Di., 21.05.2019

Premiere des Theater-Klassikers »Der eingebildete Kranke« in Bad Oeynhausen Über den Nachttopf-Horizont hinaus

Dienstmagd Toinette (Janin Bastian) greift zu drastischen Mitteln, um die Hypochondrie Argans (Johannes-Paul Kindler) zu kurieren: Als verkleideter Arzt schlägt sie vor, einen zweiten Darmausgang in der Stirn zu legen. Argans Bruder Béralde (Mandy Fuchs) ist eingeweiht.

Dienstmagd Toinette (Janin Bastian) greift zu drastischen Mitteln, um die Hypochondrie Argans (Johannes-Paul Kindler) zu kurieren: Als verkleideter Arzt schlägt sie vor, einen zweiten Darmausgang in der Stirn zu legen. Argans Bruder Béralde (Mandy Fuchs) ist eingeweiht. Foto: Jenny Karpe

Von Jenny Karpe

Bad Oeynhausen  (WB). Argan ist krank, zumindest ist er überzeugt davon. Zum Gefallen seiner Ärzte und Ehefrau ist der Hypochonder wohlhabend und leichtgläubig. Seine Geschichte, »Der eingebildete Kranke«, wird seit Sonntag auf dem Museumshof im Siekertal aufgeführt.

»Eine Aufregung nach der anderen! Ich habe gar keine Zeit mehr für meine Krankheit«, beklagt sich Hypochonder Argan, gespielt von Johannes-Paul Kindler. Am liebsten würde er sich den ganzen Tag mit den dutzenden Tinkturen beschäftigen, die sein Arzt Purgon (Thomas Modzel) ihm verschreibt.

Da er jedoch die Arztrechnungen umgehen möchte, will Argan seine Tochter Angélique (Janet Schmeken) mit einem Arzt verheiraten. Angéliques Herz gehört hingegen dem Musiklehrer Cléante (Ilena Voigt). Zudem kümmert sich Argans Ehefrau Béline (Mandy Fuchs) scheinheilig um das Testament ihres Mannes – dabei ist jedem außer Argan klar, dass sie auf seinen baldigen Tod hofft.

Original-Stück stammt von Molière

»Was ist mir alles Geld der Welt gegen einen Fingernagel von dir«, säuselt sie, während ihr Notar (Thomas Modzel) diebisch grinsend in der Tür steht. Ausgerechnet Argans Dienstmagd Toinette (Janin Bastian) bietet dem eingebildet Kranken lautstark Paroli und wendet die Geschichte mit ihren Einfällen zum Guten. »Ihr Horizont ist auf den Durchmesser eines Nachttopfes geschrumpft«, schmettert Toinette ihrem Herrn entgegen und entschließt sich, der Hypochondrie ein Ende zu bereiten.

Im Original stammt das Stück vom Franzosen Jean-Baptiste Poquelin alias Molière, der die Rolle des Argan bis zur vierten Vorstellung selbst verkörperte. Auf der Bühne erlitt Molière einen Schwächeanfall und Blutsturz, den das Publikum zunächst für einen Teil des Stücks hielt. Der Autor starb schließlich noch in seinem Kostüm. Von solchen Unglücken wurde das Ensemble bei der Premiere am Sonntag verschont, sogar das Regenwetter hat eine Ausnahme gemacht und das Spiel unter freiem Himmel ermöglicht.

Dritte Inszenierung auf Museumshof

»Es ist das dritte Mal, dass wir ein Stück auf dem Museumshof anbieten können«, sagte Dr. Hanna Dose, Leiterin der städtischen Museen. Das Ensemble besteht aus dem Kleinen Theater Rehme rund um Johannes-Paul Kindler sowie der Musikalischen Schauspielschule Bielefeld. Zudem sorgte der Freundeskreis des Museumshofes für Speisen und Getränke.

»Es ist einfach eine wunderbare Atmosphäre hier auf dem Museumshof«, sagte Zuschauer Bernd Hambuch aus Detmold. »Das schauspielerische Können ist enorm, vor allem von Johannes-Paul Kindler. Und witzig ist es obendrein.« Weitere Aufführungstermine sind am Dienstag 28. Mai, Freitag 14. Juni, Donnerstag 27. Juni, Dienstag 2. Juli, Mittwoch 10. Juli und Samstag 13. Juli, jeweils um 19 Uhr.

Eintrittskarten für die weiteren Aufführungen gibt es in der WESTFALEN-BLATT-Geschäftsstelle, Klosterstraße 24, Telefon 05731/251524, und direkt beim Kleinen Theater Rehme unter Telefon 0170/9544379.

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