Mi., 16.01.2019

Beim Neujahrsempfang des HDZ NRW in Bad Oeynhausen sorgt Psychiater Manfred Lütz für Unterhaltung »Ich schreibe keine Glücksratgeber«

Verblüfft hat sich Manfred Lütz vom »ostwestfälischen« Publikum gestern Abend im Theater im Park gezeigt. »Ostwestfalen lachen mit zeitlichem Verzug«, hat der »Bub vom links-rheinischen Ufer in Köln« noch zu Beginnn seiner Festrede behauptet. Mit anhaltendem Lachen haben die Zuhörer bewiesen, dass sie guten Humor schätzen.                                                 

Verblüfft hat sich Manfred Lütz vom »ostwestfälischen« Publikum gestern Abend im Theater im Park gezeigt. »Ostwestfalen lachen mit zeitlichem Verzug«, hat der »Bub vom links-rheinischen Ufer in Köln« noch zu Beginnn seiner Festrede behauptet. Mit anhaltendem Lachen haben die Zuhörer bewiesen, dass sie guten Humor schätzen.                                                  Foto: Claus Brand

Von Rajkumar Mukherjee

Bad Oeynhausen (WB). Die Lacher im Saal hat Manfred Lütz von Anfang an auf seiner Seite gehabt. Beim Neujahrsempfang des Herz- und Diabeteszentrums (HDZ) NRW im Theater im Park sprach der aus dem Fernsehen bekannte Psychiater und Autor über Glück. Mit feinen Nuancen ging er dabei auch auf ernste Aspekte des Lebens ein.

500 Gäste begrüßten HDZ-Geschäftsführerin Dr. Karin Overlack und der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Jan Gummert. Darunter waren unter anderem der Vorsitzende des HDZ-Aufsichtsrats, Dr. Edmund Heller, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes, Prof. Dr. Ulrich Gleichmann, Gründungsvater des HDZ, sowie beispielsweise Paul Gauselmann, Vorstandssprecher der Gauselmann-Gruppe und Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie. Zur Unterhaltung spielte das Jazz-Trio des HDZ »Blue Temptation« mit Oberarzt Prof. Dr. Lothar Faber (Piano), Frank Heidemann (Bass) und Harald E. Bellmann (Saxophon) Swing und gefühlvolle Melodien.

Während seines Festvortrags unter dem Titel »Wie Sie unvermeidlich glücklich werden. Eine Psychologie des Gelingens« – passend zu einem seiner aktuellen Buchtitel – verblüffte Dr. Manfred Lütz sein Publikum ein ums andere Mal. Denn Tipps zum Glücklichsein verriet der Psychiater und Psychotherapeut, katholische Theologe, Kirchen- und Vatikanberater, Kabarettist sowie Buchautor eben nicht. »Danach werde ich nämlich immer wieder gefragt. Und darauf antworte ich dann sehr gerne: Würden Sie meine Bücher lesen, wüssten Sie, dass ich keine Ratgeber schreibe«, rief Manfred Lütz mit keckem Blick von der Theaterbühne.

Dass seine Bücher aber offenbar von vielen gelesen werden, zeigt ein Blick auf die Spiegelbestseller-Liste: In dieser hielt sich die Taschenbuchausgabe seines bekanntesten Buchs »Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen« aus dem Jahr 2009 nach Branchenangaben ganze 106 Wochen. Weitere Titel sind beispielsweise »Der Skandal der Skandale« und »Bluff!«.

Dennoch befasst sich Manfred Lütz schon von Berufswegen mit dem Thema Glücklichsein. Seit 1997 leitet er das Alexianer-Fachkrankenhaus in Köln. Dabei beschäftigt er sich auch mit Erkrankungen, die in einer tiefen Phase des Unglücklichsein entstehen können, wie etwa Magersucht bei jungen Frauen.

Auch hier zeigte Manfred Lütz sein Können, das Thema mit rheinischem Humor, einem Timing beim Erzählen und dem Feingefühl für ernste Untertöne zu transportieren. Für Lacher sorgte seine Erzählung zum medial ausgetragenen Disput mit Heidi Klums Vater Günther. Seit 2006 moderiert das frühere Model Jahr für Jahr die Casting-Show »Germany’s Next Topmodel« – und propagiere damit bewusst das Ideal eines bestimmten Frauenkörpers, dem viele Mädchen und junge Frauen nacheifern würden.

Tränen lachten die Zuschauer, als Manfred Lütz erzählte, wie Günther Klum über einen Hamburger Anwalt per Unterlassungsklage versucht habe, ihn mundtot zu machen. »Nachdem ich die Bild-Zeitung mit den Worten angerufen hatte: Ihr dürft mich gerne interviewen, habe ich dann mit demselben Vorschlag 20 weitere Zeitungen angesprochen, darunter Süddeutsche und Welt. Sie hätten mal sehen müssen, wie schnell das mit der Klage vom Tisch war«, rief Manfred Lütz. Bei allem Humor war es ihm auch wichtig zu erwähnen, dass an der Magersucht letztlich viele Mädchen und junge Frauen sterben.

Für spontanen Applaus sorgte er bei der Frage, wo eigentlich die glücklichsten Menschen der Welt leben. Einer vor einigen Jahren veröffentlichten Umfrage zufolge sei Bangladesch eben jenes Land. Der Applaus bezog sich auf die beiläufige Feststellung von Manfred Lütz, wonach es ihm auch wichtig sei, Flüchtlinge in seinem Dorf zu unterstützen. »Sie müssen mal sehen, wie viele Helfer das glücklich macht«, sagte er.

Berührend war – nach einer weiteren Witze-Salve – die Beschreibung eines alten Ehepaares, in einer Nordsee-Filiale in Wien. »Typisch: Das Ehepaar hatte sich beim Löffeln der Fischsuppe minutenlang nichts zu erzählen. Aber dann sah ich die zarte Berührung seiner Hand an ihrem Kopf und dachte: Das ist wahres Glück«, sagte Manfred Lütz.

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Glück haben

Dank für diese Darstellung zum feuilletonistischen Aspekt der Veranstaltung. Für die Öffentlichkeit wesentliche Sachverhalte aber enthält die Pressemitteilung des HDZ-NRW, insbesondere zwischen den Zeilen.
Glück muss man haben im Gesundheitswesen unserer Tage, glücklich sein verdrängt den Ernst des Lebens.

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