Fr., 05.04.2019

Bad Oeynhausener Physiotherapeut verhaftet – Innenminister kritisiert Polizei Kinderporno-Verdacht: Ersten Hinweis gab es 2017

In Bad Oeynhausen steht ein Heilpraktiker unter Missbrauchsverdacht. Mögliche Betroffene und Zeugen können sich auch an die Polizeidienststelle in Bad Oeynhausen wenden.

In Bad Oeynhausen steht ein Heilpraktiker unter Missbrauchsverdacht. Mögliche Betroffene und Zeugen können sich auch an die Polizeidienststelle in Bad Oeynhausen wenden. Foto: Louis Ruthe

Von Christian Althoff

Bad Oeynhausen(WB). Ein Physiotherapeut (60) aus Bad Oeynhausen, der vor allem Babys, Kinder und Jugendliche behandelt hat, sitzt in Untersuchungshaft.

Der Therapeut und Heilpraktiker Rainer M. soll Kinder, die seine Patienten waren, missbraucht haben. Außerdem soll er in der Praxis von mindestens zwei Kindern Fotos gemacht haben, die als Kinderpornographie eingestuft wurden.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) kritisierte die Mindener Polizei, weil sie mehr als ein Jahr gebraucht habe, um Hinweisen auf den Mann nachzugehen und seine Räume zu durchsuchen. »Das war ein klarer Fehler, denn der Mann hatte ja Zugang zu Kindern und Jugendlichen.«

Fotos von Kindern entdeckt

Den ersten Hinweis auf den Therapeuten gab 2017 ein Computertechniker. Er hatte den PC des Mannes gewartet und heimlich aufgenommene Fotos von Kindern am Strand entdeckt.

Die Mindener Polizei ermittelte und besaß seit März 2018 für die Praxis und die Wohnräume einen Durchsuchungsbeschluss. Doch der wurde nicht vollstreckt. Zwar suchten Polizisten die Adressen im Mai, Juli und Oktober 2018 und im Januar 2019 auf, doch zogen sie jedes Mal unverrichteter Dinge ab, als sie den Mann nicht antrafen. Bei einer Durchsuchung ohne ihn hätte nach Meinung der Polizisten Gefahr bestanden, dass er von der Aktion erfahren und sein Handy weggeworfen hätte, auf dem Beweise vermutet wurden.

Ermahnung nach Lügde

Nach Bekanntwerden der Polizeipannen im Fall Lügde bestellte das NRW-Innenministerium vor Wochen sämtliche Kripochefs nach Düsseldorf und ermahnte sie, Kinderporno- und Missbrauchsverfahren noch einmal auf sachgerechte Bearbeitung zu prüfen.

Am 8. März rückten Mindener Polizisten erneut aus, diesmal trafen sie den Therapeuten an. Sie stellten so große Datenmengen – auch Kinderpornofotos – sicher, dass sich die Kreispolizeibehörde außerstande sah, die Ermittlungen alleine zu bewältigen. Weil das Polizeipräsidium Bielefeld im Missbrauchsfall Lügde eingebunden ist, übernahm das Präsidium Dortmund die Federführung.

Die Praxis in Bad Oeynhausen ist geschlossen. Staatsanwalt Moritz Kutkuhn sagte, der Beschuldigte sitze seit dem 28. März wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft. Zu der Frage, ob sich der Therapeut zu den Vorwürfen geäußert habe, wollte Kutkuhn nichts sagen.

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