Fr., 16.08.2019

Dehmer Meierbach, Rehmer Borstenbach und Loher Hambkebach ohne Wasser Heimische Gewässer fallen trocken

Von Louis Ruthe

Bad Oeynhausen (WB). Als Hanna Oberdieck (82) ihrer Hündin Futter und Wasser bringen will, traut die Seniorin ihren Augen nicht – der Dehmer Meierbach entlang ihres Grundstückes ist trockengefallen. »Das hat es, seitdem ich lebe, noch nie gegeben«, sagt die 82-Jährige. Auch für Eckhard Nolting, Biologe und Gewässerexperte der Stadt Bad Oeynhausen, ist es ein Novum.

»Ich bin auf unserem Hof geboren und habe immer ein Auge auf den Bach gehabt«, sagt Hanna Oberdieck. Früher habe die Landwirtin sogar eine Mühle mit der Kraft des fließenden Wassers im Meierbach betreiben können. »Der Bach ist für viele Tiere eine wichtige Wasserstelle«, sagt sie. Rehe und zahlreiche Vogelarten habe sie schon am Bach gesichtet.

Doch nicht nur der Meierbach ist in den vergangenen Tagen trockengefallen. »Der Borstenbach führt seit Tagen größtenteils kein Wasser mehr. Auch der Osterbach und der Hambkebach sind betroffen«, berichtet Eckhard Nolting im Gespräch mit dieser Zeitung. Dies sei keine unbedingte Neuheit. »Die Bäche im Süden der Stadt haben schon 2013 bei der damaligen extremen Hitzen stellenweise kein Wasser mehr führen können«, sagt Eckhard Nolting.

Erstmalig fallen Bäche im Norden trocken

Dass nun jedoch die ersten Bäche im Norden der Stadt trockenfielen, hat der Biologe in seiner 30-jährigen Tätigkeit noch nicht erlebt. »Bisher haben die Wiehengebirgsquellen immer ausreichend Wasser abgegeben, so dass die Bäche Wasser führen konnten«, sagt der 58-Jährige. Bei einigen Bächen, wie dem Volmerdingsener Bach oder dem Wulferdingsener Bach, die in Eidinghausen zum Karbach zusammenfließen, sei dies zum Glück auch weiterhin der Fall.

»Die aktuelle Trockenheit in den südlichen Bächen hat aber ein Ausmaß angenommen, das es so in Bad Oeynhausen noch nicht gegeben hat«, sagt Eckhard Nolting. Besonders schwerwiegend sei diese Trockenheit für den Borstenbach in Rehme. »Dort leben viele Kleinfischarten, denen nun der Lebensraum fehlt«, erklärt Eckhard Nolting. Daran könne auch ein Regenschauer nichts ändern.

200 Maßnahmen in 15 Jahren ergriffen

Etwa 80 Kilometer Bachlauf verlaufen durch Bad Oeynhausen. »Seit 15 Jahren versucht die Stadt im Rahmen des Gewässerentwicklungsprojektes ›Weser-Werre-Else‹ , die Bachläufe zu renaturieren und so zu erhalten«, erklärt Eckhard Nolting. Mehr als 200 Maßnahmen an den Bad Oeynhau­sener Gewässern seien durch das vom Land NRW geförderte Projekt bereits umgesetzt worden.

»Bei den Maßnahmen versuchen wir, den Gewässern Luft zu geben«, erklärt Eckhard Nolting. Die Bäche würden flacher und breiter angelegt. Zudem erfolge eine Bepflanzung entlang der Gewässer. »Wir entschleunigen sozusagen die Bäche und versuchen, das Wasser länger vor Ort zu halten«, sagt der Biologe. Durch die schattige Bepflanzung entlang der Seitenränder werde erreicht, dass, selbst wenn der Bachlauf nur relativ wenig Wasser führe, dieses nicht gleich bei den ersten sonnigen Tagen verdunste.

»In anderen Kommunen entlang des Wiehengebirges sieht es noch dramatischer aus«

Dadurch, dass die Stadt Bad Oeynhausen vor 15 Jahren schon gehandelt habe, sei Schlimmeres verhindert worden. »In anderen Kommunen entlang des Wiehengebirges sieht es noch dramatischer aus«, sagt Eckhard Nolting.

»Ein entscheidender Grund für die extreme Situation zur Zeit sind die zwei über der Norm trockene Jahre, die hinter uns liegen«, sagt Eckhard Nolting. Der Niederschlag im Sommer, aber auch in den Herbst- und Wintermonaten sei viel zu gering ausgefallen. Ein anderer, aber eher untergeordneter Grund sei die illegale Wasserentnahme durch Privatpersonen aus den öffentlichen Bächen. »Im Fall des Meierbaches überprüft die Untere Wasserschutzbehörde des Kreis Minden-Lübbecke solch eine Entnahme«, sagt Eckhard Nolting.

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