Di., 13.08.2019

Colon Sültemeyer und seine bronzenen Schweine sind bei den Stadtwerken eingelagert Auf Stroh gebettet

Mit dem Bau des Brunnens ist 1980 begonnen worden. Ein Jahr später sind die Arbeiten abgeschlossen

Mit dem Bau des Brunnens ist 1980 begonnen worden. Ein Jahr später sind die Arbeiten abgeschlossen Foto: Stadtarchiv

Von Louis Ruthe

Bad Oeynhausen (WB). Colon Sültemeyer und seine fünf Schweine: Seit Anfang April ist das Bad Oeynhausener Wahrzeichen aus dem Stadtbild verschwunden. Eingebettet in Stroh lagern die Bronzefiguren derzeit bei den Stadtwerken Bad Oeynhausen (SBO). Grund für die zeitweise Ausquartierung sind die anstehende neue Pflasterung in der Innenstadt in diesem Bereich und vorausgehende Arbeiten am Kanalnetz.

Wann der Colon mit seinen Figuren ins Zentrum der Stadt zurückkehren kann, dazu nannte die Stadt gestern auf Anfrage keinen Termin. Erst nach Abschluss der Sanierungsarbeiten in der Fußgängerzone sie dies möglich. Zeitnah stünden Gespräche an, bei denen es um die detaillierte Abstimmung des Bauzeitenplanes gehen werde. In »guter« Gesellschaft sind die Bestandteile des Colon-Sültemeyer-Brunnens, umgangssprachlich Schweinebrunnen, bei den Stadtwerken in einer Lagerhalle platziert.

Neben den fünf Holzkisten, in denen sie eingelagert sind, liegt die rote Telefonzelle, die über Jahrzehnte an der Portastraße nahe des Brunnens stand. »Jedes Schwein hat seine eigene Box«, sagt Rüdiger Ernst, Sprecher der SBO. In den aus Spanplatten bestehenden Holzkisten seien die Schweine, aber auch der Colon, mit Stroh umgeben. Damit wollte man Schäden vorbeugen.

Zur Geschichte

1954 äußerten Heimatfreunde erstmalig den Wunsch, so genannte Glücksschweine in der Kurstadt aufzustellen. Bis aus diesem Wunsch konkrete Pläne wurden, verstrichen etwa 25 Jahre, bis 1979 ein Ausschreibungsverfahren für einen Brunnen an der Kreuzung Klosterstraße/Paul-Baehr-Straße/Portastraße seitens der Stadt erfolgte. Anlass der Überlegung, nun doch eine Brunnenanlage in der Innenstadt zu bauen, war eine 10.000-Mark-Spende eines privaten Geldgebers. Der Spender übergab der Stadt die 10.000 D-Mark mit dem Auftrag, die Innenstadt baulich zu verschönern. So ist es in Unterlagen im Stadtarchiv nachzulesen.

Im Februar 1980 startete die Stadt dann eine Bürgerbefragung. Zur Auswahl standen drei Brunnenmodelle:

  • Modell A: Colon-Sültemeyer entdeckt mit seinen Glücksschweinen die Sole von Bildhauer Ernemann F. Sander aus Königswinter.
  • Modell B: Drei Badegäste in einem Holzbottich von Kurt Sanders aus Düsseldorf.
  • Modell C: Der Colon Sültemeyer und ein suhlendes Schwein entdeckt die Sole, entworfen vom Bad Oeynhausener Wido Bullen.

Mit großer Mehrheit viel das Votum auf das erste Modell von Ernemann F. Sander. Bereits im September 1980 wurde an Ort und Stelle gebuddelt, und mit einem Riesenkran der 14 Tonnen schwerer Wasserauffangbehälter im Boden versenkt. Doch bis die Schweine mit ihrem Colon kamen, verstrich Monat für Monat. Im Mai 1981 standen der Colon Sültemeyer und seine fünf Schweine schließlich an Ort und stelle, bis zum 1. April diesen Jahres.

Anfänglich wurde die Baumaßnahme mit 127.000 D-Mark kalkuliert. Im laufe des Jahres stiegen die Kosten auf 160.00 D-Mark.

Zentraler Treffpunkt

Schnell wurde der Schweinebrunnen zum Gesprächsthema in und außerhalb Bad Oeynhausens. Auch Sachbeschädigungen hat es in der Vergangenheit gegeben. So dauerte es keinen Monat, bis im Juni 1981 vermutlich Bad Oeynhausener Schüler die Schweine samt Colon in pinke Farbe hüllten. Von 1985 an wurde der Brunnen fester Treffpunkt von Stadtführungen. Jedes Jahr am Morgen des Heiligabend ist dort der zentrale Treffpunkt für alle Heimkehrer zu den Feiertagen.

Im Jahr 1987 bekam das Wahrzeichen sogar tierischen Besuch, der in der Geschichte wohl einmalig bleiben dürfte. Der Zirkus Renz war mit drei Elefanten zu Gast am Bad Oeynhausener Wahrzeichen. In den Folgejahren wurde es etwas ruhiger um den bronzenen Colon. Im Juli 2014 entschlossen sich Staatsbad und Stadt einen weiteren Colon Sültemeyer in der Stadt zu platzieren. Etwas unauffälliger platziert sitzt der zweite Bronze-Colon auf einer Parkbank zwischen Wandelhalle und Theater im Park.

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