Hotel Wittekind bietet Gästen in Bad Oeynhausen bereits seit 1960 Solebäder an
Zwischen Nostalgie und Zukunftstrend

Bad Oeynhausen  (WB). Kaum hat Ingrid Kuben-Langmann den Hahn umgelegt, bahnt sich die Sole ungestüm ihren Weg. Es zischt und gurgelt aus der Leitung. Dann bilden sich Strudel und Schaum in der Edelstahlwanne. Derweil steigt der Pegel langsam an. Seit 1960 ist das so. Denn so lange bietet das Hotel Wittekind bereits Solebäder an.

Donnerstag, 10.05.2018, 11:00 Uhr
Während die Sole in eine der beiden Edelstahlwannen im Keller des Hotels Wittekind strömt, gurgelt und zischt es. Nicht nur der Geschmack bestätigt den Salzgehalt, sondern auch ein klebriges Gefühl, wenn man seine feuchten Finger aneinander reibt. Foto: Malte Samtenschnieder
Während die Sole in eine der beiden Edelstahlwannen im Keller des Hotels Wittekind strömt, gurgelt und zischt es. Nicht nur der Geschmack bestätigt den Salzgehalt, sondern auch ein klebriges Gefühl, wenn man seine feuchten Finger aneinander reibt. Foto: Malte Samtenschnieder

Die Ursprünge des Hotels vis-à-vis von Auferstehungskirche und Kurpark reichen bereits bis in das Jahr 1849 zurück. Im Jahr 1959 haben es Ingrid Kuben-Langmanns Eltern gekauft. »Damals gab es hier keine Duschen. Und im späteren Restaurant befand sich noch der Kartoffelkeller«, erinnert sich die heutige Hotelchefin. Die Idee, im Hotel Wittekind Solebäder anzubieten, habe ihr Vater relativ unbürokratisch mit dem damaligen Kurdirektor umgesetzt.

Zuleitung von Kurdirektor-Schmidt-Quelle

»Soweit ich weiß, ist unsere Zuleitung mit der Kurdirektor-Schmidt-Quelle verbunden«, sagt Ingrid Kuben-Langmann. Bisher sei die Verbindung sehr wartungsarm gewesen. »An größere Reparaturen kann ich mich nicht erinnern«, meint die Hotelchefin. Diese kämen für sie auch nicht in Frage. Deshalb hoffe sie, dass die Sole noch lange durch die alten Rohre fließe. Die Kosten für das salzhaltige Wasser seien gering. Ingrid Kuben-Langmann: »Ich bezahle dem Staatsbad nur die Sole, die ich tatsächlich auch abnehme.«

Ingrid Kuben-Langmann ist stolz, dass oft auch Prominente unter den Gästen sind.

Ingrid Kuben-Langmann ist stolz, dass oft auch Prominente unter den Gästen sind. Foto: Samtenschnieder

Wenn das salzhaltige Wasser in die beiden Edelstahlwannen im Keller des Hotels Wittekind strömt, ist es kalt. »Das macht aber nichts. Wenn jemand ein Bad nehmen möchte, heizen wir das Wasser mit Heizspiralen auf 34, 35 Grad auf«, sagt Ingrid Kuben-Langmann. Eine Badedauer von 20 bis 30 Minuten empfehle sie den meisten Gästen. Wenn jemand Probleme mit dem Herzen habe, rate sie ihm ab.

»Ich weiß aus Erfahrung, dass unsere Bäder vielen Menschen mit Knochenbeschwerden geholfen haben«, sagt die 66-Jährige. Auch in einigen Fällen von Schuppenflechte habe das salzhaltige Wasser Wunder gewirkt. Ingrid Kuben-Langmann: »Unsere Sole hat eine ähnliche Zusammensetzung wie das salzhaltige Wasser im Toten Meer.«

Urlaubsdauer fällt zunehmend kürzer aus

Bis in die 1980er Jahre hinein seien Solebäder sehr beliebt gewesen. »Von Kürzungen im Gesundheitswesen waren wir nicht so sehr betroffen, weil unsere Gäste die Bäder schon immer privat bezahlt haben«, sagt Ingrid Kuben-Langmann. Deutlich stärker habe sich ausgewirkt, dass die Urlaubsdauer immer kürzer ausfalle. Nur die wenigsten führen noch für zwei, drei Wochen am Stück an ein und denselben Ort.

»Seit Anfang 2018 verzeichnen wir eine größere Nachfrage nach Solebädern«, sagt die Hotelchefin. Viele Gäste würden durch Zufall auf das besondere Angebot aufmerksam. Und wer es einmal genutzt habe, komme oft wieder.

»Ich finde es schade, dass Sole viele Jahre lang in Bad Oeynhausen unter den Tisch gekehrt worden ist«, sagt Ingrid Kuben-Langmann auch im Hinblick auf die gegenwärtige Diskussion über ein neues Tourismuskonzept . Leider habe das Staatsbad bei seinem Marketing in den vergangenen Jahren vorwiegend auf Events gesetzt. Dadurch fließe aber nicht merklich Geld in die Kurstadt.

Erneute Besinnung auf Thema »Sole«

Das Hotel Wittekind verfügt über 22 Zimmer. Die Gäste werden von Ingrid Kuben-Langmann und ihren zehn Mitarbeitern betreut.

Das Hotel Wittekind verfügt über 22 Zimmer. Die Gäste werden von Ingrid Kuben-Langmann und ihren zehn Mitarbeitern betreut. Foto: Samtenschnieder

»Ich finde es richtig, wenn wir uns auf das Thema ›Sole‹ besinnen«, sagt die Hotelchefin. Ein Solegarten sei beispielsweise aber nicht der richtige Weg. »Dort können sich die Jugendlichen hinsetzen, um ein Bier zu trinken. Und die Klinikgäste können sich das anschauen. Das ist aber alles.«

Sollte das Staatsbad die Idee verfolgen, vermehrt selbst wieder Wannenbäder anzubieten, würde Ingrid Kuben-Langmann das nicht als Konkurrenz empfinden. Im Gegenteil. »Wer ein Wannenbad beim Staatsbad nutzen will, muss auch irgendwo wohnen«, betont die Geschäftsfrau. Auch die Reaktivierung eines weiteren Staatsbad-Angebotes könnte sich die 66-Jährige vorstellen: »Ich weiß, dass Behandlungen mit Fango aus der Eifel, das mit unserer Sole vermischt war, sehr beliebt waren.«

Vor einem neu erstarkten Hotel Königshof hat die Hotelchefin keine Angst. »Ich bewundere den Investor für seinen Mut. Mit seinem Hotel hat er aber eine ganz andere Zielgruppe im Blick als ich.«

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