Mi., 13.02.2019

Vor 175 Jahren gegründet: Weserhütte übersteht Wirren zweier Weltkriege Beeindruckende Unternehmenshistorie

Umfangreiche Recherche: Wilhelm Siegmann referiert über die 175-jährige Geschichte der Weserhütte.

Umfangreiche Recherche: Wilhelm Siegmann referiert über die 175-jährige Geschichte der Weserhütte. Foto: Renée Trippler

Von Renée Trippler

Bad Oeynhausen (WB). Vor 175 Jahren ist das Eisenwerk Weserhütte gegründet worden, das auf dem heutigen Werre-Park-Gelände stand. Wilhelm Siegmann vom Arbeitskreis für Heimatpflege hat sich aus diesem Anlass intensiv mit der Geschichte des Unternehmens beschäftigt.

Bei der Hauptversammlung des Arbeitskreises am Donnerstag, 14. Februar, wird Wilhelm Siegmann einen Vortrag über die Eisenhütte halten. Anlässlich des 175-jährigen Gründungsjubiläums des Eisenwerkes, hat er sich mit dessen Geschichte bis hin zum Konkurs in den 1980er Jahren befasst. »Ich habe versucht, den technischen Fortschritt und die Entwicklung des Unternehmens zeitlich einzubetten«, sagt der Rentner.

Das »Eisenwerk Weserhütte Kuntze und Pottharst« wurde im Jahr 1844 von Albrecht Emil Kuntze und Christian Friedrich Pottharst am Borstenbach in Rehme gegründet. Zu Beginn fertigte das Werk Kochtöpfe, Herde und landwirtschaftliche Maschinen aus Grauguss. »Das war eine sehr harte Masse, die nur schwer bearbeitet werden konnte. Was da gegossen wurde, musste passen«, sagt Wilhelm Siegmann.

Umzug an Mindener Straße

Im Jahr 1864 wurde die Zweitfirma »Maschinenbauwerkstatt von Schuster und Krutmeyer in Bad Oeynhausen« gegründet, beide Firmen verschmolzen im Jahr 1869. In diesem Jahr zog das Unternehmen unter dem neuen Namen »Eisenwerk Weserhütte Schuster & Krutmeyer« an der Mindener Straße ein, auf dem heutigen Werre-Park-Gelände.

Im Jahr 1897 sei die Weserhütte mit 70 Arbeitern einer der größten Arbeitgeber der Region gewesen, sagt Wilhelm Siegmann. Weil Anfang der 1900er Jahre die Wirtschaft in Deutschland schwächelte, habe man die Produktpalette auf drei Sparten verringert: »Es gab weniger Aufträge und Produktionsmaterial.« Die Firma konzentrierte sich auf Brückenbau und Gittermasten, Ziegeleimaschinen und das spätere Kerngeschäft – den Baggerbau. Diese Sparte sei aus der Fertigung der Ziegeleimaschinen entstanden, sagt der Heimatpfleger. Das Geschäft mit den Baggern wurde auf Förderbänder und Verladeanlagen ausgeweitet.

Kriegszeiten

Im Jahr 1908 begann das Unternehmen, Bagger zu produzieren. Auch Geschosse wurden erstmals bearbeitet. Als im Jahr 1914 der Erste Weltkrieg begann, wurde die Produktion umgestellt: Neben den Baggern wurden Hufeisen und Granatenhülsen gefertigt.

Während des Zweiten Weltkrieges war ein Teil der Produktion unter dem Decknamen »Kröte« in den Weserstollen bei Dehme verlagert. Die Rüstungsproduktion machte zunächst 79 Prozent (1944), ein Jahr später bereits 88 Prozent der Produktion aus. »Mit den Ketten der Bagger wurden Panzer gebaut«, erläutert Wilhelm Siegmann.

Das machte die Weserhütte zu einem wichtigen Ziel der Alliierten. Karfreitag 1945 starben nach Wilhelm Siegmanns Recherchen 192 Menschen bei einem Bombenangriff. »Das Fatale war, dass der Werksalarm vier Minuten später losging, als der Fliegeralarm. Da waren die Flugzeuge schon da.«

Nach dem Krieg verlegten die Briten das Hauptquartiert nach Bad Oeynhausen und beschlagnahmten das Gelände. Es diente zunächst als Reparaturwerkstatt. Nach und nach wurden deutsche Arbeiter eingestellt und Fabrikhallen wieder freigegeben. »Im Herbst 1945 produzierte man wieder Ersatzteile für Bagger. Man versuchte, die Wirtschaft wieder anzukurbeln«, sagt Wilhelm Siegmann.

Dann kam das Ende

Die Baggerproduktion entwickelte sich weiter, das Betriebsgelände an der Mindener Straße wuchs auf 240.000 Quadratmeter. In den 1960er Jahren wurde begonnen, Seilbagger zu bauen. »1968 wurde ein Spezialbagger für den Elbtunnel gebaut, das war schon innovativ«, sagt Wilhelm Siegmann.

Dennoch wurde fehlende Innovationskraft dem Unternehmen schließlich zum Verhängnis: »Sie haben die Hydraulikbagger verpennt und sind immer bei ihren Seilbaggern geblieben«, sagt Siegmann. Im Jahr 1971 gab es zudem starke Umsatzeinbußen, weil viele Aufträge in Fremdwährung bezahlt wurden: »Der Divisen-Schwund machte auch der Weserhütte zu schaffen.«

Darüber hinaus seien alle kleinen Unterfirmen an den verschiedenen Standorten selbstständig gewesen. »Jeder wollte sich selbst retten, deshalb ging möglicherweise die gesamte Firma pleite«, vermutet Wilhelm Siegmann. 1987 ging die Firma in Konkurs.

Vortrag im Stadtarchiv

Wilhelm Siegmann wird die Ergebnisse seiner Recherche bei der Jahreshauptversammlung des Arbeitskreises für Heimatpflege, am Donnerstag, 14. Februar, von 18 Uhr an im Stadtarchiv in Bad Oeynhausen, Von-Moeller-Straße 9, präsentieren. Auf dem Programm stehen außerdem der Bericht über die Aktivitäten des vergangenen Jahres sowie ein Ausblick auf die geplanten Veranstaltungen des Arbeitskreises in diesem Jahr. Ausklingen soll der Abend in gemütlicher Runde mit westfälischem Eintopf.

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