Do., 10.01.2019

US-Konzern wählt Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen als Einsatzort für neues Gerät aus HDZ-Labor ist weltweit als Erstes am Zug

Prof. Dr. Cornelius Knabbe (rechts), Leiter des HDZ-Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin, und Dr. Dennis Hinse, Bereichsleiter der  Labor-EDV im Institut, haben das neue Analysegerät zur Diagnostik von Blut und Plasma erstmals in Betrieb genommen.    

Prof. Dr. Cornelius Knabbe (rechts), Leiter des HDZ-Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin, und Dr. Dennis Hinse, Bereichsleiter der  Labor-EDV im Institut, haben das neue Analysegerät zur Diagnostik von Blut und Plasma erstmals in Betrieb genommen.    

Von Rajkumar Mukherjee

Bad Oeynhausen (WB). Eine weltweite Vorreiterrolle nimmt das Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW mit einem neuen Gerät zur Diagnostik von Blut und Plasma ein. Seit Mittwoch ist es in das voll automatisierte 24-Stunden-Laborsystem eingebunden. Die Installation ist Folge der kontinuierlich gestiegenen Zahl von Spendern und des wachsenden Bedarfs an Präparaten.

Bei dem Gerät handelt es sich um einen Prototyp des US-Herstellers Abbott. Der Konzern habe sich bewusst für das HDZ NRW als weltweit ersten Standort entschieden. »Weil wir die Ressourcen haben, die für eine erfolgreiche Installation wichtig sind. Somit hat das ganze Vorbildcharakter für andere Zen­tren weltweit. Das macht uns sehr stolz«, sagt Prof. Dr. Cornelius Knabbe (60). Seit Oktober 2010 ist er Leiter des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin am HDZ NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum.

Experten-Team ist vor Weihnachten zusammengekommen

In Reagenzgläsern, wie sie Alexander Gossen, medizinisch-technischer Assistent, vorzeigt, durchlaufen die Präparate die Anlage. Foto: Rajkumar Mukherjee

Das Gerät steht in einem Großlabor und ist Teil des universitären Blutspendedienstes des Instituts. Aufgabe ist die Herstellung von Blutprodukten für Operationen, für Krankheiten mit Blutbedarf und als Rohstoff für lebenswichtige Medikamente. 2016 war die 30 Meter lange Anlage in einem Neubau in Betrieb genommen worden. Hier sind seitdem alle Analysebereiche der HDZ-Laboratoriums- und Transfusionsmedizin einschließlich des Blutspendedienstes gebündelt. Mehrere Millionen Euro hatte der Bau gekostet. Das neue Gerät hat den Wert eines Sportwagens, sagt Cornelius Knabbe: »Wir sprechen von einem sechsstelligen Betrag.«

Vor Weihnachten war ein internationales Team von Experten im HDZ NRW zusammengekommen, um das neue Gerät in das Laborsystem einzugliedern. »Dabei waren Experten aus den USA, aus Frankreich, Italien, der Schweiz, Schottland und Kroatien. 18 Leute, vom Mechaniker bis hin zum Datenbank-Spezialisten, haben die Implementierung vorgenommen«, sagt Dr. Dennis Hinse (36). Der Diplom-Biologe ist Bereichsleiter der Labor-EDV im Institut.

Das Gerät mit dem Namen »Alinity S« prüft beim sogenannten Screening Blut und Plasma, das in Reagenzgläsern über ein modernes Fördersystem zugeführt wird. Nach Herstellerangaben sind bis zu 600 Tests pro Stunde möglich. »Der Vorteil für uns ist, dass das neue Gerät dreimal schneller ist als der Vorgänger«, sagt Cornelius Knabbe. Bei den Tests, die hauptsächlich nachts durchgeführt werden, geht es beispielsweise darum zu prüfen, ob sich in den Präparaten Hepatitis C oder der HI-Virus nachweisen lässt – und sie somit nicht verwendet werden dürfen.

Anlage muss sehr hohen Qualitätsansprüchen genügen

Und es geht um Schnelligkeit – mit größtmöglicher Präzision. »Es darf dabei keine Fehler geben, von der ersten Sekunde an«, sagt Cornelius Knabbe. Schließlich seien die Produkte letztlich Arzneimittel. Dementsprechend müsse die Anlage sehr hohen Qualitätsansprüchen genügen und werde auch regelmäßig von externen Stellen überprüft. Mit einer großen Zahl von Datensätzen arbeitet das Laborsystem täglich. Die Anlage ist redundant aufgebaut: Bei Ausfall eines Primärsystems springt das nächste ein.

Am Bildschirm einer Station überprüft Constanze Gebhard, eine der insgesamt 150 Mitarbeiter im Labor, den Diagnoseablauf. Foto: Rajkumar Mukherjee

Das Labor trägt als Baustein dazu bei, dass die Versorgung mit Blut und Plasma sichergestellt wird, sagt Cornelius Knabbe. Die sechs Zentren, in denen Bürger spenden können, sind im HDZ NRW, im Lukas-Krankenhaus Bünde, im Klinikum Herford, in Minden sowie in Bielefeld in der Universität und am Jahnplatz. Die aufbereiteten und geprüften Präparate werden dann im HDZ NRW, an den Standorten der Mühlenkreiskliniken im Krankenhaus und in der Auguste-Viktoria-Klinik in Bad Oeynhausen, in Minden und Lübbecke/Rahden sowie am Lukas-Krankenhaus Bünde, im Klinikum Herford, in Bielefeld an der Städtischen Klinik und in Gilead, im Klinikum Gütersloh sowie in vier Praxen verwendet.

Die Eingliederung des neuen Geräts trägt auch dem Umstand Rechnung, dass das Spendenaufkommen gestiegen sei. Demnach seien insgesamt 200.000 Spender registriert. Bis zu 350.000 Präparate würden pro Jahr verarbeitet. Damit liege das HDZ deutschlandweit an dritter Stelle hinter Zen­tren in Hagen und Frankfurt mit je einer Millionen Präparaten.

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