einordnung des Phänomens Urknall. Dabei handele es sich eigentlich um einen Taschenspieler-Trick – »und zwar am Übergang von einem ›Nichts‹ zu einem ›Etwas‹«.

Nachdem der Astrophysiker deutlich gemacht hatte, dass es sich bei der Erde eigentlich um einen 08/15-Steinklumpen in einer ganz gewöhnlichen Galaxie handele, kam der Molekularbiologe ins Spiel. »Was die Erde zu etwas Besonderem macht, ist das hier vorhandene Leben«, betonte Hendrik Milting. Wie die ersten Organismen entstanden seien, sei noch unklar. Genauso wenig sei es möglich, Aussagen darüber zu treffen, ob und, wenn ja, wann die Spezies Mensch eines Tages ausstirbt.

Weiterer Meteoriteneinschlag statistisch gesehen überfällig

Als wahrscheinlichste Ursache können sich Hendrik Milting und Josef M. Gassner einen Meteoriteneinschlag vorstellen. Nach Angaben des Astrophysikers ist die nächste Kollision mit einem Steinbrocken – statistisch gesehen – schon überfällig.

Auf die Frage des Schriftstellers, ob mit dem ersten Leben nicht auch automatisch der Tod in Erscheinung getreten sei, fanden die Naturwissenschaftler eine überraschende Antwort. Laut Josef M. Gassner gibt es einige Bakterien, die sich von Generation zu Generation nahezu unverändert reproduzieren.

Beim Menschen sei das anders. Das Bilden eines Leichnams ist laut Hendrik Milting ein Zugeständnis an die hohe Komplexität des menschlichen Organismus. Wichtige Erbinformationen würden lediglich durch Spermien und Eizellen an die nächste Generation weitergegeben.

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