Do., 21.02.2019

Rechtsanwältin beantragt vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen neues Gutachten Überraschung im Hallenbad-Prozess

Vor dem Amtsgericht in Bad Oeynhausen hat die Verteidigerin des Angeklagten im sogenannten Hallenbad-Prozess einen überaschenden Antrag gestellt.

Vor dem Amtsgericht in Bad Oeynhausen hat die Verteidigerin des Angeklagten im sogenannten Hallenbad-Prozess einen überaschenden Antrag gestellt. Foto: Jürgen Gebhard/Archiv

Von Rajkumar Mukherjee

Bad Oeynhausen (WB). Mit einer Überraschung hat der zweite Verhandlungstag im sogenannten Hallenbad-Prozess vor dem Amtsgericht in Bad Oeynhausen begonnen. Ein Sachverständigen-Gutachten soll nun klären, ob der auf tragische Weise im Hallenbad Bad Oeynhausen-Rehme ertrunkene Junge aufgrund eines seltenen Gendefekts einen Herzinfarkt erlitten haben könnte. Das Verfahren ist derzeit ausgesetzt und muss vermutlich komplett neu aufgerollt werden.

Wie berichtet, hatte der Junge am Samstag, 20. Januar 2018, an einem Schwimmkurs teilgenommen. Zu dem tragischen Unfall war es zu Beginn der zweiten Stunde gekommen. Wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung muss sich seit dem 1. Februar 2019 ein Schwimmlehrer (25) aus Vlotho vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen verantworten.

Verdacht auf Long-QT-Syndrom

Den Antrag für ein neues Sachverständigen-Gutachten stellte Rechtsanwältin Kathleen Heine aus Minden, Verteidigerin des Angeklagten, am Donnerstag. Und überraschte damit die Rechtsanwälte Dr. Detlev Binder und Dr. Christina Lang, beide aus Bielefeld. Sie sind Nebenklagevertreter des Vaters sowie der Mutter des verstorbenen Jungen.

Die Anregung zu einem neuen Sachverständigen-Gutachten hatte sich aus der Berichterstattung über den Prozessbeginn ergeben, sagte Kathleen Heine im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Eine Kardiologin aus Minden war auf den Fall aufmerksam geworden und hatte sich nach dem ersten Prozesstag an die Verteidigerin gewandt. Nun steht die Frage im Raum, ob bei dem Jungen das sogenannte Long-QT-Syndrom vorliegt. Hierbei könne die Berührung mit Wasser als eine Art Trigger einen Herzinfarkt auslösen.

Ein Gutachten könnte – aufgrund des Vorschlags durch den Beweisantrag – durch das Universitätsklinikum in Frankfurt/Main erstellt werden. Wie lange die Erstellung des neuen Gutachtens in Anspruch nimmt, steht derzeit nicht fest.

Komplett neues Verfahren ist absehbar

Das Verfahren hat Richter Dr. David Cornelius vorerst ausgesetzt. Dazu erklärt Kathleen Heine: »Eine Hauptverhandlung kann nur bis zu drei Wochen unterbrochen werden. Sollte voraussehbar sein, dass die Frist überschritten wird, wird die Aussetzung der Hauptverhandlung angeordnet. Dies bedeutet den Abbruch der Verhandlung mit der Folge, dass später eine neue selbständige Verhandlung stattfinden muss.« Das würde bedeuten, dass in einem neuen Verfahren auch alle Zeugen erneut gehört werden müssten.

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