Mi., 29.05.2019

Präventionskongress Depression: 340 Schüler informieren sich in Bad Oeynhausen »Bekämpft den Selbsthass«

Über das sensible Thema Depression und mögliche Folgen haben Kara Ehlert (von links) und der frühere Bundesligaspieler Martin Amedick informiert. Eingeladen hat Veranstalter Alexander Spernau, Geschäftsführer der Klinik LNK Dr. Spernau.

Über das sensible Thema Depression und mögliche Folgen haben Kara Ehlert (von links) und der frühere Bundesligaspieler Martin Amedick informiert. Eingeladen hat Veranstalter Alexander Spernau, Geschäftsführer der Klinik LNK Dr. Spernau. Foto: Rajkumar Mukherjee

Von Rajkumar Mukherjee

Bad Oeynhausen  (WB). Die Botschaft von Kara Ehlert (21) ist beeindruckend gewesen: »Man kann Selbsthass bekämpfen: Lernt, euch zu akzeptieren«, sagte die junge Frau aus Hille. Zum Thema Depression sprachen sie und der frühere Fußball-Bundesligaspieler Martin Amedick (36) aus Delbrück am Dienstag vor 340 Schülern im GOP-Kaiserpalais.

Erneut hatte der Veranstalter, das LNK Dr. Spernau Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik aus Bad Salzuflen, zu einem Präventionskongress für Schüler ins GOP-Kaiserpalais eingeladen. »Daran nehmen angehende Medizinische Fachangestellte, aber auch Schüler der Sekundarstufe II aus der Region teil«, sagte Alexander Spernau, LNK-Geschäftsführer. Vorträge, beispielsweise von Fachärzten, und Workshops gehörten von 8 bis 13 Uhr zum Programm des etwas anderen »Schultags«. Das Programm konnten weitere Schüler auch per Live Stream im Internet verfolgen.

Erfolgreicher Kampf gegen Magersucht

Welchen Eindruck Kara Ehlert bei den Schülern im Varieté-Theater des GOP hinterließ, beschrieb Moderator Stefan Leiwen in zwei Sätzen: »Habt Ihr gemerkt? Es ist mucksmäuschen still gewesen, als Kara erzählte.« Kara Ehlert hatte eine lebensgefährliche Magersucht überwunden, als 15-Jährige teilweise nur noch 39 Kilogramm gewogen.

»Heute studiere ich in Münster auf Grundschullehramt und habe ein Buch veröffentlicht«, sagte sie. Der Titel lautet »Hunger nach mehr«. Vor den jungen Zuhörern betonte sie, wie wichtig ein gesundes Selbstbewusstsein ist. »Lasst euch nicht von Selbstzweifeln auffressen, und hört nicht auf andere, die Lügen über euch erzählen«, sagte Kara Ehlert. Zugleich ermutigte sie die jungen Leute dazu, Betroffene zu unterstützen.

Depression trifft auch Erfolgreiche

Dass eine Depression auch sehr erfolgreiche Menschen treffen kann, verdeutlichte Martin Amedick. »Ich habe eine Bipolare Affektive Störung«, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Delbrücker hatte als Profi-Fußballer unter anderem für Arminia Bielefeld und beim damaligen Zweitligisten Eintracht Braunschweig gespielt, war mit dem Bundesligisten Borussia Dortmund 2008 im DFB-Pokalfinale und war mehrfach in die Bundesliga aufgestiegen: 2010 mit dem 1. FC Kaiserslautern, 2012 mit Eintracht Frankfurt, 2014 mit dem SC Paderborn.

»Ich hatte 2010 als Kapitän beim Aufstieg von Kaiserslautern eigentlich einen Glücksmoment. Ich konnte es in der Folgesaison aber nicht mehr so genießen«, sagte Martin Amedick. Zu dieser Zeit war ihm die Erkrankung bewusst geworden.

Sein Krankheitsbild ist sehr komplex. Typisch können dafür Auf-und-ab-Phasen sein. Kennzeichen der Form Bipolar II, von der Martin Amedick betroffen ist, sind zudem Hypomanie und Depression, die sich in sogenannten Episoden abwechseln. Betroffene in (hypo-)manischen Phasen haben – vereinfacht gesprochen – einen gesteigerten Antrieb, eine ebensolche Stimmung und sind sehr aktiv. »Ich bin dann voller Selbstbewusstsein und Energie. Das kann einige Wochen anhalten. Dann kommt eine Pause, gefolgt von der Depression«, sagte Martin Amedick.

Trigger beeinflussen Krankheitsverlauf

Solchen Erkrankungen liegt vermutlich eine genetische Veranlagung zugrunde. Trigger, also Auslöser, können den Verlauf beeinflussen. »Es ist ein langer Prozess, bei dem man irgendwann merkt: Hier stimmt was nicht«, sagte Martin Amedick. Viel Geduld brauche das Umfeld: neben der Familie im Falle von Sportlern auch Trainer und Mitspieler. Prominente Beispiele für an Depressionen erkrankte Fußballspieler seien Sebastian Deisler (Bayern München) oder Danny Rose (Tottenham), die offensiv die Öffentlichkeit informiert hatten.

»Mir geht es heute gut«, sagte Martin Amedick. Mit Ehefrau und Sohn (6) lebt er wieder in seiner Heimatstadt Delbrück. Er studiert Psychologie an der Universität Bielefeld. Zudem engagiert er sich in der Robert-Enke-Stiftung. Bundesliga-Torwart Robert Enke hatte sich 2009 das Leben genommen. Seine Ehefrau Teresa Enke ist Vorstandsvorsitzende der später gegründeten Stiftung. 2018 war sie Gast des LNK-Schülerkongresses im GOP-Kaiserpalais.

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