Sa., 09.03.2019

Ururururur-Enkelin Isolde Sültemeyer erinnert vor dem Sülteschmaus in Bad Oeynhausen an Entdecker Sole Mitte des 18. Jahrhunderts Ihrem Colon ganz nahe

Die Brunnenskulptur in der Klosterstraße zeigt die Szene, die sich Mitte des 18. Jahrhunderts zugetragen haben soll: Der Rehmer Colon Sültemeyer beobachtet, wie seine Schweine sich nach dem Bad im Sültebach gegenseitig das Salz ablecken: die Entdeckung der Sole.

Die Brunnenskulptur in der Klosterstraße zeigt die Szene, die sich Mitte des 18. Jahrhunderts zugetragen haben soll: Der Rehmer Colon Sültemeyer beobachtet, wie seine Schweine sich nach dem Bad im Sültebach gegenseitig das Salz ablecken: die Entdeckung der Sole.

Von Rajkumar Mukherjee

Bad Oeynhausen (WB). Um es ihren australischen Freunden einfacher zu machen, schreibt Isolde Sültemeyer (72) ihren Familiennamen dort mit »ue«. Den Ursprung ihres Namens und die enge Verbindung zu Bad Oeynhausen trägt sie jedoch ständig bei sich. In siebter Generation ist sie eine direkte Nachkommin von Colon Sültemeyer: dem Entdecker der Sole.

»Ich bin die Ururururur-Enkelin des Colon, aber nicht die einzige Nachfahrin«, sagt Isolde Sültemeyer am Telefon. Etwa eine Autostunde nördlich von Sydney entfernt, lebt sie seit 2008 in Berkeley Vale, unweit des Pazifiks.

Blick von Australien nach Bad Oeynhausen

Isolde Sültemeyer ist eine Nachfahrin des Colon in siebter Generation. Foto: Rene Wenzel/Archiv

Aus insgesamt etwa 30 Vettern und Cousinen bestand ihre Generation viele Jahrzehnte lang. »Nun bin ich die jüngste«, sagt Isolde Sültemeyer. In der jüngeren Vergangenheit trafen sich die überwiegend im Bundesgebiet verstreuten Nachkommen des Colons jährlich in Bad Oeynhausen, zuletzt 2017. Engen Kontakt hat sie nach wie vor zu Horst Jäcker vom Rehmer Heimatverein. Die Australierin verfolgt das Geschehen hier mit großem Interesse. »Zum Sülteschmaus werde ich es diesmal aber nicht schaffen«, sagt sie. Schon dreimal war sie dabei.

Ursprung: Diesen Begriff verbindet Isolde Sültemeyer mit dem Colon, ihrem in Bad Oeynhausen berühmten Vorfahren. Viele Jahrzehnte wusste sie aber kaum etwas über ihn. Auch, weil ihr Vater Heinrich nicht in Bad Oeynhausen geboren wurde, sondern auf dem großväterlichen Gut in Posen/Wartheland im heutigen Polen.

Nach der Vertreibung lebte ihre Familie zunächst in Minden-Dankersen, viele Mitglieder des Familienzweiges siedelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Westen an. Zudem war Isolde Sültemeyer mit ihrer Mutter Ilse sowie ihrem Halbbruder Manfred im Dezember 1962 erstmals nach Aus­tralien ausgewandert und lebte dort in Sydney. »Ich habe die Entstehung des berühmten Opernhauses miterlebt«, sagt Isolde Sültemeyer. In Sydney studierte sie zunächst am renommierten Konservatorium Musik, später Germanistik, Romanistik und Musik an der Universität. Anschließend unterrichtete sie auch in Australien. 1975 reiste sie nach Deutschland – und musste später aufgrund einer Erkrankung ihrer Mutter hierbleiben. 30 Jahre wurden daraus. Im Raum Köln lebte sie in dieser Zeit, heiratete und unterrichtete an einem Gymnasium, bis sie 2008 wegen des Klimas erneut nach Australien auswanderte.

Durch Zufall zur Reha in Bad Oeynhausen

Der Zufall wollte es 2001, als sie – nach einem schweren Unfall 1997 bei einem Besuch in Australien – 2001 zur Reha nach Bad Oeynhausen kam und ihr der Bezug zur Familie bewusst wurde. Mit Informationen und Erzählungen habe ihr Rico Quaschny, langjähriger Leiter des Stadtarchivs, geholfen. »Ich verstand die Zusammenhänge, denn dem Colon gehörte jenes Land, wo heute der Kurpark liegt. Und ich fühlte mich meinem Urahn und meinem Familiennamen näher«, sagt Isolde Sültemeyer. Es berühre sie sehr, dass ihr Vorfahre die Sole-Vorkommen Mitte des 18. Jahrhunderts zufällig entdeckt – und damit die Voraussetzung zur späteren Nutzug der Heilquellen geschaffen hatte.

Wie Heimatforscher Horst Jäcker auf seiner Internetseite ausführt, verlief der Sültebach über das Land des Rehmer Bauern Sültemeyer. Der Legende nach kühlten sich die Schweine an einem heißen Junitag in einer Suhle am Bach. Als sie sich auf der Wiese räkelten, bemerkte er, dass sie sich gegenseitig die Schwarte ableckten. Die salzhaltige Sole war entdeckt. Später habe Friedrich der Große, seit 1740 König in Preußen, die Rechte auf den Bodenschatz eingefordert. Bei Probebohrungen fanden Bergleute die Salzquelle. »Später wurden die Heilquellen entdeckt, was mich sehr berührt: Damit wurde vielen Menschen geholfen, was auf den Colon zurückgeht«, sagt Isolde Sültemeyer.

Zu den Familientreffen gehörten in den vergangenen Jahren Besuche im Rehmer Heimathaus, im Brunnenmeisterhaus, am Schweinebrunnen und an der Colon-Skulptur im Kurpark. Die Skulptur entstand übrigens auf Anregung von Isolde Sültemeyer, finanziert vom Business Club. Über eines würde sie sich freuen: »Dass unsere Familie sich wieder im August in Bad Oeynhausen versammelt.«

15. Sülteschmaus in der Wandelhalle

In diesem Jahr findet der Sülteschmaus zum 15. Mal am Montag, 11. März, statt. Für 19 Uhr lädt der Business Club Bad Oeynhausen in die Wandelhalle ein. Bei Grünkohl, Wurst und Fleisch soll es gute Unterhaltung geben. Aus den Einnahmen des vergangenen Jahres spendete der Club 5000 Euro für die Aktion Bildungspartner. Die Tradition des Sülteschmaus ist bereits mehr als 40 Jahre alt.

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