Mo., 14.01.2019

Neue Varieté-Show »Freaks« feiert im GOP-Kaiserpalais in Bad Oeynhausen Premiere Auf Messers Schneide

Als würde Vladimir Snitko jeden Moment in den Schlund der Fratze im Hintergrund hinabgleiten. Das Duo Vladimir inszeniert seine Akrobatik vor dem schaurigen Bühnenbild.

Als würde Vladimir Snitko jeden Moment in den Schlund der Fratze im Hintergrund hinabgleiten. Das Duo Vladimir inszeniert seine Akrobatik vor dem schaurigen Bühnenbild. Foto: Lydia Böhne

Von Lydia Böhne

Bad Oeynhausen  (WB). Sie sind schräg, sie sind schrill, und sie entsprechen nicht der Norm: Mit der neuen Show »Freaks« feiert das GOP-Varieté im Kaiserpalais die Andersartigkeit. Konnten Sonderlinge früher nur im Verborgenen ihre Exzentrik ausleben, haben sie dazu heute die große Bühne zur Verfügung. Die Besucher tauchen ein in eine »Manege der Skurrilität.«

»Welcome to the Freakshow«, dröhnt es den Premierengästen entgegen. Begrüßt werden sie von Elyas Khan. Der 52-Jährige hält die Show als Zeremonienmeister zusammen. Weißer Anzug, abstehender Bart, dunkel umrandete Augen und oben drauf noch ein Zylinder – der Engländer strahlt von Kopf bis Fuß Exzentrik aus.

Elyas Khan sagt nicht nur die Sensationen im großen Stil an, er ist auch für den einzigartigen Sound des Freak-Zirkus zuständig. Seine Reibeisenstimme und die grotesken Geräusche, die sich mit schaurigen Klängen paaren, spielen mit der Ambivalenz zwischen Rockkonzert und Gruselkabinett.

Körper verknoten bis zur Groteske

Schon früher faszinierten Schlangenmenschen die Massen. Heute läuft diese Kunst unter dem Begriff »Kontorsion«. Bronwen Pattison beweist, dass das Interesse daran nicht abgeflaut ist. Die Neuseeländerin verknotet ihren Körper bis zur Groteske. Ihre wild toupierten Haare und der irre Blick verleihen ihren Auftritten eine spannende Eigenwilligkeit. Ihre eindrucksvolle Darbietung kommt am Boden genauso gut zur Geltung wie hoch in der Luft.

Mystisch wird es mit Estrella Urban. Auch wenn Handstände immer wieder Teil des Varietéprogramms sind, präsentiert die 26-Jährige diese Kunst untermalt von psychedelischer Musik aus einer ganz neuen Perspektive. Früher hätte man diese Vorstellung als Auftritt der Spinnenfrau beworben. Ein wenig von dem damaligen Bild hat sich Estrella Urban bewahrt. Ihre Bewegungen sind animalisch, die geschminkten Augen erinnern an Spinnennetze.

Kuriositätenkabinett dreht sich

Das Kuriositätenkabinett dreht sich weiter und das Duo »Hand2Stand«, hinter dem sich Camille Tremblay und Louis-Marc Bruneau-Dumoulin verbergen, formiert sich. Bevor es losgehen kann, muss Louis-Marc Bruneau-Dumoulin seine Partnerin zunächst mit sanften Berührungen zum Leben erwecken. Ihrer eleganten Vertikaltuch-Darbietung klingt ein Hauch von Melancholie nach, wenn Camille Tremblay am Ende wieder in ihre Mannequin-Starre verfällt.

Mit den Geschlechtermerkmalen kokettiert Gabriel Drouin als bärtige Lady mit lackierten Nägeln und rotem Kleid. Sein Können am Cyr vollführt der Kanadier in der Kulisse eines Spiegelkabinetts. Einen divenhaften Auftritt legt »MisSa Blue« hin. Die Schwertschluckerin liebt die Gefahr. Mit Leichtigkeit spaziert die Fakir-Frau über Klingen oder hantiert mit echten Degen, die sie in ihrem Mund verschwinden lässt.

Dolch-Akrobatik weltweit einmalig

Die starken Männer, die auf keinem nostalgischen Jahrmarkt fehlen dürfen, werden von Vladimir Snitko und Vladimir Karvatyuk verkörpert. Kopfüber wird Vladimir Snitko, nur von zwei aufeinander gesteckten Dolchen gestützt, von seinem Partner in der Luft gehalten. Weltweit wird diese Nummer nur von diesem Duo praktiziert. Was die Ukrainer abliefern, ist Weltklasse-Akrobatik. Ergänzt durch Kateryna Gaidamanchuk glänzen die Akrobaten auch als fantastisches Trio, das das Publikum in Staunen versetzt.

Aufgebrochen wird die Szenerie immer wieder von Sébastien Tardif. Der humoristische Tausendsassa schneidet Grimassen mit Hilfe eines Laubbläsers, sieht seine Zunge lang oder bläst ein übergestülptes Kondom mit der Nase auf. Einen Blick in ihre einzigartige Welt gewähren die »Freaks« Besuchern im GOP-Kaiserpalais noch bis zum 3. März.

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