»Im Rahmen des Betrachters«: Theaterjugendclub »Sockit« zeigt facettenreiches Stück
Die hässlichen Seiten der Schönheit

Bad Oeynhausen (WB). Mit seinem neuen Stück »Im Rahmen des Betrachters« ist dem Theaterjugendclub »Sockit« ein facettenreiches Kollektiv zum nie ausklingenden Thema Schönheit gelungen. Die Begeisterung über die feinfühlige Beleuchtung des Themas aus unterschiedlichen Blickwinkeln bekundeten die Besucher im Theater im Park mit donnerndem Schlussapplaus.

Dienstag, 19.06.2018, 18:47 Uhr aktualisiert: 19.06.2018, 18:50 Uhr
Vom Druck, der auf einem Leistungssportler während eines wichtigen Spieles lastet, erzählt Morina Müller, während im Hintergrund die Fans ihren Emotionen in Folge guter oder auch schlechter Spielzüge freien Lauf lassen. Foto: Lydia Böhne
Vom Druck, der auf einem Leistungssportler während eines wichtigen Spieles lastet, erzählt Morina Müller, während im Hintergrund die Fans ihren Emotionen in Folge guter oder auch schlechter Spielzüge freien Lauf lassen. Foto: Lydia Böhne

Pantomimische Komik

Der Abend startet mit einer Szene beim Schneider, der an seiner Kundin Maß nimmt. Doch statt zu warten, bis der Schneider den Taillenumfang an seinem Maßband abgelesen hat, dreht die Kundin mit der roten Clownnase (gespielt von Sophia Bekemeier) sich immer wieder kokett im Kreis. Eine pantomimische Komik, die den Besuchern ein erstes Lachen entlockt. Wenige Minuten später bleibt vielen dieses jedoch jäh im Halse stecken. Das Licht wird grell, die Atmosphäre düster. Es wirkt beklemmend, als sich einige Schauspieler nur mit hautfarbener Unterwäsche bekleidet regungslos und mit ausdruckslosen Minen wie Schaufensterpuppen auf der Bühne formieren. Zwei weitere Jugendliche werden auf Sackkarren und in Luftpolsterfolie gewickelt hereingefahren und von zwei Mitarbeitern in Latzhose begutachtet. Eine Gänsehaut jagt dieser Anblick zu den folgenden Sätzen aus dem Off ein: »Lehrer bevorzugen schöne Kinder. Schöne Menschen machen eher Karriere als hässliche. Wie vertrauen eher schönen Menschen als hässlichen.«

Spiegel in zentraler Rolle

Getrieben von diesen Phrasen beginnen die Mannequins schließlich, sich herauszuputzen und in Kleidung zu hüllen. Schonungslos decken die Mitglieder des Theaterjugendclubs mit ihrer Eigenproduktion auch die hässlichen Schattenseiten der Schönheit auf. Essentiell im Zusammenhang mit diesem Thema sind natürlich Spiegel. Mit bunten Holzrahmen in unterschiedlichen Größen finden sie sich in nahezu jeder Szene wieder. Mal sind sie der Multiplikator der Selbstzweifel, mal sind sie das Tor zur Freiheit, mal offenbaren sie, was lieber verdeckt geblieben wäre.

»Was ist denn ein Schönheitsideal, gibt's das überhaupt?«

Ob Schönheitsindustrie, gesellschaftlicher Druck oder Schönheitsideale – zu jedem Aspekt haben die 15 jungen Erwachsenen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren unter der Leitung von Theaterpädagoge Daniel Scholz sich eine kleine Geschichte ausgedacht. Vielen Besuchern bekannt vorkommen dürfte auch folgende Situation: Eine junge Frau (gespielt von Jana Heidemann) steht am Morgen vor dem Spiegel im Bad und begutachtet ihr Gesicht im Spiegel. »Was ist denn ein Schönheitsideal, gibt's das überhaupt?«, fragt sie ihren Mann, der desinteressiert auf der Toilette sitzt. »Prinzessinnen im Märchen sind immer nur schön. Ob die was in der Birne haben, interessiert keinen«, fährt die Frau fort. Plötzlich schaut ihr Mann sie an und sagt: »Für mich ist schön, was mit Liebe betrachtet wird«, und gibt ihr einen dicken Kuss.

Mitreißendes Plädoyer für die Menschlichkeit

Immer wieder begegnet den Protagonisten der Szenen und dem Publikum dabei der Clown, der stets ein wenig gegen den Strom schwimmt und mit seiner positiven Energie auch depressiv anmutenden Intervallen des Stückes Leichtigkeit verleiht. Eine niedliche Schlüsselrolle, die zuletzt die Szenen-Collage zum poetischen Gesamtbild zusammensetzt. Mit einem mitreißenden Plädoyer für die Menschlichkeit, Selbstliebe und Toleranz appelliert der Clown zuletzt nicht nur an die umstehenden Personen auf der Bühne, auch das Publikum wird direkt angesprochen.

Tiefgründige Botschaft

»Im Rahmen des Betrachters« – ein eigenwilliges Stück mit tiefgründigen Botschaften, die nicht immer im ersten Moment erkennbar sind und dem Publikum Raum zur eigenen Interpretation und zur Beantwortung der Frage »Was ist schön?« lassen. Zu sehen ist das Stück des Theaterjugendclubs an zwei weiteren Terminen: Montag, 25. Juni, 19.30 Uhr, im Begegnungszentrum Druckerei in Bad Oeynhausen und am Montag, 9. Juli, 20 Uhr, im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Bad Oeynhausen. Eintritt wird nicht erhoben. Es gibt eine Hutsammlung. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.sockit-badoeynhausen.wixsite.com

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5834809?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
Flughafen Paderborn-Lippstadt steht vor der Insolvenz
Der Flughafen Paderborn-Lippstadt in Büren-Ahden im Kreis Paderborn. Foto: Jörn Hannemann
Nachrichten-Ticker