Sa., 18.05.2019

Doris Meierjohann aus Bad Oeynhausen, frühere Leiterin des OWL-Büros im Bund der Steuerzahler NRW, geht in den Ruhestand Der Kurdirektor und der Whirlpool

Mit etwa 230.000 Mitgliedern gilt der Bund der Steuerzahler (BdSt) als größte Steuerzahlerorganisation der Welt. Von 1990 bis 2014 hat Doris Meierjohann das OWL-Büro in Bielefeld geleitet und ist noch bis Ende Mai in Düsseldorf tätig. Immer im Herbst veröffentlicht der BdSt »Das Schwarzbuch – Die öffentliche Verschwendung« mit aktuellen Fällen.                  

Mit etwa 230.000 Mitgliedern gilt der Bund der Steuerzahler (BdSt) als größte Steuerzahlerorganisation der Welt. Von 1990 bis 2014 hat Doris Meierjohann das OWL-Büro in Bielefeld geleitet und ist noch bis Ende Mai in Düsseldorf tätig. Immer im Herbst veröffentlicht der BdSt »Das Schwarzbuch – Die öffentliche Verschwendung« mit aktuellen Fällen.                   Foto: Rajkumar Mukherjee

Von Rajkumar Mukherjee

Bad Oeynhausen (WB). An den Whirlpool, den der frühere Kurdirektor Wolfgang Schmidt bestellt hatte, erinnert sich Doris Meierjohann (65) noch gut: »Das war die erste und bisher einzige Verurteilung, die wir erreicht haben«, sagt sie. Als langjährige Leiterin des OWL-Büros des Bundes der Steuerzahler NRW begleitete sie viele Fälle von Steuergeld-Verschwendung.

»Ein kurioser Fall. Und einer, der zeigt, auf was wir bei unserer Arbeit angewiesen sind«, sagt Doris Meierjohann aus Bad Oeynhausen. Denn der Tipp war 1994 von einem Vereinsmitglied im Bund der Steuerzahler (BdSt) gekommen. An seine Adresse war der Whirlpool irrtümlich geliefert worden. »Er wunderte sich, was das Brunnenmeisterhaus mit einem solchen Pool wollte«, erzählt Doris Meierjohann. Auf Kosten des Staatsbades, damals noch Teil des Landes NRW, hatte der damalige Kurdirektor Wolfgang Schmidt den Whirlpool bestellt. Schließlich wurde er wegen Untreue in mehreren Fällen zu einer mehrmonatigen Bewährungsstrafe und einer Zahlung von 10.000 Mark verurteilt.

Von 1990 bis 2014 leitete Doris Meierjohann das OWL-Büro des BdSt NRW in Bielefeld. Anschließend war sie in Düsseldorf, Sitz des BdSt NRW, Leiterin des Außendienstes. Den Außendienst und auch ein Callcenter baute sie dort auf. »Tolle Fälle«, sagt Doris Meierjohann, hätten es in diesen Jahren auch aus den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford in das bekannte »Schwarzbuch« geschafft: Hier werden jeden Herbst Fälle von »öffentlicher Verschwendung« bekannt gemacht.

400.000 Euro für eine Wiese

Ein Vorgang aus Löhne wurde 2009 im »Schwarzbuch« vorgestellt. »Der Fall hat indirekt mit Boris Becker zu tun«, sagt Doris Meierjohann und schmunzelt. Als der Tennis-Boom in Deutschland 1992 eigentlich schon abgeebbt war, habe die Stadt Löhne vorsorglich für Tennisspieler eine Wiese gepachtet: mit einem Pachtzins von umgerechnet jährlich 16.000 Euro. Tennis-Matches gab es hier nicht, der Vertrag habe aber eine Laufzeit von 25 Jahren gehabt. Somit habe die Stadt insgesamt 400.000 Euro Pachtzins zahlen müssen.

Mehrfach schaffte es zudem die Nordumgehung in Bad Oeynhausen in die BdSt-Zeitschrift »Der Steuerzahler«, die zehnmal im Jahr erscheint. Darin sind Seiten für »Die NRW Nachrichten« reserviert. »Hier ist einmal die Rialto-Brücke beschrieben worden, die so steil gebaut ist, dass Autofahrer beim Herauffahren die andere Seite nicht einsehen können«, sagt Doris Meierjohann.

Dass überhaupt Fälle von Steuergeld-Verschwendung aufgedeckt werden, ist aus ihrer Sicht aufmerksamen Bürgern zu verdanken. »Davon gibt es viele in der eher ländlichen Region OWL und mehr als beispielsweise in Düsseldorf«, sagt sie. Viel Aufwand wendeten sie und weitere BdSt-Mitglieder für die anschließende Recherche der gemeldeten Fälle auf. »Wir haben uns immer alle Projekte vor Ort angeschaut und betroffenen Kommunen eine Chance zur Stellungnahme gegeben«, sagt sie.

Beruflicher Neuanfang

Für ihre Arbeit machte sich die Berufserfahrung vor ihrer Zeit beim BdSt bezahlt. Eine Ausbildung hatte sie bei der Firma Buschjost absolviert, arbeitete dort einige Jahre im Marketing, war Chefsekretärin und Vertriebsmitarbeiterin. »Im Vertrieb hatte ich viele Kundenkontakte, eine gute Erfahrung auch für den Bund der Steuerzahler«, sagt sie.

Nach einer beruflichen Auszeit, einer Scheidung und mit ihrer damals sechsjährigen Tochter habe sich ihr dann die Frage gestellt: Was machst Du jetzt? »Weil ich eine Arbeit im Außendienst meiner Tochter nicht zumuten wollte, habe ich mich beim Bund der Steuerzahler beworben«, sagt Doris Meierjohann. Von 1990 an leitete sie schließlich 24 Jahre die erste Außenstelle des BdSt NRW mit Sitz in Bielefeld.

Nicht immer sei die BdSt-Arbeit konfliktfrei abgelaufen. »In Bielefeld gab es den Fall von vier Mitarbeitern der Bundeswehr, die nicht genug zu tun hatten. Dann sollte ein fünfter Mitarbeiter hinzukommen. Das haben wir von einem Informanten erfahren«, sagt Doris Meierjohann. Damit konfrontierte sie ein ranghohes Mitglied der Bundeswehrverwaltung in Augustdorf – und erntete in der Folge eine harsche Reaktion. »Er hat mir Beugehaft angedroht, weil er den Namen des Informanten wissen wollte. Wir haben aber einen strikten Informantenschutz«, sagt sie. Letztlich blieb es bei der Drohung. »Ich habe nie wieder etwas von ihm gehört«, sagt Doris Meierjohann und schmunzelt auch hierüber.

Volksinitiative

Am 1. Juni geht Doris Meierjohann in den Ruhestand. Eine Herzensangelegenheit ist für sie eine aktuelle Volksinitiative des Bundes der Steuerzahler in NRW zur Abschaffung des Straßenbaubeitrags. »Erforderlich sind 66.000 Unterschriften, seit Oktober haben wir aber schon 460.000 Unterschriften gesammelt. Das ist die erfolgreichste Volksinitiative in NRW überhaupt«, sagt sie.

Ein aktueller Fall dazu sei eine 80-jährige Frau im Kreis Herford, die Straßenbaubeiträge von 20.000 Euro zahlen soll. »Sie sagt, dass einzige, was ihr bleibt, ist ihr Haus zu verkaufen, weil sie keinen Kredit mehr bekommt«, sagt Doris Meierjohann.

 

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