Di., 11.06.2019

Eingriff in Bad Oeynhausen rettet das Leben des Neugeborenen David Herz-OP gleich nach der Geburt

Dem kleinen David Hoang ist in Bad Oeynhausen mit einem aufwendigen Eingriff das Leben gerettet worden. Bei dem Jungen ist direkt nach der Geburt in Dortmund eine seltene, angeborene Fehlbildung festgestellt worden.

Dem kleinen David Hoang ist in Bad Oeynhausen mit einem aufwendigen Eingriff das Leben gerettet worden. Bei dem Jungen ist direkt nach der Geburt in Dortmund eine seltene, angeborene Fehlbildung festgestellt worden. Foto: Marcel Mompour

Von Christian Bröder

Bad Oeynhausen(WB). Dramatische Tage liegen hinter dem kleinen David Hoang aus Dortmund und seinen Eltern. Dass der Junge lebt, gleicht fast einem kleinen Wunder. Er kam am 24. Mai mit einer verengten Lungenschlagaderklappe zur Welt, sein Zustand war lebensbedrohlich. Doch ein seltener Kathetereingriff im Kinderherzzentrum Bad Oeynhausen hat ihm das Leben gerettet.

»Wir sind unendlich dankbar, dass unserem Sohn hier so schnell und gut geholfen werden konnte«, zeigt sich Vater Anhtu Hoang (40) sichtbar glücklich und erleichtert, dass er sein zartes Kind im blau-weiß-gestreiften Strampler in den Arm nehmen darf. Der Sushi-Koch und Ehefrau Nguyen Minh Hong (34) stammen aus Vietnam. Sie leben in Dortmund und hatten sich auf die Geburt ihres ersten Kindes gefreut. Doch dann der Schock!

Baby David, hier mit seinen Eltern Nguyen Minh Hoang und Anhtu Hoang, wird von Ulrike Huß (von links), Andreas Neufeld, PD Dr. Andreas Koster, Klinikdirektor PD Dr. Matthias Peuster, Andrea Stork und Claudia Putzka Foto: Marcel Mompour

Bei der Geburt gibt es Komplikationen. Der kleine, gerade mal 2500 Gramm schwere Junge hat Luftnot und läuft blau an. Die niederschmetternde Diagnose der Ärzte: David leidet unter einer sogenannten kritischen Pulmonalstenose, bei der die nur wenige Millimeter kleine Lungenschlagaderklappe so verengt ist, dass nicht genügend Blut in die Lunge gelangt, um dort mit Sauerstoff angereichert zu werden.

»Das Herz versucht ständig mit sehr großer Anstrengung, Blut durch die zu enge Herzklappe zu pumpen«, erläutert Privatdozent (PD) Dr. Matthias Peuster. Der 50-jährige Direktor der Kinderkardiologie in Bad Oeynhausen spricht im Fall von David Hoang von einer angeborenen Fehlbildung, die so selten sei, dass etwa eines von 20.000 Kindern, die auf die Welt kämen, betroffen sei.

David muss nach der Geburt stabilisiert werden

Dem kleinen David geht es so schlecht, dass er direkt nach der Geburt in einem Dortmunder Klinikum zunächst mit Medikamenten stabilisiert werden muss, um die Versorgung seines Körpers mit Sauerstoff sicherzustellen. Am gleichen Tag wird das Neugeborene mit dem Rettungswagen vom Ruhrgebiet aus in das Spezialklinikum für herzkranke Kinder in Bad Oeynhausen verlegt.

Keine 24 Stunden ist das Kind alt, als es auf der Kinderintensivstation aufgenommen wird. Die folgenden Tage sind furchtbar für die Eltern, die von der Fehlbildung im Vorfeld der Geburt nichts wussten. »Es ist unser erstes Kind und wir waren in schrecklicher Aufregung«, sagt Mama Nguyen Min Hoang. Sie verlebt Stunden zwischen Hoffen und Bangen.

Am 27. Mai dann, also vier Tage nach seiner Geburt, können die Ärzte schließlich den komplizierten chirurgischen Eingriff vornehmen, der David Hoang das Leben rettet. Um ein drohendes Rechtsherzversagen zu verhindern, entscheiden sich Peuster und sein erfahrenes Team dafür, einen Herzkatheter über die bereits vorhandene Nabelschnur-Wunde am Bauchnabel bis zur verengten Herzklappe zu führen. Diese soll dann durch einen Ballonkatheter geweitet werden, was bei den winzig kleinen Gefäßen eines Neugeborenen kein leichtes Unterfangen darstellt.

Herzspezialist hat schon mehr 10.000 Herzkatheter-Eingriffe gemacht

»Das ist aber bei weitem die schonendste Vorgehensweise, die es gibt. Das Risiko einer Gefäßverletzung ist so am niedrigsten«, erläutert Herzspezialist Peuster, der schon mehr als 10.000 Herzkatheter-Eingriffe bei Patienten mit angeborenen Herzfehlern durchgeführt hat. Da auch das Anästhesie-Team um PD Dr. Andreas Koster und Youssef Skaf erfahren ist, spürt das Baby vom Eingriff letztlich nichts und erwacht nach 20 Minuten aus der Narkose.

Die frohe Kunde sorgt für Erleichterung: David Hoang hat es geschafft. Die Ärzte haben seine kleine Herzklappe auf etwa acht Millimeter geweitet, es fließt wieder ausreichend Blut in die Lunge. Auch die Nachuntersuchung am nächsten Tag zeigt, dass alles in Ordnung ist. Anhtu und Nguyen Hoang treten überglücklich die Heimreise nach Dortmund an und ihr kleiner David schenkt seinen Lebensrettern aus Bad Oeynhausen zum Abschied ein Lächeln.

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