Fr., 12.04.2019

Mindener Behörde unter Druck – Beamte meldeten Überlastung Missbrauch in Bad Oeynhausen: Hätte Polizei Tat verhindern können?

Die Beratungsstelle für Missbrauchsopfer in Bad Oeynhausen.

Die Beratungsstelle für Missbrauchsopfer in Bad Oeynhausen. Foto: Louis Ruthe

Von Christian Althoff

Bad Oeynhausen (WB). Im Fall des Physiotherapeuten aus Bad Oeynhausen, der Kinder missbraucht und Fotos von ihnen gemacht haben soll, gerät Mindens Polizeiführung unter Druck.

Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen soll Physiotherapeut Rainer M. (60) mindestens eine Tat begangen haben , während die Kripo Minden bereits einen Durchsuchungsbeschluss besaß, den Verdächtigen aber mehr als ein Jahr lang unbehelligt ließ.

Das fanden Polizisten des Polizeipräsidiums Dortmund heraus, die das Verfahren von der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke auf Anordnung des Innenministeriums übernommen hatten. Bei der Auswertung der bei dem Therapeuten sichergestellten Fotos und Videos entdeckten sie bisher eine Tat, die wohl hätte verhindert werden können, hätte die Kripo Minden schneller gearbeitet.

Erhebliche Überlastung

Allerdings soll die zuständige Dienststelle durch eine Vielzahl von Verfahren erheblich überlastet gewesen sein. Die Beamten sollen sich schriftlich sowohl an den Kripochef als auch an den Polizeichef der Kreispolizeibehörde gewandt und von ihrer Überlastung berichtet haben – offenbar ohne Erfolg. Ohnehin ist die Kripo Minden eine der personell am schlechtesten aufgestellten in NRW.

Seit März 2018 verfügte die Mindener Polizei über einen Durchsuchungsbeschluss gegen den Therapeuten. Nach Polizeiangaben wurde dessen Adresse viermal aufgesucht. Weil er jedes Mal nicht da war, zogen die Beamten wieder ab. »Ein klarer Fehler«, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) Anfang April. Erst am 8. März 2019 wurde durchsucht, und am 28. März kam Rainer M. in U-Haft.

Sollte sich bestätigen, dass die Kripo eher hätte zugreifen und eine Tat verhindern können, könnte das Opfer das Land NRW auf Schadensersatz verklagen. Außerdem sind disziplinarrechtliche Ermittlungen gegen Verantwortliche möglich.

Wegen des Mindener Falls forderte das Innenministerium alle Polizeibehörden auf, bis gestern sämtliche Sexual-Ermittlungsverfahren nach Düsseldorf zu melden, in denen Gerichtsbeschlüsse noch nicht vollstreckt wurden.

Weil Speichermedien immer billiger werden, wachsen die bei Verdächtigen sichergestellten Datenmengen und stellen die Polizei vor zunehmend große Probleme. Allein im letzten Jahr wurden beim LKA mehr als 2000 Terrabyte mutmaßlicher Kinderpornos sichergestellt – das ist das 150-fache der Menge der Daten im Fall Lügde.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6537024?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F