Di., 20.08.2019

Freundeskreis Museumshof führt Interessierte in die Kunst des Waffelbackens ein Mal süß, mal herzhaft

Ulla Langebartels (links) und Gitta Auf dem Kampe haben die Besucher des Museumshofes im Siekertal am Sonntag mit Waffeln versorgt. Seit vielen Jahren ist das Waffelbacken mit dazugehöriger Ausstellung eine sehr beliebte Veranstaltung des Freundeskreises Museumshof.

Ulla Langebartels (links) und Gitta Auf dem Kampe haben die Besucher des Museumshofes im Siekertal am Sonntag mit Waffeln versorgt. Seit vielen Jahren ist das Waffelbacken mit dazugehöriger Ausstellung eine sehr beliebte Veranstaltung des Freundeskreises Museumshof.

Von Lydia Böhne

Bad Oeynhausen  (WB). Sie können dünn, rund und knusprig, aber auch eckig, dick und weich sein: Die Varianten, in denen Waffeln gebacken werden können, sind unendlich. Ob klassisch mit Puderzucker oder herzhaft mit Kräuterfrischkäse – das Gebäck ist für jeden Geschmack wandelbar. Auf dem Museumshof konnten die Besucher am Sonntag nicht nur einige Varianten probieren, auch alte Waffeleisen standen zur Schau.

Seit vier Jahren organisiert der Freundeskreis Museumshof das Waffelbacken. Mehrere hundert Besucher drängen sich dann im historischen Fachwerkgebäude, um die Waffeln zu probieren. Meist weist der heimelige Duft frischen Backwerks schon auf dem Hof den Weg zum Haupthaus. Die fleißigen Bäckerinnen des Freundeskreises sind mit mehreren Kilogramm Teig stets auf den Ansturm vorbereitet. Auch für das Waffelbacken am Sonntag haben Ulla Langebartels und Gitta Auf dem Kampe vorgesorgt.

»Ich habe 4,7 Kilogramm Teig vorbereitet«, sagt Gitta Auf dem Kampe. Neben Dinkel hat sie in ihrem Teig erstmals auch Buchweizen verarbeitet, den sie selbst gemahlen hat. »Der Dinkel hat einen höheren Nährwert«, nennt Ulla Langebartels einen Vorteil dieser Variante gegenüber dem hellen Weizenmehl. Das Mitglied des Freundeskreises mag es lieber herzhaft. »Mit Salat zum Beispiel«, ergänzt Ulla Langebartels.

Viele Kombinationsmöglichkeiten

Die vielen Kombinationsmöglichkeiten machten die Waffel vor allem für die Menschen in früheren Zeiten interessant. »Ich kann mich daran erinnern, dass meine Großmutter als Teil der Kriegsgeneration oft Waffeln gebacken hat«, sagt Ulla Langebartels. »Weil die Menschen auch in Hungerzeiten immer Mehl und Eier im Haus gehabt haben und die Zubereitung ohne Butter funktionierte, hat man Waffeln zu jeder Gelegenheit backen können«, fügt das Mitglied des Freundeskreises hinzu.

Wie sich die Zubereitungsweisen mit der Zeit verändert haben, zeigt eine kleine Ausstellung alter Waffeleisen. Die ältesten schriftlichen und bildlichen Belege von Waffeleisen stammen aus Frankreich, Belgien und der Schweiz. Auch in den Wikingergräbern des siebten bis zehnten Jahrhunderts fand man Zangenwaffeleisen. Seit dem 15. Jahrhundert ist der Begriff in niederdeutschen Wörterbüchern erfasst. Das älteste Zangenwaffeleisen gibt es im Westfälischen Freilichtmuseum in Detmold zu sehen. Es stammt aus dem Jahr 1580.

Reichlich Anschauungsmaterial

Auch auf dem Museumshof konnten sich die Besucher ein aus Eisen geschmiedetes Zangenwaffeleisen anschauen. Es besteht aus einer Zange, die vorne in zwei runde oder eckige Platten mündet. Schon die Platten der Zangenwaffeleisen waren innen mit einem Muster versehen. Es diente dazu, den Teig besser zwischen den beiden Platten halten zu können und am Herauslaufen zu hindern.

Gebacken wurde der Teig, indem das Eisen in das offene Herd- oder Kaminfeuer gehalten wurde. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Zangenwaffeleisen mit der Verbreitung von Kochmaschinen vom Herdaufsatz-Waffeleisen abgelöst. Es konnte einfach in die kreisrunde Öffnung der Herdplatte eingesetzt werden. »Bis zum Aufkommen des elektrischen Waffeleisens wurde diese Form noch lange verwendet«, sagte Volkskundler Ulrich Tapper.

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