Harald Welzer und Stefan Selke diskutieren bei Sonntagsgespräch auf Aqua Magica
Sehnsucht nach »Echtzeit-Feedback«

Bad Oeynhausen/Löhne  (WB). Als schweißtreibende Angelegenheit für alle Beteiligten hat sich das Sonntagsgespräch bei den 15. »Poetischen Quellen« erwiesen. Vor den intensiven Sonnenstrahlen durch einen Schirm geschützt, bewahrten die Podiumsgäste Harald Welzer und Stefan Selke einen kühlen Kopf. Daran änderten auch provokative Fragen von Moderator Jürgen Keimer nichts.

Montag, 29.08.2016, 06:00 Uhr aktualisiert: 29.08.2016, 08:29 Uhr
Die Vor- und Nachteile der fortschreitenden Digitalisierung nehmen Stefan Selke (von links), Harald Welzer und Jürgen Keimer während des Sonntagsgesprächs auf der Naturbühne in den Blick. Foto: Malte Samtenschnieder
Die Vor- und Nachteile der fortschreitenden Digitalisierung nehmen Stefan Selke (von links), Harald Welzer und Jürgen Keimer während des Sonntagsgesprächs auf der Naturbühne in den Blick. Foto: Malte Samtenschnieder

Sozialpsychiologe Harald Welzer ist unter anderem Mitbegründer einer gemeinnützigen Stiftung, die alternative Lebensstile und Wirtschaftsformen aufzeigt und ihre Mittel für das Projekt einer »zukunftsfähigen, enkeltauglichen Gesellschaft« einsetzt. Soziologe Stefan Selke beschäftigt sich besonders mit den schleichenden Auswirkungen, die die Digitalisierung der Gesellschaft auf die Kultur und die Lebenswelt des Menschen mit sich bringt. Somit waren beide Gäste bestens für ein kritisches Sonntagsgespräch zur Frage, »wie die smarte neue Welt die demokratische Gesellschaft gefährdet«, gerüstet.

Sonntagsgespräch bei den »Poetischen Quellen«

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Von Beginn an nahm Jürgen Keimer die Auswirkungen der zunehmenden Digitalisierung insbesondere am Beispiel des Internets in den Blick. »Was treibt Menschen an, immer mehr Daten über sich im Netz zu sammeln und sie dann mit anderen zu teilen?«, wollte der Moderator wissen. Es gebe einen Trend, alle Aspekte des Lebens zu quantifizieren, sagte Stefan Selke. Wer etwa seine sportlichen Erfolge mit anderen Teile, werde in diesem Bereich »listenfähig«. Durch den Vergleich mit anderen ergebe sich soziale Anerkennung. Konsequenz sei ein sogenanntes Echtzeit-Feedback.

»Soziale Medien sind nicht von vornherein schlecht. Es kommt darauf an, wie man sie gebraucht«, fügte Harald Welzer hinzu. Insbesondere Bewertungen im Internet sind dem Forscher ein Dorn im Auge. Häufig machten die Abstimmungen überhaupt keinen Sinn. Harald Welzer: »Darüber hinaus kann meist jeder seine Stimme abgegeben. Egal, ob er dazu qualifiziert ist oder nicht.« Viele Nutzer wollten die negativen Folgen des Internetzeitalters gar nicht wahrhaben. »Es ist schwer, die Menschen vor etwas zu schützen, wonach sie sich sehnen.«

Privatsphäre gerät zunehmend ins Hintertreffen

Beide Experten waren sich einige, dass durch die Preisgabe von immer mehr Daten, die Wahrung der Privatsphäre zunehmend ins Hintertreffen gerät. An die Stelle von zufälligen Begegnungen träten Kontaktvorschläge auf der Basis von Computeralgorithmen. Das Durchschauen dieser Phänomene reiche nicht aus, um sie zurückzudrängen. Es gelte, zu handeln, bevor Global Player wie Facebook oder Google der Menschheit ihre Gesellschaftsvorstellungen überstülpten. Harald Welzer: »Wir müssen aktiv für den Erhalt unserer demokratischen Gesellschaft eintreten.«

Bei den zahlreichen Besuchern auf der Naturbühne stellte sich nach der Diskussion der von Jürgen Keimer beschriebene Effekt ein: »Ich denke, es ist den beiden Podiumsgästen gelungen, unsere Aufmerksamkeit für die fortschreitende Digitalisierung zu schärfen«, sagte der Moderator.

Auf dem Podium fehlte Alexander Pschera. Er hatte die Teilnahme am Sonntagsgespräch kurzfristig aus beruflichen Gründen absagen müssen.          

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