Do., 25.10.2018

Gegner der Nordumgehung kämpfen trotz Freigabetermins weiter für ihre Interessen Sie lassen sich nicht ausbremsen

Zu Besuch in der Redaktion an der Klosterstraße: Klaus Rasche (links) und Reiner Barg lesen interessiert die WESTFALEN-BLATT-Ausgabe von Dienstag, 23. Oktober, in der exklusiv über den Termin der Freigabe der A30-Nordumgehung berichtet wird.

Zu Besuch in der Redaktion an der Klosterstraße: Klaus Rasche (links) und Reiner Barg lesen interessiert die WESTFALEN-BLATT-Ausgabe von Dienstag, 23. Oktober, in der exklusiv über den Termin der Freigabe der A30-Nordumgehung berichtet wird. Foto: Philipp Bülter

Von Philipp Bülter

Bad Oeynhausen (WB). Ganz klar, Momente tiefer Resignation hätten sie beide erlebt, geben Reiner Barg (60) und Klaus Rasche (59) freimütig zu. Gleichwohl sei die Arbeit der Notgemeinschaft Bad Oeynhausen/Löhne, die sich gegen den Bau der A30-Nordumgehung einsetzte, nicht umsonst gewesen. Ihr Engagement sei auch heute noch notwendig.

In Hochzeiten hatten sich etwa 2500 Menschen in der heimischen Bürgerbewegung engagiert. Bei den regelmäßigen Montagsdemonstrationen der Notgemeinschaft Bad Oeynhausen/Löhne gegen den Bau der Nordumgehung waren bis zu 200 Personen mit dabei. Klaus Rasche und Reiner Barg haben zur Kenntnis genommen, das – wie diese Zeitung exklusiv berichtete – die Freigabe nun am 6. Dezember erfolgt. Freude löst diese Nachricht bei den beiden gebürtigen Werstern nicht aus. »Ich werde mich an irgendwelchen Feiern nicht beteiligen«, sagt Klaus Rasche.

»Nordzerschneidung«

Im aktuellen Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT erinnern sich Barg und Rasche, zwei Hauptprotagonisten der damaligen Bürgerbewegung, an die Auseinandersetzungen mit Stadtverwaltung, Politik und Landesbetrieb Straßen NRW zurück. Wenn die Gegner der Nordumgehung früher über das Multimillionenprojekt sprachen, wählten sie oft den Begriff »Nordzerschneidung«.

Beide wohnen heute jeweils im Umkreis von etwa einem Kilometer von der neuen Trasse. »Die Auswirkungen, die die Nordumgehung haben wird, wurden damals bereits in einer Umweltverträglichkeitsstudie deutlich. Diese Trasse hätte eigentlich gar nicht gebaut werden dürfen. Letztlich zählte das Argument, die Mindener Straße/Kanalstraße zu entlasten, jedoch mehr«, sagt Barg.

Kritikpunkte

Ob es zu dieser gewünschten Entlastung wirklich komme, sehe er skeptisch, ergänzt der heutige Fraktionschef des politischen Vereins Bürger für Bad Oeynhausen (BBO), der aus der Notgemeinschaft hervorging. »Die Pläne, unter anderem dort einen Radweg zu bauen, klingen schön, aber immerhin ist die Mindener Straße/Kanalstraße die zentrale Fahrschiene der Stadt«, sagt Barg.

Auch für Klaus Rasche überwiegen in der Diskussion über Sinn und Zweck dieses Großbaus die Nachteile, die die Nordumgehung aus seiner Sicht mit sich bringt. »Die Trasse ist jetzt da, aber die Landschaftszerstörung ebenfalls. Außerdem wird der Lärm eine Hauptbelastung, vor allem für die Anwohner«, sagt Rasche. Die neue Trasse verlaufe teilweise durch Wohngebiete, die indes als Gewerbegebiete gelten, betont Reiner Barg. Ferner gebe es Geländeschnitte, »und hier hätte mindestens eine Grünbrücke für das Wild gebaut werden müssen. Dass das nicht passiert ist, ist eine Unverantwortlichkeit seitens der Stadt«, ärgert sich Barg.

Seinen Mitstreiter Klaus Rasche stört, dass an vielen Stellen längs der etwa 9,5 Kilometer langen Strecke der Nordumgehung »absolut nichts angepflanzt ist«. Dieser karge Anblick könne nicht im Interesse der Stadt sein, meint Rasche: »Ich weiß nicht, ob da noch etwas passiert, obwohl ich das im Ausschuss für Stadtentwicklung immer mal wieder nachfrage.« Dass der ehemalige Bürgermeister Klaus Mueller-Zahlmann im Bezug auf den offenporigen »Flüsterasphalt« OPA nicht ausgehandelt habe, dass dieser bei künftigen Schäden auf der neuen Strecke eins zu eins ausgewechselt werde, sei ein Fehler gewesen.

Projekt geplant

So sehen Klaus Rasche und Reiner Barg weiter Handlungsbedarf, sich trotz der Freigabe der Nordumgehung heute in sechs Wochen für Belange der Gegenseite einzusetzen. Beide beschäftigen sich seit mehreren Jahrzehnten intensiv mit der Entwicklung des Projektes Nordumgehung. Nach der Niederlage vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im Jahr 2008, als die Klage der Gegner um Rasche gegen den Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung für die Nordumgehung abgeschmettert worden war, habe hingegen großer Frust geherrscht.

Die Notgemeinschaft hatte stets eine Tunnel-/Troglösung im Bereich der bestehenden Mindener Straße/Kanalstraße befürwortet. »Das wäre ein Quantensprung für diese Stadt gewesen. Die Entwicklung betrübt mich, denn hier wurde eine Riesenchance für Bad Oeynhausen vertan«, sagt Barg. Die Debatte sei von Seiten der Notgemeinschaft stets »auf einem hohen Niveau geführt worden«, betont der BBO-Politiker.

Über die Jahre seien Kosten im sechsstelligen Bereich aufgelaufen, die größtenteils durch Spenden aufgefangen worden seien, sagt Rasche. Gemeinsam mit Reiner Barg und weiteren Gegnern will er die Geschichte des Baus der Nordumgehung nun aufbereiten und vorstellen. Barg: »Vielleicht geschieht das in Form eines Buches. Das haben all die Leute verdient, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt haben.«

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