Fr., 14.06.2019

Spektakulärer Abbau der modularen Intensiv-Station am Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen Ein Jumbo-Projekt

Mit einem Jumbo-Kran werden die zehn Raummodule, die jeweils bis zu 40 Tonnen auf die Waage bringen, von ihrem Standort am HDZ auf wartende Sattelschlepper gehievt.

Mit einem Jumbo-Kran werden die zehn Raummodule, die jeweils bis zu 40 Tonnen auf die Waage bringen, von ihrem Standort am HDZ auf wartende Sattelschlepper gehievt. Foto: Gabriela Peschke

Von Gabriela Peschke

Bad Oeynhausen  (WB). Kranführer Kurt Witteborn hat den Mast auf 55 Meter ausgefahren. Der weithin sichtbare, orangefarbene »Langhals« des Jumbo-Krans leuchtet im Abendlicht, als der erste zu verladende High-Tech-Container am Mittwochabend behutsam seitlich über das Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) in Richtung Verladeplatz einschwebt, aufgehängt an vier Schlupfen.

Am Boden lenken Spezialkräfte der Firma Bohnet die »Landung« an langen Stahlseilen. Geschafft: Kurz vor 20 Uhr ist Nummer eins der demontierten modularen Intensivstation »reisefertig« für die Verladung auf den Sattelschlepper. Jetzt geht es Richtung Paderborn: Das Evangelische Krankenhaus St. Johannisstift erwartet die High-Tech-Module, um sie ebenfalls als Intensivstation zu nutzen.

Insgesamt zehn komplett ausgestattete Raumelemente in Modulbauweise nehmen ihren Weg dorthin: per Schwerlasttransport in der Nacht. »Die ersten zwei Module werden voraussichtlich zwischen 24 und 1 Uhr dort eintreffen«, sagt Kevin Knaub, Projektleiter des Schwerlastexperten Bohnet. Die in Süddeutschland ansässige Sonderspedition managt die spektakuläre Verladekation.

Zwei Elemente pro Schwertransporter

Immer zwei Elemente kommen auf einen Schwertransporter, was angesichts der Ausmaße der Module zu einer stattlichen Überbreite von mehr als einem Meter pro Seite führen wird. »Die Sattelschlepper fahren über die Georg­straße und die Detmolder Straße Richtung Autobahn A2«, erläutert Marc Lohmeier, Technischer Leiter am HDZ.

Der Weg ist buchstäblich vorgezeichnet: Mehr als 100 Meter Stahlplatten wurden verlegt, damit die schwere Ladung sicher vom Gelände und um die ersten Kurven kommt.

»Wir arbeiten mit den größten Autokranfirmen in Deutschland zusammen«, fügt Kevin Knaub hinzu. In diesem Fall war die Wahl auf die Firmen Franz Bracht beziehungsweise Hofmann in Paderborn gefallen. Zwei Tage steht der Stahlkoloss insgesamt auf dem Gelände des HDZ und manövriert die kostbaren High-Tech-Container, mit sicherer Hand gelenkt von Kurt Witteborn.

Der Kranfahrer ist seit 1978 im Geschäft, hat früher bereits in Ostdeutschland große Jumbo-Krane gesteuert. »Spektakulär« sei dieses Projekt schon, kommentiert er knapp, aber schwierig? »Nee, besonders schwierig ist das nicht«, antwortet der Profi und vergräbt die Hände tief in die Taschen der Latzhose.

Neun Jahre am HDZ NRW in Einsatz

Vor neun Jahren hatte das HDZ eine herzchirurgische Intensivstation mit 55 Bettenplätzen in Modulbauweise auf einer Stahlträgerkonstruktion errichtet, die innerhalb weniger Wochen fertiggestellt worden war: mit Wärmedämmung, Schallschutz und Brandschutz nach neuestem Stand der Technik.

»Zuletzt wurden die Räume nur noch als Büros genutzt, weil wir durch interne Umbaumaßnahmen die Intensivkapazitäten wieder ins Haus holen konnten«, berichtet Lohmeier. Über eine Fachvereinigung der Technischen Leiter sei er mit dem Klinikum in Paderborn ins Gespräch gekommen, das zeitnah Intensivplätze benötigte. »Innerhalb von einem Jahr war die Sache klar«, sagt Lohmeier, der jedoch keine Angaben über die Verkaufserlöse dieser Aktion macht.

Dass die Aktion reibungslos verläuft, daran hat auch Michael Schäffler von der Firma »em­power« seinen Anteil. Sein Unternehmen baut, saniert und installiert beziehungsweise demontiert die Modul-Systeme. »Das geht viel schneller, als wenn man baut«, lobt Schäffler sein Konzept. »Die High-Tech-Module sind nach der Übergabe quasi sofort einsatzbereit – es müssen nur die Betten reingestellt werden«, erläutert er. Alle Anschlüsse, Fenster und Türen, Schränke und Fußböden seien vorhanden.

25 Mitarbeiter an Aktion beteiligt

Nachdem der erste Container abgesetzt ist, gibt es für die Crew erst einmal eine Stärkung. Insgesamt sind mehr als 25 Mitarbeiter an der Aktion beteiligt. »Aber der Krankenhausbetrieb merkt nichts von allem«, versichert Lohmeier. Obwohl: »Der Hubschrauber-Landeplatz ist für drei Tage gesperrt.« Eine Ausweichfläche im Siekertal sei aber bereitgestellt. »Glücklicherweise brauchten wir sie aber noch nicht nutzen«, fügt er hinzu.

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