Fr., 14.09.2018

Podiumsdiskussion über Nachwuchsgewinnung im Herz- und Diabeteszentrum NRW »Hausarzt-Beruf ist besser als sein Ruf«

»Nachwuchsgewinnung, aber wie?« Über diese Frage haben auf Einladung des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe am Mittwochabend im Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW diskutiert (von links): Dr. Theodor Windhorst (Präsident Ärztekammer Westfalen-Lippe), Anke Richter-Scheer (erste Vorsitzende Hausärzteverband Westfalen-Lippe), Michael Rausch (Leiter des Zentrums für Familienmedizin am Holzmarkt Recklinghausen), Dr. Marie-Luise Kluger (Ärztlicher Dienst, Kreis Herford, Amtsleitung), Prof. Dr. Diethelm Tschöpe (Direktor Diabeteszentrum, HDZ NRW) und Daniela Thamm (Pressereferentin, Hausärzteverband Westfalen-Lippe).

»Nachwuchsgewinnung, aber wie?« Über diese Frage haben auf Einladung des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe am Mittwochabend im Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW diskutiert (von links): Dr. Theodor Windhorst (Präsident Ärztekammer Westfalen-Lippe), Anke Richter-Scheer (erste Vorsitzende Hausärzteverband Westfalen-Lippe), Michael Rausch (Leiter des Zentrums für Familienmedizin am Holzmarkt Recklinghausen), Dr. Marie-Luise Kluger (Ärztlicher Dienst, Kreis Herford, Amtsleitung), Prof. Dr. Diethelm Tschöpe (Direktor Diabeteszentrum, HDZ NRW) und Daniela Thamm (Pressereferentin, Hausärzteverband Westfalen-Lippe). Foto: Malte Samtenschnieder

Von Malte Samtenschnieder

Bad Oeynhausen  (WB). Mit der Frage, wie es gelingen kann, ausreichend Hausärzte für die flächendeckende medizinische Versorgung von morgen zu gewinnen, haben sich am Mittwoch die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion im Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW befasst. Dazu hatte der Hausärzteverband Westfalen-Lippe eingeladen.

»Viele erkennen erst die Tragweite dieses Themas, wenn die Praxis ihres eigenen Hausarztes – mangels Nachfolger – von der Schließung bedroht ist«, sagte Moderatorin Daniela Thamm in ihrer Einführung. Zwar nehme die Ausbildung von Hausärzten seit einiger Zeit wieder an Fahrt auf. »Derzeit scheiden aber doppelt so viele Hausärzte aus wie nachrücken«, betonte Daniela Thamm vor etwa 40 Diskussionsteilnehmern im Hörsaal des HDZ NRW.

Mangel nicht sofort behebbar

»Wir müssen Geduld haben. Wir können den Mangel an Hausärzten nicht sofort beheben«, sagte Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Fachärzte für Allgemeinmedizin seien als Basisversorger eine wichtige Anlaufstelle für die Patienten. Diese Bedeutung werde Medizinstudenten während ihrer Ausbildung aber nicht entsprechend vermittelt.

Das Werben um Hausärzte müsse sogar noch früher ansetzen. Von der geplanten Landarztquote von 7,6 Prozent der Studienplätze im Fach Medizin halte er wenig. »Ich würde stattdessen ein Auswahlverfahren bevorzugen, dass Kandidaten den Vorzug gibt, die ihr Interesse an Hausarztsitzen bekunden, die sonst möglicherweise auf lange Sicht nicht mehr besetzt sind.«

Chance für neue Kooperationen

Angesprochen auf die möglichen Auswirkungen der geplanten medizinischen Fakultät an der Universität Bielefeld auf die Medizinerausbildung am HDZ NRW, reagierte Prof. Dr. Diethelm Tschöpe, Direktor des Diabeteszen­trums, gelassen. Er werde die weiteren Entwicklungen hochinteressiert beobachten. Gefahren für das in den vergangenen Jahren an der Uni-Klinik der Ruhruniversität Bochum erfolgreich etablierte Campus-Modell sehe er nicht. Im Gegenteil.

»Ich gehe davon aus, dass eine verstärkte Medizinerausbildung – künftig dann auch in Bielefeld – die Region weiterhin positiv verändern wird«, sagte Diethelm Tschöpe. Zudem sehe er die Chance für weitere Kooperationen. Die Voraussetzung sei aber, dass die neue Medizin-Fakultät in Bielefeld so ausgerüstet werde, dass sie im Wettstreit der Universitäten mithalten kann.

Hoffnung auf Masterplan 2020

Große Hoffnung zur Gewinnung neuer Hausärzte setzt Anke Richter-Scheer, erste Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, in den Masterplan Medizinstudium 2020. Dieser sehe im letzten Jahr der Ausbildung einen festen Zeitraum bei einem niedergelassenen Hausarzt vor. Das sei wichtig, weil sich die Arbeit in einer Arztpraxis deutlich von der Arbeit in der Klinik unterscheide.

»Wir haben nicht sofort alle möglichen Hilfsmittel zur Verfügung und müssen immer wieder individuelle Lösungen für einzelne Patienten entwickeln«, sagte die Hausärztin aus Volmerdingsen. Gleichzeitig rief sie ihre Kollegen zu einem Umdenken auf: »Wir dürfen unseren Beruf nicht weiter schlecht reden.« Etwa in puncto Work-Life-Balance oder auch bei der Vergütung sei das Hausarzt-Dasein besser als sein Ruf.

Bessere Vernetzung als Ziel

Ähnlich äußerte sich Dr. Marie-Luise Kluger vom Ärztlichen Dienst im Kreis Herford. Sie forderte dazu auf, weitere Anreize für Medizinstudenten zu schaffen, sich für eine Karriere als Hausarzt zu entscheiden. Dabei spielten nicht nur finanzielle Aspekte eine Rolle. Auch eine bessere Vernetzung von Hausarztpraxen, in denen Studenten Teile ihrer Ausbildung absolvieren, sei wünschenswert. So könnten potenziell in Frage kommende Kandidaten beispielsweise gezielt auf frei werdende Hausarztstellen aufmerksam gemacht werden.

»Die jungen Leute sind bereit, sich für ihren Beruf richtig ins Zeug zu legen. Genau so wichtig ist es ihnen aber, ihren Job mit dem Familienleben oder ihren Hobbys unter einen Hut zu bekommen«, sagte Michael Rausch vom Zentrum für Familienmedizin am Holzmarkt in Recklinghausen. Nur durch eine gute Lehre in den Hausarztpraxen sei es möglich, Medizinstudenten für die Arbeit genau dort zu gewinnen. Dazu müssten allerdings auch die Ausbilder entsprechend qualifiziert werden.

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