Fr., 17.05.2019

Amtsgericht Bad Oeynhausen nimmt im Hallenbad-Prozess Kontakt zum Herz- und Diabeteszentrum auf HDZ für Gutachten im Gespräch

Ein Gutachten soll zum Hallenbad-Prozess in Bad Oeynhausen erstellt werden, im Gespräch ist dafür das Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW.

Ein Gutachten soll zum Hallenbad-Prozess in Bad Oeynhausen erstellt werden, im Gespräch ist dafür das Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW. Foto: Rajkumar Mukherjee

Von Rajkumar Mukherjee

Bad Oeynhausen (WB). Hat ein seltener Gendefekt ein Herz- oder Kammerflimmern bei dem am 20. Januar 2018 im Hallenbad Rehme verunglückten und später verstorbenen Jungen ausgelöst? Diese und weitere Fragen soll ein medizinisches Gutachten klären. Einen Kontakt dazu hat das Amtsgericht mit dem Herz- und Diabeteszen­trum (HDZ) NRW aufgenommen.

Das teilte Werner Meier, Direktor des Amtsgerichts Bad Oeynhausen, auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTS mit. »Es soll ein humangenetisches Gutachten erstellt werden«, sagte er. Hierbei sollen Experten feststellen, ob bei dem verunglückten Jungen (6) ein genetischer Defekt vorhanden war und dieses ursächlich für den späteren Tod sein könnte. Am zweiten Tag des Hallenbad-Prozess war vom sogenannten Long-QT-Syndrom die Rede.

Abstimmung zum Gutachten

Nach Informationen dieser Zeitung gibt es einen Beweisbeschluss, wonach das HDZ NRW das Gutachten anfertigen soll. Derzeit finden noch Gespräche, etwa mit der Staatsanwaltschaft, statt. Während der Verhandlung war das rechtsmedizinische Institut der Universitätsklinik Frankfurt/Main als Ersteller des Gutachtens genannt worden.

Einen ersten Austausch bestätigte das HDZ NRW. »Ja, das Amtsgericht hat Kontakt mit dem HDZ NRW aufgenommen. Das HDZ NRW wurde bislang jedoch nicht offiziell beauftragt, ein Gutachten zu erstellen«, teilte Anna Reiss, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im HDZ NRW, mit.

Wie berichtet, war es am Samstagvormittag des 20. Januar zu Beginn der zweiten Stunde zum tragischen Unfall gekommen. Der Schwimmlehrer sollte im Hallenbad Rehme drei Kurse für Kinder im Alter zwischen vier und sechs Jahren begleiten. Während der Schwimmlehrer die Kinder für eine Übung aus dem Becken geholt hatte, war ein Junge unbemerkt in Richtung des tiefen Beckenbereichs geschwommen. Der ­Bademeister, der sich zuvor im Technikraum aufgehalten haben soll, hatte den Jungen entdeckt und sofort Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Diese hatten eine Stunde angedauert. Später war der Junge im Klinikum Minden verstorben. In der Folge war der Schwimmlehrer angeklagt worden.

Mit Beweisantrag überrascht

Seine Verteidigerin Kathleen Heine (Minden) hatte während des zweiten Verhandlungstags am 21. Februar mit ihrem Beweisantrag zur Gutachten-Erstellung für eine Überraschung gesorgt. Eigentlich war ein Urteil erwartet worden. Sollte der verunglückte Junge tatsächlich das Long-QT-Syndrom gehabt haben, dann hätte die Berührung mit Wasser gefährlich sein können, hatte Kathleen Heine ausgeführt. Binnen Millisekunden könne der Herzrhythmus gestört werden. Die Folge: Herz- oder Kammerflimmern. Betroffenen würden deshalb Defibrillatoren implantiert, die in Notfällen dosierte Elektroschocks ausstoßen.

Dem Beweisantrag hatte Richter Dr. David Cornelius zugestimmt. Somit war das Verfahren vorerst ausgesetzt. Zugleich war schon damals absehbar, dass es zu einem komplett neuen Prozess kommen könnte. Grund dafür ist, dass eine Hauptverhandlung nur bis zu drei Wochen unterbrochen werden kann, hatte Kathleen Heine mitgeteilt. Ein neues Verfahren würde bedeuten, dass alle Zeugen erneut gehört werden müssten.

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