»Bio-Provinz«: Dimitrij Nikulicev und Orhan Pro eröffnen Ende Mai Unverpackt-Laden
Zahnpasta gibt es auch am Stiel

Bad Oeynhausen (WB). Als Orhan Bro und Dimitrij Nikulicev Bilder der von Plastik überschwemmten Meere sahen, merkten sie, dass etwas falsch läuft. Kurzerhand kam den Freunden die Idee eines eigenen Unverpackt-Ladens, der komplett auf Verpackung und damit den daraus resultierendem Müll verzichtet. Ende Mai eröffnen sie ihr Geschäft »Bio-Provinz«, Herforder Straße 28.

Montag, 14.05.2018, 06:55 Uhr aktualisiert: 14.05.2018, 07:00 Uhr
Ende Mai möchten Orhan Bro (links) und Dimitrij Nikulicev an der Herforder Straße 28 ihren Unverpackt-Laden »Bio-Provinz« eröffnen. Neben dem Verzicht auf Verpackung ist den Inhabern besonders auch die Kooperation mit Erzeugern aus der Region wichtig. Foto: Lydia Böhne
Ende Mai möchten Orhan Bro (links) und Dimitrij Nikulicev an der Herforder Straße 28 ihren Unverpackt-Laden »Bio-Provinz« eröffnen. Neben dem Verzicht auf Verpackung ist den Inhabern besonders auch die Kooperation mit Erzeugern aus der Region wichtig. Foto: Lydia Böhne

»Gesunde Produkte von Zulieferern aus der Region«

»Wir sind überzeugt, dass das Geschäft besonders nach Bad Oeynhausen passt, denn in einer Kurstadt achten die Leute besonders auf Gesundheit und darauf, woher ihre Nahrung kommt«, ist sich Orhan Bro sicher. Denn neben dem Verzicht auf Verpackung seien »gesunde Produkte von Zulieferern aus der Region« eine weitere Säule des Ladenkonzepts.

Vor etwa einem halben Jahr haben sich die Mindener Orhan Bro und Dimitrij Nikulicev intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt.

Studium vorerst auf Eis gelegt

Erfahrungen mit Lebensmitteln aus biologischem Anbau hat Dimitrij Nikulicev durch seine berufliche Tätigkeit als Einzelhandelskaufmann in einem Bio-Laden gesammelt. Auch Orhan Bro, der für die Selbstständigkeit sein Studium im Wirtschaftsingenieurwesen auf Eis gelegt hat, achtet auf eine gesunde Ernährung. »Uns fiel auf, wie schwer es ist, gesund, aber ohne Verpackung einzukaufen«, ergänzt der 25-Jährige. »Der Müll einer Tüte Chips, die in fünf Minuten verzehrt ist, besteht bis zu 500 Jahre«, weiß Dimitrij Nikulicev. Vor allem Einwegprodukte führten dazu, dass der Mensch etwa 617 Kilogramm Müll pro Jahr verursache. »Am Ende landet alles im Meer«, fügt Orhan Bro hinzu.

Tafel im Schaufenster erläutert Ablauf

Die Freunde entschieden sich, einen Laden zu eröffnen, der Alternativen bietet und zugleich ein neues Bewusstsein schafft. »Wir haben uns die nächsten Unverpackt-Läden in Hannover und Osnabrück angesehen und uns bei der Planung mit den Betreibern ausgetauscht«, berichtet Dimitrij Nikulicev. Eine Tafel im Schaufenster erläutert, wie das Einkaufen im Unverpackt-Laden funktioniert. »Man kann entweder Gefäße für Müsli oder Cerealien selbst mitbringen oder sie bei uns erwerben«, erläutert Orhan Bro. Bevor es losgeht, wird das Leergewicht ermittelt. Anschließend können die Behälter mit Produkten aus den Warenspendern in der benötigten Menge befüllt werden. »So vermeiden wir, dass überschüssige Lebensmittel am Ende weggeschmissen werden«, ergänzt Bro. Ein Vorwahlfach erfüllt die notwendigen hygienerechtlichen Bestimmungen. An der Kasse wird erneut gewogen und die Ware bezahlt.

Sortiment mit 300 Produkten

Zum Sortiment, das mehr als 300 Produkte umfasst, gehören zum Beispiel Bier, Honig, Seifen, Zahnbürsten aus Bambus, Müsli, Getränke in Glasflaschen, Nudeln, Reis, Gewürze, Joghurt, Milch, Brot oder Obst und Gemüse. »Zahnpasta gibt es zum Beispiel am Stiel oder in Tablettenform«, ergänzt Dimitrij Nikulicev. »Wir haben auch Deocreme oder Rohstoffe, aus denen man sein Deo selbst herstellen kann«, fügt der 24-Jährige hinzu. Auch die Einrichtung, wie zum Beispiel Deckenlampen oder Sitzgelegenheiten haben die Betreiber aus gebrauchten Europaletten selbst gemacht. »Das Einkaufserlebnis bei uns findet in einer viel entspannteren Atmosphäre statt. Es gibt eine Spielecke für Kinder und wir bieten Kaffee und Kuchen an«, sagt Orhan Bro. Von ihren Kunden erwarten die Inhaber keine Lebensumstellung. »Aber wenn jeder einen kleinen Teil beiträgt, können wir schon viel erreichen«, sind sich die Freunde sicher.

Öffnungszeiten orientieren sich an den Kunden

Der Unverpackt-Laden soll montags bis samstags von 8 bis 20 Uhr geöffnet sein. »Wir werden die Öffnungszeiten aber an den Wünschen unserer Kunden orientieren«, erläutert Orhan Bro.

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