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Mo., 05.06.2017

Die Neuen im Landtag, Teil 2: Markus Wagner (52) aus Bad Oeynhausen sitzt für die AfD im Landtag Wagner: »Abtreibung ist kein Menschenrecht«

Der Abgeordnete Markus Wagner aus Bad Oeynhausen vor dem früheren Kurhaus, in dem heute das GOP-Varieté ist.

Der Abgeordnete Markus Wagner aus Bad Oeynhausen vor dem früheren Kurhaus, in dem heute das GOP-Varieté ist. Foto: Oliver Schwabe

Von Christian Althoff

Bad Oeynhausen (WB). 2005 adoptierten Markus Wagner (52) und seine Frau ein Kleinkind. Ein schwarzes, in Haiti. »Ich könnte ein leibliches Kind nicht mehr lieben als meinen Sohn«, sagt der Politiker aus Bad Oeynhausen. Er sitzt jetzt für die AfD im Landtag.

Wagner verbrachte seine Kindheit im bayerischen Bad Tölz, wo sein Vater die Jugendherberge leitete. Sein Elternhaus sei konservativ und die Welt in Ordnung gewesen, sagt der 52-Jährige. Als sich die Eltern scheiden ließen und die Mutter 1977 nach Bad Oeynhausen zog, um ein Altenheim zu eröffnen, ging Markus Wagner mit. »Da war ich 13. Meine Mutter war in der CDU, und ich gründete den Ortsverband der Schülerunion und später der Jungen Union.« Im Fernsehen habe er das ZDF-Magazin mit Gerhard Löwenthal gesehen und als 16-Jähriger Wahlkampf für Franz Josef Strauß gemacht.

1992 musste Wagner sein Studium der Sozialpädagogik abbrechen, um den mütterlichen Betrieb weiterzuführen. Ursprünglich als Altenheim geplant, waren es jetzt zwei Häuser, in denen psychisch kranke Erwachsene betreut wurden. »Meine Mutter war damals in eine Marktlücke gestoßen. Es gab bis dahin keine Wohnangebote für chronisch psychisch kranke Menschen, die nicht in geschlossene Kliniken gehörten.«

Politik ein fester Bestandteil im Leben Wagners

Die Neuen im Landtag

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Bis heute führt Markus Wagner eine GmbH mit 67 Wohnplätzen und 40 Mitarbeitern als geschäftsführender Gesellschafter. »Ich habe gelernt, dass so eine Krankheit jeden treffen kann. Wir haben sogar mal einen Mathematik-Professor aufgenommen. Für viele Patienten ist es schlimm, dass sie sich noch an ihr vorheriges Leben erinnern.« Es gelinge aber, pro Jahr bis zu fünf Prozent der Menschen in betreutes Wohnen zu entlassen.

In all’ den Jahren blieb Politik ein fester Bestandteil im Leben Wagners. »Mitte der 90er Jahre ging es los, dass sich die CDU immer weiter nach links bewegte. Das war nicht mehr meine Partei«, sagt er. Ein starker Staat und Innere Sicherheit seien ihm immer wichtig gewesen, und so habe er sich der Schill-Partei in Hamburg zugewandt. »Die stellte damals das dar, was heute die AfD ist.« Von 2004 bis 2006 war Wagner sogar Vorsitzender. »Ich konnte mich in Hamburg engagieren, weil meine Frau ebenfalls in unserem Unternehmen arbeitet und von daher zu Hause alles lief.«

Doch innere Zerwürfnisse und mangelnde Professionalität hätten die Schill-Partei schließlich zerbrechen lassen, sagt der 52-Jährige. »Ich habe damals aber viel gelernt. Du kannst nicht mit Leuten zusammenarbeiten, die glauben, die absolute Wahrheit zu kennen und keine andere Sicht zulassen. Man muss in einer Partei unterschiedliche Protagonisten zusammenhalten.«

Höcke-Aussage trage er nicht mit

Über den Protagonisten Björn Höcke sagt Wagner, dessen Aussage, Deutschlands Erinnerungskultur müsse sich um 180 Grad ändern, trage er nicht mit. Und zum Thema Flüchtlingspolitik, das lange das zentrale Thema der AfD war, sagt Wagner, er sei für Unterbringungszentren in Nordafrika, in denen Afrikaner ihre Asylanträge stellen könnten. »Dann hört die Flucht übers Mittelmeer auf.«

2005 adoptierte das Ehepaar Wagner in Haiti einen Jungen, der damals elf Monate alt war. Die Entscheidung für eine Auslandsadoption habe zwei Gründe gehabt, sagt der Unternehmer. »Zum einen besteht bei vielen Kindern, die in Deutschland zur Adoption freigegeben werden, die Möglichkeit, dass sie psychisch krank oder alkoholgeschädigt sind. Denn es hat ja einen Grund, warum das Jugendamt sie den Eltern weggenommen hat. Dagegen sind es im Ausland oft arme, elternlose Kinder, wie unser Sohn. Er lebte in einem Waisenhaus und wäre mit acht Jahren vor die Tür gesetzt worden. Ihm hätte ein Leben als Sklave gedroht.«

Heute ist der Sohn zwölf Jahre und genauso fußballbegeistert wie sein Vater, der in den 90ern die Fußballmannschaft des VfL Frotheim trainierte.

Themen Innere Sicherheit und Familienförderung

2013 trat Wagner in die AfD ein, 2014 wurde er Abgeordneter im Kreistag Minden-Lübbecke, und jetzt geht es in den Landtag. »Innere Sicherheit und Familienförderung werden meine Themen sein«, sagt der Politiker, der innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion werden möchte. »Wir leben in einem Bundesland, in dem sich die Regierung einen Kopf ums Kükenschreddern gemacht hat, aber nichts getan hat, um die Zahl der Abtreibungen zu senken und jungen Müttern mit großen psychischen Problemen zu helfen.«

Abtreibung sei kein Menschenrecht, sagt Wagner. »Es ist Aufgabe der AfD-Abgeordneten, den Finger in diese und andere Wunden zu legen.«

Kommentare

Herr Höcke hat weitestgehend recht!

Zitat: "Über den Protagonisten Björn Höcke sagt Wagner, dessen Aussage, Deutschlands Erinnerungskultur müsse sich um 180 Grad ändern, trage er nicht mit."

Herr Höcke ist Gymnasiallehrer für Geschichte, seinen Aussagen zur deutschen Geschichte und zur Gegenwart sind weitestgehend richtig. Er analysiert den Zeitgeist treffend.

Joachim Datko - Physiker, Philosoph

1 Kommentare

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