Fr., 24.05.2019

Stadtwerkevorstand hält Investition von bis zu acht Millionen Euro für wahrscheinlich Kosten für Enthärtung explodieren

Obwohl sich auf dem Weg zu einer zentralen Trinkwasserenthärtung diverse Probleme auftun, sollen die Pläne weiterverfolgt werden. Es sei nicht möglich, den Bürgerentscheid von 2017 einfach zu kippen, hieß es im Verwaltungsrat der Stadtwerke.

Obwohl sich auf dem Weg zu einer zentralen Trinkwasserenthärtung diverse Probleme auftun, sollen die Pläne weiterverfolgt werden. Es sei nicht möglich, den Bürgerentscheid von 2017 einfach zu kippen, hieß es im Verwaltungsrat der Stadtwerke. Foto: Paul Golla/pixelio.de

Von Malte Samtenschnieder

Bad Oeynhausen  (WB). Die Hürden auf dem Weg zu einer zentralen Trinkwasserenthärtung für Bad Oeynhausen werden immer höher: War vor dem Ratsbürgerentscheid 2017 noch von geschätzten Investitionskosten von 5,6 Millionen Euro die Rede, hält Stadtwerkevorstand Andreas Schwarze inzwischen sogar Kosten von acht Millionen Euro für realistisch.

Zu den Hintergründen für diese Kostenexplosion äußerte sich Vorstand Andreas Schwarze am Mittwochabend im Verwaltungsrat der Stadtwerke. Nachdem die Mitglieder des Gremiums die Tagesordnung zuvor einstimmig geändert hatten, erfolgten Andreas Schwarzes Vortrag und die anschließende Diskussion nicht hinter verschlossener Tür, sondern in öffentlicher Sitzung.

Laut Stadtwerkevorstand ist der Bau der beiden benötigten Trinkwasserenthärtungsanlagen in Rehme und Bergkirchen derzeit aus mehreren Gründen nicht zu empfehlen.

»In Rehme bereitet uns Probleme, dass das dortige Wasserwerk kein Zweckbau, sondern ein Kunstwerk ist«, sagte Andreas Schwarze. Da es sich um einen Entwurf des Stararchitekten Frank O. Gehry handele, sei es nicht ohne Weiteres möglich, einen neuen Gebäudeteil etwa an die bestehende Glasfassade anzubauen. Dagegen spreche auch die Lage in der Wasserschutzzone I. Andreas Schwarze: »Kreis und Bezirksregierung haben deutlich gemacht, dass es für eine Erweiterung keine Genehmigung gäbe.«

Alternativgrundstück in Bergkirchen gesucht

Als Alternative für die Errichtung der zentralen Trinkwasserenthärtung komme das benachbarte Areal des alten Wasserwerkes (Wasserschutzzone II) in Frage. Das sei aber mit Mehrkosten von bis zu 1,9 Millionen Euro gegenüber der Kostenschätzung von 2017 verbunden.

»Das am Hochbehälter in Bergkirchen benötigte Grundstück für den Bau der dortigen Trinkwasserenthärtung steht ebenfalls nicht mehr zur Verfügung«, sagte Andreas Schwarze. Auf dem Gelände wolle der Wasserbeschaffungsverband Am Wiehen, von dem auch Bad Oeynhausen einen Teil seines Wassers beziehe, einen zusätzlichen Hochbehälter bauen.

Das sei zu Beginn der Planungen ebenfalls noch nicht in dieser Form absehbar gewesen. Erst danach sei es darum gegangen, Lösungen für die angespannte Trinkwassersituation in den Sommern 2017 und 2018 zu finden. Andreas Schwarze: »Die Suche nach einem Alternativgrundstück für die Trinkwasserenthärtung ist noch nicht abgeschlossen.«

Zudem wies der Stadtwerkevorstand darauf hin, dass der Brunnen des Wittekindshofes (73.000 Kubikmeter pro Jahr) wohl nicht, wie geplant, stillgelegt werden kann. Ein Grund sei die hohe Menge des Abschlagswassers (200.000 bis 240.000 Kubikmeter pro Jahr), das in den Trinkwasserenthärtungsanlagen in Rehme und Bergkirchen anfalle.

Andreas Schwarze: »Die Menge des Abschlagswassers entspricht etwa der Wassermenge, die wir künftig bei Engpässen durch Hitze und Trockenheit aus Porta Westfalica beziehen wollen. Und die neue Leitung ist noch nicht mal fertig.«

Trinkwasserpreis-Schwelle nicht einzuhalten

Als Folge der beschriebenen Schwierigkeiten sei die vor dem Ratsbürgerentscheid vorgegebene Schwelle, dass sich der Trinkwasserpreis durch die zentrale Enthärtung um maximal 30 Cent pro Kubikmeter verteuere, nicht mehr einzuhalten. Andreas Schwarze: »Derzeit gehe ich von etwa 32 Cent plus Mehrwertsteuer aus.«

Dem Vorschlag des Stadtwerkevorstandes, die Entscheidung über den Bau der Trinkwasserenthärtungsanlagen auf die zweite Jahreshälfte 2020 zu vertagen, folgten die Verwaltungsratsmitglieder nicht. »Es gibt einen Ratsbürgerentscheid, dem wir verpflichtet sind«, lautete die einhellige Meinung. Bis Dezember sollen die Stadtwerke nun eine belastbare Kostenschätzung als Grundlage für weiterer Vorgehen vorlegen.

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