Di., 11.12.2018

A30: Warum viele Pendler plötzlich in einem Gohfelder Gewerbegebiet landen Autobahnfahrt endet in der Sackgasse

Der Schein trügt. Auf diesem blauen Verkehrsschild ist die Fahrtrichtung Osnabrück, die aktuell gesperrt ist, nicht durchgestrichen. Daher nehmen viele Autofahrer derzeit nicht die ausgeschilderte Umleitung, sondern landen über die Umgehungsstraße im Gohfelder Gewerbegebiet Scheidkamp.

Der Schein trügt. Auf diesem blauen Verkehrsschild ist die Fahrtrichtung Osnabrück, die aktuell gesperrt ist, nicht durchgestrichen. Daher nehmen viele Autofahrer derzeit nicht die ausgeschilderte Umleitung, sondern landen über die Umgehungsstraße im Gohfelder Gewerbegebiet Scheidkamp. Foto: Florian Weyand

Bad Oeynhausen/Löhne (WB). Wer die Umleitung auf der B61 verpasst, landet einige Minuten später in einer Sackgasse. So geht es seit der Eröffnung der Nordumgehung vielen Autofahrern, die von Bad Oeynhausen aus in Richtung Osnabrück über die bisherige A30 unterwegs sind. WESTFALEN-BLATT-Redakteur Florian Weyand hat sich hinter das Steuer gesetzt und ist die Strecke abgefahren.

Nur auf der neuen Nordumgehung kommt man seit Sonntag im Eiltempo in Richtung Niedersachsen voran. Wer aus der Bad Oeynhausener Innenstadt kommt, muss Geduld mitbringen – oder sollte auf die Beschilderung achten. Die hat jedoch ihre Tücken, wie ein Autofahrer aus Minden erzählt. »Es stehen zwei kleine weiße Warnschilder am Rand, die dazu noch von Büschen verdeckt werden«, ärgert sich der Mann.

Er fährt die Strecke regelmäßig, hat die Umleitung vielleicht gerade deshalb verpasst. Die Macht der Gewohnheit. Die Umleitung Nummer sechs führt ab der Ausfahrt Gohfeld über Mennighüffen zur nächsten A30-Auffahrt. Wer diesen Hinweis übersieht, macht eine Rundtour durch das Gohfelder Gewerbegebiet. Diese Zufahrt ist weiter offen, um den Lieferverkehr in das Industriegebiet aufrecht zu erhalten. Gerade das sorgt aber besonders bei Ortsfremden offenbar für Irritationen.

Kuriose Szenen

Ein Leser berichtet dem WESTFALEN-BLATT bereits am Sonntagabend von kuriosen Szenen. »Ich habe Autofahrer gesehen, die auf dem Autobahnstück gedreht oder einfach Warnbaken zur Seite geräumt haben«, erzählt der Mann. Er habe darüber auch die Polizei informiert. »Die Beamten sagten mir aber, dass dafür die Straßenmeisterei zuständig ist.«

Das macht mich neugierig. Ich, der WB-Reporter, steige selbst ins Auto, fahre aus der Innenstadt in Richtung Osnabrück. Nach der Abfahrt Gohfeld verläuft die ­Strecke einspurig. Auf einem blauen Verkehrsschild ist nur eine Spur in Fahrtrichtung Osnabrück durchgestrichen, die zweite Spur anscheinend frei. Das Schilder-Chaos ist perfekt!

Geht es etwa doch weiter in Richtung Niedersachsen? Die Strecke macht jetzt eine lange Kurve, die Straße führt weg von der A30 – in Richtung Gewerbegebiet. Die Autos vor mir werden langsamer. Unsicherheit macht sich breit. Ein Fahrer hält rechts an, greift zum Smartphone.

Einige wenden

Ins Industriegebiet will die Mehrheit der Verkehrsteilnehmer nicht. Der Fahrer eines Lkw ohne Anhänger nutzt eine Phase mit wenig Gegenverkehr und wendet. Zwei Autos folgen ihm mit einem riskanten Manöver. Das kann auch schiefgehen. Für mich geht der Weg geradeaus weiter – immer den Schildern folgend.

Weil die Sudbachtalbrücke neu gebaut wird, ist auch der Weg in Richtung Herford versperrt. Das heißt: Ich fahre weiter ins Industriegebiet, wo die Firma Hermes Fulfilment eines der größten Logistikzentren der Region betreibt.

Dass der Verkehr dort zunehmen wird, davor haben Anwohner früher schon gewarnt. Dass anstatt Lkw nun hunderte Autos eine Schleife zwischen den Firmen drehen, damit hat aber wohl niemand gerechnet.

Schleppend voran

An einigen Stellen ist Tempo 30 vorgeschrieben. Ob das jetzt nötig ist? Aufgrund der vielen Fahrzeuge ist an ein hohes Tempo nicht zu denken. Es geht nur schleppend voran. Ein grüner Lkw aus Polen nutzt einen kleinen Fabrikparkplatz und setzt auch zu einem Wendemanöver an. Dann hält der Fahrer an, greift aufgeregt zum Telefon. »Mein GPS-System hat mir diesen Weg gezeigt«, berichtet er im gebrochenen Englisch. Nun muss er seinen Chef anrufen, beichten, dass die Lieferung beim Kunden später eintrifft. So dürfte es vielen Truckern gehen, die auf der falschen Spur unterwegs sind.

Ich fahre weiter – bis es nicht mehr weiter geht. Doch wo ist das Ende? Die Wende folgt auf dem Hermes-Gelände. Gemeinsam mit drei weiteren Autos drehe ich um. Auch ein Taxi ist dabei. Diese Fahrt dürfte teuer werden. Es geht zurück auf die A30, im Gegenverkehr verirrte Pendler. Sie wollen auf das letzte Stück der Nordumgehung – diese wird für sie eher zur »Nordumdrehung«.

Kommentare

Es führt ein Weg nach nirgendwo

Das hat mich gestern abend auch högscht irritiert...

Das totale chaos

Genauso bin ich da heute auch rumgegurkt. Hatte eine Stunde verspätung beim Kunden. Typisch für Strassen NRW.

Super, danke an den Redakteur. Bitte das Video an Straßen NRW schicken.

3 Kommentare

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